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Altrich: Kreativität und Ärmel hochkrempeln statt Tristesse

Fußball : Kreativität und Ärmel hochkrempeln statt Tristesse

Ordentlich ausgebremst wurden die Fußballer der SG Altrich durch Corona. Doch umhauen lassen sie sich davon nicht. Ganz im Gegenteil.

Seit 18 Jahren spielen sie in der Mosel-Kreisliga B, würden nur allzu gerne mal wieder hoch in die A-Klasse. Nach vielen vergeblichen Anläufen sah es zuletzt besonders gut aus für die SG Altrich/Wengerohr-Bombogen. Ende Oktober wurde die SG Vulkaneifel Meerfeld im Spitzenspiel mit 2:1 besiegt. Acht Dreier aus acht Spielen und eine meist sehr überlegene Spielweise: Das überwiegend aus Eigengewächsen bestehende Team um Spielertrainer Andreas Steffen war auf einem vielversprechenden Weg, und auch die zweite Mannschaft um Coach Jörg Marx stand in der C-Klasse mit blütenweißer Weste auf Rang eins.

Die inzwischen erfolgte Saisonann­ullierung traf die Spielgemeinschaft sehr hart, zumal man bereits in der vergangenen Saison knapp am Aufstieg gescheitert war; Abbruchmeister SV Hetzerath hatte da hauchdünn die Nase vorne.

„Dass es jetzt wieder nicht geklappt hat, tut mir sehr leid für die Jungs, die so toll zusammenhalten und sich auch über den reinen Fußball hinaus mit unserer SG identifizieren, wie man zum Beispiel bei Arbeitseinsätzen auf der Sportanlage immer wieder feststellen kann“, betont Werner Kappes und schiebt gleich hinterher: „Dann versuchen wir es halt im nächsten Jahr aufs Neue – in einer Liga, die durch viele ambitionierte Teams – allen voran der SV Wittlich – attraktiver denn je sein wird.“  Seit 31 Jahren ist der Bauunternehmer Vorsitzender des SV Altrich (SVA) und führt damit die Familientradition fort – sein Vater Walter leitete die Vereinsgeschicke zuvor 17 Jahre lang.

Die Corona-Situation habe dem Fußballverband nun mal keine andere Wahl gelassen, als die Saison frühzeitig zu beenden und nicht zu werten. Rund 400 Mitglieder hat der SVA, der sich nicht nur im Fußball, sondern auch mit Angeboten im Breitensport und Kursen engagiert. Obwohl es derzeit aufgrund der Corona-Einschränkungen in diesen Bereichen keine Aktivitäten gibt, verzeichne man nur sehr wenige Austritte, merkt Kappes erleichtert an: „Wir sind sehr dankbar dafür, dass die Leute auch in dieser schwierigen Zeit zu uns stehen.“ Spezielle Angebote in Corona-Zeiten hat der Verein dank der Unterstützung durch den vom Land Rheinland-Pfalz beauftragten Bewegungsmanager Theo Lamberts konzipiert (TV vom 12. Dezember 2020). „Insgesamt fünf Stationen mit Aufgaben für Körper und Geist sind dazu im Altricher Wald eingerichtet. An jeder Station folgt ein Hinweis, wie man zur nächsten Station kommt“, berichtet Kappes. Genauso wie der Zweite Vorsitzende Thomas Pauli, der früher auch schon mal 13 Jahre lang Jugendleiter war, legt er großen Wert auf Teamwork und Kontinuität: Im zehnköpfigen Vorstand seien die Aufgaben auf viele Schultern verteilt, und auch die Zusammenarbeit mit dem VfB Wengerohr-Bombogen loben sie ausdrücklich. Die Spielgemeinschaft besteht inzwischen seit 43 Jahren.

Auch wenn es derzeit keine Sportangebote gibt und die Fußballer aufgrund der neuerlichen Einschränkungen allenfalls Online-Training absolvieren, sind sie in Altrich alles andere als untätig: Derzeit wird der Tennen- in einen Rasenplatz umgewandelt.

„Von einem verbesserten Umfeld soll nicht nur unsere Fußballjugend, sondern das ganze Dorf profitieren“, lässt der Vorsitzende durchblicken. In den älteren Jahrgängen ist man derzeit nicht vertreten, schickt dafür aber einige Teams von den Bambini bis zur E-Jugend ins Rennen. Mit im Boot ist hier der SV Neuerburg als SG-Partner. Potenzial für mehr scheint vor den Toren Wittlichs vorhanden zu sein: Unter den gut 1700 Einwohnern Altrichs gibt es momentan rund 360 Kinder und Jugendliche bis 20 Jahre.

Der neue Rasen soll im Frühherbst bespielbar sein. „Vielleicht klappt es ja zu meinem 60. Geburtstag am 17. September. Das wäre doch ein schönes Geschenk“, sagt Kappes augenzwinkernd. An den Gesamtkosten in Höhe von 80 000 Euro beteiligen sich der Sportbund Rheinland, der Kreis Bernkastel-Wittlich und die Ortsgemeinde. 30 000 Euro muss der Verein selbst aufbringen. „Wir haben in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Deshalb kriegen wir das gestemmt“, versichert Kappes.

Ihm schwebt vor, die Sportanlage am Ortsrand darüberhinaus attraktiver zu machen. Geplant ist zudem ein 30 mal 15 Meter großes Kunstrasen-Minispielfeld, das nicht nur die Fuß-, sondern auch die Volleyballer des Vereins nutzen könnten.

Angedacht ist auch eine Multifunktionsanlage mit Trimm-Dich-Stationen. Über Crowdfunding und (weitere) Spenden hoffen sie, an die notwendigen finanziellen Mittel zu kommen. Geld spiele in der Fußballabteilung keine Rolle, unterstreicht Kappes: „Wenn ich mit potenziellen Neuzugängen rede und die ein Handgeld von ein paar Tausend Euro aufrufen, ist das Gespräch für mich sofort beendet.“

Nach Wengerohr nun bald auch in Altrich über einen Rasenplatz verfügen zu können, solle die Spieler vielmehr motivieren. Schon jetzt stehe fest, dass die erste und zweite Mannschaft „stabil zusammenbleiben und auch die Trainer weitermachen“, so Kappes.

Monatelang keinen Spielbetrieb zu haben, hätte bislang ein finanzielles Loch im unteren vierstelligen Euro-Bereich aufgerissen. Das ist aus Sicht der Altricher noch verschmerzbar. Allerdings gibt der Vorsitzende zu bedenken: „Wenn es im Herbst nicht wie gewohnt weitergehen kann, dürfte das aber auch für uns nicht so leicht wegzustecken sein. Ich befürchte, dass sich nach einer solch langen Pause dann doch viele vom Sport abwenden.“