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Alles geklappt: so lief das erste Rennen auf dem Nürburgring

Motorsport : Gelungene Operation am offenen Herzen

Veranstalter, Fahrer und alle Beteiligten reagieren mit Erleichterung auf den geglückten Saisonstart am Nürburgring.

Seit 43 Jahren wird am Nürburgring Langstrecken-Rennsport gemeinsam für Amateure und professionelle Fahrer betrieben.  Die Serie, die früher VLN-Langstreckenpokal oder VLN-Meisterschaft hieß, und jetzt als Nürburgring Langstrecken Serie (NLS) firmiert, vereint wie keine zweite die gemeinsame Passion, sich auf der weltweit anspruchsvollsten Rennstrecke miteinander zu messen.

Unter den mehr als 400 seit 1977  gefahrenen Rennen wird die  am Samstag ausgefahrene 51. ADAC Adenauer Rundstrecken-Trophy ihren Eingang in die Geschichtsbücher  finden.  Als sichtbarer Beweis dessen, dass der „Ring“ auch unter ungeahnten Voraussetzungen zu seiner Bestimmung zurückgefunden hat.  Und dass die Vergangenheit eine Zukunft zwischen Hatzenbach und Galgenkopf hat.

Die Frage vor dem Start um 12 Uhr hieß im corona-bedingt ersten Rennen dieses Jahres nicht nur wie sonst: Wie wird das Rennen enden, wer wird auf welchem Platz wo in seiner Klasse landen? Es ging vor allem  darum: Würde das angesichts Hygiene- und Sicherheitskonzept den Anforderungen standhalten? Würden die Tausende von Zuschauern, die sonst an der Strecke sind, den Aufforderungen Folge leisten und zu Hause bleiben?

Dieses Rennen war die berühmte letzte Patrone im Lauf. Es musste funktionieren, wenn die erste Veranstaltung an der Nordschleife nicht auch die letzte in diesem Jahr sein sollte. Die, die in der wochenlangen Vorbereitung mit akribischer  Detailplanung an der Verwirklichung mitgewirkt hatten, hatten verinnerlicht: Fehler dürfte es nicht geben.  Denn die Vorlage, die der Nürburgring als Ausrichter gemeinsam mit der Uniklinik Bonn erarbeitet hatte, und die von der Kreisverwaltung Ahrweiler für gut befunden worden war, soll Blaupause für alles, was noch folgen soll in diesem Jahr. Und das ist eine Menge: 24-Stunden-Rennen, Oldtimer-Grand-Prix oder DTM. Nach dem NLS-Rennen, das mit dem Erfolg des BMW M6 GT3 von Walkenhorst Motorsport in der Besetzung David Pittard (GB) und Mikkel Jensen (DK) endete, dürften sich nicht nur die Sieger, sondern auch die Organisatoren vor Freude über den gelungen Samstagnachmittag in den Armen gelegen haben.

Die Auslagerung der großzügig dimensionierten Boxengasse in das Fahrerlager, ein akribisch ausgearbeiteter Fahrweg, genau kalkulierte Mindest-Standzeiten, ein Rennen auf gegenseitiger Vertrauensbasis statt technischer Abnahme und Fahrerbesprechung – alles funktionierte, weil alle mitmachten.  Mitmachen mussten, zumal sie erkannt hatten, was auf dem Spiel stand. Auch wenn vieles anders, ungewohnt, gewöhnungsbedürftig war.

Das bestätigten auch die Piloten aus der Region, die einen gelungenen  Einstand in die mit drei Monaten Verspätung gestartete Saison feierten. Das Eifeler Audi-Duo Rudi Adams (Nohn) und Arno Klasen (Karlshausen), auf Platz 16 in der Gesamtwertung ins Ziel gekommen, bilanzierte: „Respekt für das, was alle hier auf die Beine gestellt haben. Daran erkennt man auch, wie hoch der Stellenwert des Nürburgrings in jeder Hinsicht ist. Natürlich war es sehr schade, dass keine Zuschauer vor Ort waren. Die machen einfach die Atmosphäre aus. Aber ein Lob an die Fans und deren Disziplin. Auch das Zusammenwirken unter den Teams war großartig. Jeder arbeitete zwar für den persönlichen Erfolg aber alle wussten auch, dass sie mit zum Gelingen des Rennens unter diesen Voraussetzungen beitragen mussten.“

Philipp Leisen (Irrel), der mit dem Sieg im BMW E90 in der Klasse V4 einen ersten Schritt in Richtung des angepeilten Titels feierte,  war schon im Vorfeld „unschlüssig, ob ich dieses Jahr mit dem ganzen Drumherum und dem Kalender bis Ende November fahren sollte.“ Letztendlich habe er sich doch dafür entschieden, denn „am Ring hängen auch mal so viele Jobs und es ist ja auch nicht für die Ewigkeit so.“ Auch ihm haben die Zuschauer gefehlt: „Wenn man durchs Brünnchen fährt, und da steht nichts außer einem  Polizeibus, dann ist das schon komisch.“

Packender Langstrecken-Motorsport, aber keine Zuschauer an der Nordschleife: so lief der Saisonauftakt am Samstag. Foto: Jan Brucke/VLN/Picasa

Ins hohe Lied der Erleichterung  stimmten auch die Offiziellen ein. „Mein größter Dank geht heute an die Fans, die unserer Bitte nachgekommen sind, zuhause zu bleiben und das Rennen im Livestream zu verfolgen“, sagte  VLN-Geschäftsführer Christian Stephani. NLS 2 am 11. Juli, so hat es den Anschein, kann kommen. Die „Operation am offenen Herzen“ am Samstag ist gelungen. Der Patient lebt. In sieben Jahren wird er 100. Und der 27. Juni 2020 wird als ein ganz besonderes Datum in die Geschichtsbücher der „Grünen Hölle“ eingehen.