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Amateurkongress in Kassel
„Empfehlungen müssen jetzt auch Taten folgen“

  Viermal war die Region beim Amateurkongress vertreten. Die beiden Vorsitzenden Dirk Bender (FC Deudesfeld, 3.v.l.) und Werner Gorges (FSV Trier-Tarforst, 6.v.l.) zählten ebenso zur Gruppe aus dem Fußballverband Rheinland wie Schiedsrichter Arianit Besiri (5.v.r.) sowie Verbandsvizepräsident Alois Reichert (r.).
Viermal war die Region beim Amateurkongress vertreten. Die beiden Vorsitzenden Dirk Bender (FC Deudesfeld, 3.v.l.) und Werner Gorges (FSV Trier-Tarforst, 6.v.l.) zählten ebenso zur Gruppe aus dem Fußballverband Rheinland wie Schiedsrichter Arianit Besiri (5.v.r.) sowie Verbandsvizepräsident Alois Reichert (r.). FOTO: FV Rheinland Kongress
Kassel. Sie diskutierten, erarbeiteten Vorschläge, knüpften Kontakte und tauschten sich aus: Unter den 300 Delegierten des Amateurkongresses in Kassel waren auch vier Fußballfunktionäre aus der Region.
Andreas Arens

Kreissport-Mitarbeiter beim Trierischen Volksfreund

Es war weit entfernt von einem lockeren Wochenendtrip in die nordhessische Metropole. Viel mehr als das Tagungshotel La Strada bekamen die meisten Kongressteilnehmer gar nicht zu sehen. „Das war alles andere als eine Lustreise“, stellte Werner Gorges klar. Der Vorsitzende des FSV Trier-Tarforst war im Vorfeld aufgrund seines Engagements in der Kommission „Stärkung des Ehrenamts“ von der Spitze des Fußballverbandes Rheinland in die elfköpfige Delegation berufen worden. Mit den in den Workshops erarbeiteten Handlungsempfehlungen (TV berichtete am Montag) liegt Gorges auf einer Wellenlänge – gerade, was das Vorhaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) angeht, gemeinsam mit der öffentlichen Hand Sonderprogramme zur Förderung von Sportstätten zu erwirken und Erleichterungen für das Ehrenamt (wie etwa die Ausweitung von Übungsleiterpauschalen oder der Abbau von Bürokratie) zu schaffen.

In einer Angelegenheit kam Gorges aber nicht weiter: Als Mitglied der Initiative Rettet den Amateurfußball setzt er sich auch für eine bessere Verteilung der Gelder bis hin zur Basis ein. „Dafür war in Kassel kein Platz. Trotzdem bleiben wir natürlich an dem Thema dran.“

Mit einiger Skepsis war Gorges’ Amtskollege vom Vulkaneifel-Verein FC Deudesfeld, Dirk Bender, nach Kassel gefahren. Am Ende zeigte er sich vom Ablauf und den Ergebnissen aber angetan: „Es war eine top organisierte Veranstaltung, sehr modern – unter anderem mit einer eigens geschaffenen App. Ich gehe mit einer positiven Grundstimmung aus dem Kongress. Ich hatte den Eindruck, dass der DFB die Probleme der Vereine ernst nimmt.“

Benders einziger Kritikpunkt deckt sich mit dem Eindruck der anderen drei regionalen Kongressteilnehmer: „Der Auftakt mit den Vorträgen war zu lang und zu theoretisch. Diese Zeit hätte man besser zum weiteren Austausch der Vereinsvertreter untereinander oder zusätzlichen Diskussionen nutzen können.“

Regelrecht begeistert war sogar Arianit Besiri vom Wochenende in Kassel: „Es haben sich Vertreter der unterschiedlichsten Ebenen an einen Tisch gesetzt. So hat man verschiedene Blickwinkel kennengelernt. Ich saß zum Beispiel mit dem Präsidenten des hessischen Fußballverbandes zusammen und konnte mit ihm Vorschläge erarbeiten.“ Der 25-jährige Schiedsrichter des FSV Trier-Tarforst ist im Fußballverband Rheinland Mitglied der Kommission Integration und Prävention, im Spielkreis Trier-Saarburg Integrationsbeauftragter und auch als Schiedsrichter bis hinauf zur A-Jugend-Bundesliga unterwegs. Der im Kosovo geborene Besiri schätzte auch den Austausch mit Kongressteilnehmern aus der Schweiz und Österreich, welche als Gäste in Kassel dabei waren.

Alois Reichert, im Verband für die Themen Fußballentwicklung und Talentförderung zuständiger Vizepräsident, weiß, dass  „den Handlungsempfehlungen jetzt auch Taten folgen müssen“.  

Die Steuerungsgruppe Amateurfußball unter Leitung von DFB-Vizepräsident  Peter Frymuth koordiniert nun die weiteren Arbeitsprozesse. Nächster Schritt ist der Entwurf eines Masterplans, der beim Bundestag Ende  September zum Beschluss vorgelegt und anschließend umgesetzt werden soll.

Gelohnt hat sich indes auch für Reichert das arbeitsreiche Wochenende in Kassel auf jeden Fall. Schließlich konnte er für seine Vorstandstätigkeit beim SV Ehrang einige wertvolle Erkenntnisse gewinnen: „Um mehr Ehrenamtler zu begeistern, muss man auch selbst aktiv werden,  zum Beispiel intensiver um weibliche Vorstandsmitglieder werben und Konzepte wie auch Leitbilder entwickeln.“