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Arno Michels: Ein Champions-League-Sieger auf Heimatbesuch im Ruwertal

Arno Michels : Der Champions-League-Sieger und sein Vorvertrag bei der SG Ruwertal

Hinter dem 53-Jährigen aus Kasel (Kreis Trier-Saarburg) liegen irre Monate. Jüngst gewann er als Co-Trainer mit dem FC Chelsea die Champions League. Wie er das Erlebte sacken lässt und welches Angebot ihm sein Heimatclub SG Ruwertal gemacht hat, verrieten Michels und alte Weggefährten bei einem Besuch an alter Wirkungsstätte.

Über dem Vereinsheim der SG Ruwertal (SGR) am Sportplatz in Kasel (Kreis Trier-Saarburg) strahlt die Sonne. Und vor dem Clubhaus strahlen frühere Weggefährten mit dem berühmten Sohn des Vereins. Arno Michels, Gewinner der Champions League als Co-Trainer beim FC Chelsea, hat die große Fußball-Welt für einige Tage hinter sich gelassen und besucht nach einem Mallorca-Urlaub dieser Tage seine Heimat im Ruwertal. Die SGR hat – coronakonform in einem kleinen Rahmen –  einen Empfang organisiert, um die jüngsten Erfolge von Michels zu würdigen.

„Es ist eine tolle Geste von Arno, bei seinem Heimatverein vorbeizuschauen. Wir sind stolz, dass er unser Trikot getragen hat. Wenn ich daran denke, dass er nun die besten Spieler der Welt trainiert, bekomme ich Gänsehaut“, sagt SGR-Präsidiumsmitglied Erich Scherf, der mehrere Überraschungen für Michels parat hat.

Präsidiumskollege Ernst Willems hat aus dem SGR-Fundus ein Trikot der Saison 1986/87 ausgegraben, das nun in die Hände von Michels übergeht. Michels war zur jener Spielzeit als talentierter A-Jugendlicher in die Herrenmannschaft der SGR gekommen, die damals in der Landesliga spielte. Michels‘ Trainer seinerzeit: Klaus Wagner. Ihm verdankt Michels den Spitznamen ,Tunnel‘. „Ich weiß noch, wie Arnos Oma damals wie eine Zeugwartin für ihn war. Arno war ein technisch starker Spieler, der schon damals ein Spiel unwahrscheinlich gut lesen konnte. Ich habe ihm deshalb direkt das Kommando im Mittelfeld übertragen und ihn zudem als Elfmeterschützen benannt. Außerdem hat er immer wieder Mit- und Gegenspieler im Training sowie in Meisterschaftsspielen mit Beinschüssen genarrt – daher habe ich ihn ,Tunnel‘ genannt“, erinnert sich Wagner, der beim Empfang zugegen ist und der Michels‘ Werdegang mit Bewunderung verfolgt: „Wenn ich zwei Hüte hätte, würde ich beide ziehen. Es freut uns im Ruwertal ungemein, dass jemand ,von uns‘ solch eine Karriere hinlegt.“

Wie Arno Michels seine Auszeit zu Hause im Ruwertal genießt

Michels, der auch ein paar Flaschen Wein von der Ruwer, einen SGR-Schal sowie aus den Händen des Kaseler Ortsbürgermeisters Karl-Heinrich Ewald einen Krug mit dem Gemeindewappen geschenkt bekommt, freut sich sichtlich, bekannte Gesichter wiederzusehen. Der 53-Jährige schreibt ausgiebig Autogramme, macht Bilder mit Kindern und klinkt sich in ein Bambini-Training ein.

Arno Michels: Ein Champions-League-Sieger auf Heimatbesuch im Ruwertal
Foto: TV/Mirko Blahak

Michels will mit seiner Frau Christina bis Anfang Juli in seiner Wohnung in Kenn bleiben, ehe am 9. Juli beim FC Chelsea die Saisonvorbereitung beginnt. In London werden beide ein Domizil in Wimbledon beziehen. Er nutzt die Zeit zu Hause, um die unglaubliche Achterbahnfahrt der vergangenen Monate zu realisieren und zu reflektieren. Zur Erinnerung: Im August 2020 verlor Michels, der bereits viele Jahre an der Seite von Chefcoach Thomas Tuchel arbeitet, mit Paris St. Germain das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern. Bei PSG wurden Tuchel und Michels einen Tag vor Weihnachten geschasst. Einen Monat später heuerten sie in Chelsea an und führten den Club in der Premier League von Platz neun noch auf Rang vier – und in der Champions League zum unerwarteten Triumph im Endspiel von Porto gegen Manchester City.

Michels gewährt Einblicke in sein Seelenleben: „Hier auf dem Platz in Kasel habe ich meine halbe Kindheit verbracht. Ich weiß, wo meine Wurzeln sind. Ich fühle mich immer wieder wohl, wenn ich nach Hause komme und bekannte Gesichter sehe.“

Mit etwas Abstand kann er nun auch das Erlebte der vergangenen Monate besser einordnen. „Zweimal binnen neun Monaten das Champions-League-Finale zu erreichen, war der Hammer. Und es wäre ein Jammer gewesen, zweimal am Henkelpott vorbeigehen zu müssen. Mit dem Gewinn der Champions League ist ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Im Moment des Siegs ist so viel Belastung von mir abgefallen. Und so viele Glücksgefühle brachen sich Bahn. Der FC Chelsea kommt von außen etwas kühl rüber. Doch er bietet uns Trainern fantastische Möglichkeiten, sich zu entfalten. Es ist monstermäßig, als Trainer in der Premier League arbeiten zu können“, sagt Michels, der den SGR-Verantwortlichen ein gerahmtes Bild schenkt. Es zeigt ihn beim Kuss des Henkelpotts.

Arno Michels: Ein Champions-League-Sieger auf Heimatbesuch im Ruwertal
Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz
Arno Michels: Ein Champions-League-Sieger auf Heimatbesuch im Ruwertal
Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

Sollte für Michels irgendwann einmal die Trainerkarriere auf der ganz großen Bühne enden, steht ihm die Tür zur SGR übrigens sperrangelweit offen. Scherf plaudert aus dem Nähkästchen: „An Silvester 2019 haben wir mit Arno in der Trierer Musikkneipe Studio 11 einen Vorvertrag gemacht als Co-Trainer bei der SG Ruwertal. Wer sein Chef(-trainer) sein wird, haben wir ihm aber noch nicht verraten.“