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Anna-Sophie Schmitt: Faszination vom Fliegens und Traum von Olympia

Leichtathletik : Die Faszination des Fliegens und der Traum von Olympia

Die 17-Jährige Anna-Sophie Schmitt aus Salmtal-Dörbach ist Deutsche U-18-Vizemeisterin im Hochsprung und hat noch große Pläne im Sport.

(teu) Der Traum vom Fliegen fasziniert Menschen seit Jahrtausenden - und auch Anna-Sophie Schmitt. Nur, dass sich die 17-Jährige aus Salmtal-Dörbach nicht mit irgendwelchen Hilfsmitteln das Gefühl des Schwebens erlebt, sondern ganz allein aus eigener Körperkraft. Die Tochter des ehemaligen Salmrohrer Oberligaspielers Michael Schmitt wurde in diesem Jahr Deutsche Vizemeister im Hochsprung bei den Unter-18-Jährigen und stand im deutschen Aufgebot für die letztlich wegen Corona abgesagte U-18-Europameisterschaft in Italien. 1,78 Meter, fast so hoch, wie ein durchschnittlicher deutscher Mann groß ist (1,80 Meter), springt Anna-Sophie Schmitt. Und die Gymnasiastin will noch höher hinaus.

Die Faszination des Fliegens, wenn auch nur für wenige Sekundenbruchteile, lässt Anna-Sophie Schmitt achtmal pro Woche trainieren. „Wenn man abspringt und durch die Luft fliegt, das Gefühl mag ich einfach“, sagt sie. Dazu kommt der Erfolg. Schon 2018, damals noch beim Wittlicher TV (einem Mitgliedsverein der LG Bernkastel-Wittlich) unter den Trainern Chaibou und Jamal Hassane, verbesserte sie den 40 Jahre alten Kreisrekord für 14-Jährige auf 1,68 Meter. Ein Jahr später wurde Schmitt mit 1,69 Metern Süddeutsche Meisterin der Altersklasse W 15. Nur bei den Deutschen Meisterschaften lief es nicht nach Wunsch. Mit 1,61 Metern belegte sie den siebten Platz. Mit ihrer damaligen persönlichen Bestleistung wäre sie Vizemeisterin geworden.

Das holte sie im August dieses Jahres nach. An einem regnerischen und windigen Samstagnachmittag gewann Schmitt mit 1,77 Metern in Rostock U-18-DM-Silber. „Ich war schon vorher konstant 1,77 Meter und 1,78 Meter gesprungen und hatte damit die Norm für die U-18-Europameisterschaft“, erzählt sie. Deshalb war der Druck zusätzlich groß - oder der Anreiz. Denn die beiden DM-Ersten sollten für die EM in Rieti nominiert werden. „Top zwei war natürlich das Ziel, auch wenn die EM wegen Corona letztendlich nicht stattfinden konnte“, erzählt Schmitt. Der Lehrgang, den der Deutsche Leichtathletik-Verband für die U-18-Nationalmannschaft in Ruhpolding organisierte, war aber zumindest ein kleiner Ersatz. Zumal die Teilnehmer ihr Nationaldress bekamen.

Um Sport auf hohem Niveau ausüben zu können, hat Anna-Sophie Schmitt mit kaum 16 Jahren den Schritt ans Sportinternat in Saarbrücken gewagt. „In der Oberstufe wären Leistungssport und Schule nicht mehr miteinander vereinbar gewesen“, erklärt die ehemalige Schülerin des Wittlich Peter-Wust-Gymnasiums. Während eines Tags der offenen Tür schaute sie sich mit ihren Eltern die Möglichkeiten am Saarbrücker Gymnasiums am Rotenbühl, einer sogenannten Eliteschule des Sports, an - und war begeistert. Weil im Internat zunächst einmal kein Platz frei war, wohnte Anna-Sophie Schmitt die erste Zeit bei der Familie einer Lehrerin. „Das war gut. Sie hat mir viel gezeigt“, war die junge Salmtalerin mit dieser Lösung zufrieden.

Mit dem Sprung zu mehr Selbstständigkeit kommt Anna-Sophie Schmitt augenscheinlich gut zurecht. Je nachdem was an Training oder Wettkampf ansteht, ist sie alle ein bis zwei Wochenende zu Hause in Dörbach, wo an der Grundschule auch ihr Talent entdeckt wurde. Bei einem Sportfest habe sie so gut abgeschnitten, dass man sie zum Leichtathletiktraining bei Chaibou Hassane zum WTV geschickt habe. Das Training war aber noch weit gefächert. Anna-Sophie Schmitt sprintete, lief über Hürden und machte auch Speerwurf.

Das hat sich mit dem Vereinswechsel zum SV GO! Saar 05 geändert. „In Wittlich hat man nicht die Möglichkeiten wie in Saarbrücken beispielsweise mit der Leichtathletikhalle“, erzählt Schmitt. Die acht wöchentlichen Trainingseinheiten von meist etwa zwei Stunden Länge sind auf sechs Tage verteilt. Zweimal pro Woche trainiert sie folglich zweimal. Diese Übungseinheiten sind vormittags in den Schulunterricht integriert. Samt Benotung! „Es ist alles spezifischer und leistungsorientierter“, sagt Anna-Sophie Schmitt zum Training beim Zehnkampf-Nachwuchs-Bundestrainer Lars Albert.

 Die 17-jährige Anna-Sophie Schmitt aus Salmtal-Dörbach (hier mit Trainer Lars Albert) wurde in diesem Jahr Deutsche Hochsprung-Vizemeisterin der Altersklasse U 18 und träumt von den Olympischen Spielen.
Die 17-jährige Anna-Sophie Schmitt aus Salmtal-Dörbach (hier mit Trainer Lars Albert) wurde in diesem Jahr Deutsche Hochsprung-Vizemeisterin der Altersklasse U 18 und träumt von den Olympischen Spielen. Foto: privat
 Schon mit 14 Jahren (hier bei den Bezirksmeisterschaften in Daun) sprang Anna-Sophie Schmitt aus Salmtal-Dörbach 1,68 Meter hoch und verbesserte damit den 40 Jahre alten Bernkastel-Wittlicher Kreisrekord der Altersklasse W 14.
Schon mit 14 Jahren (hier bei den Bezirksmeisterschaften in Daun) sprang Anna-Sophie Schmitt aus Salmtal-Dörbach 1,68 Meter hoch und verbesserte damit den 40 Jahre alten Bernkastel-Wittlicher Kreisrekord der Altersklasse W 14. Foto: Holger Teusch

Unter dessen Leitung will die junge Salmtalerin noch weiter hoch hinaus. 1,84 Meter und damit ihre eigene Körpergröße von 1,81 Meter zu überspringen ist eins der Ziele für die kommenden Jahre. 1,84 Meter war zuletzt auch die Norm für die U-20-Weltmeisterschaft, die 2022 in Kolumbien stattfinden soll. Anna-Sophie Schmitts Blick geht aber auch über die Nachwuchsklassen hinaus. „Ich will auch in der Erwachsenenklasse die Möglichkeit haben, international für Deutschland zu starten.“ Und natürlich: Olympia! „Schon mit sechs Jahren habe ich in Freundebücher als Traum geschrieben: bei Olympia dabei sein!“