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Aus dem Rollstuhl ins Ruderboot

Parasport : Aus dem Rollstuhl ins Ruderboot

Thorsten Polik aus Bernkastel-Kues ist der erste rudernde Rollstuhlfahrer auf der Mittelmosel.

(teu) Premiere in der Corona-Krise: Thorsten Polik ist der erste Rollstuhlfahrer, der auf der Mosel im Ruder-Einer unterwegs ist. „Trotz Corona dürfen Ruderer ja im Einer rudern“, erklärt Thomas Ruf vom Bernkasteler Ruderverein. Mannschaftsboote, in denen sonst oft die Anfängerausbildung durchgeführt wird, sind allerdings noch verboten.

Seit vergangener Woche genießt Polik das Training auf dem Wasser. „Das hat sich wegen Corona etwas verzögert. Es ist ein schönes Gefühl, endlich Sport draußen auf der Mosel zu machen“, sagt der 45-Jährige. Seit 2013 sitzt er im Rollstuhl. Eine Entzündung oder ein Blutgerinnsel im Rückenmark (genau konnten die Ärzte das laut Polik nicht sagen) führte zu einer inkompletten Querschnittslähmung ab Brustwirbel TH6.

Deshalb ist Polik auf ein speziell ausgerüstetes Sportgerät angewiesen. „Das Boot hat einen breiteren Rumpf und Auftriebskörper“, erklärt er und betont: „Ich fühle mich sehr sicher.“ Statt des sonst üblichen vor und zurück rollenden Sitzes, ist Poliks fest montiert und er mit Bein- und Beckengurt festgeschnallt. Auch die Skulls (mit denen gerudert wird) mussten laut Thomas Ruf speziell angepasst werden. Sonst kann man sie bei festem Sitz nicht benutzen.

Angefangen mit dem Rudern hat Polik im vergangenen Jahr auf dem Trockenen mit Ergometertraining. Er hat auch schon Rollstuhlbasketball gespielt, nicht zuletzt wegen der langen Anfahrtswege zum Training aber wieder aufgehört. „Man findet an der Mittelmosel nicht viele Möglichkeiten für Rollstuhlfahrer Sport zu treiben“, bedauert er. „Aber gerade für uns es wichtig in Bewegung zu bleiben.“ Weil viele Muskelgruppen beansprucht werden, ist Rudern ideal.

Thomas Ruf begleitet Polik auf der Mosel mit einem Katamaran und gibt Anweisungen wie bei jedem anderen Ruderanfänger. Die Rudertechnik muss er noch verinnerlichen, weiß Polik. „Mit dem Rhythmus habe ich noch Probleme.“ Deshalb sind auch Wettkämpfe, die es im Para-Rudern bis hin zu Olympischen Spielen gibt, zumindest vorerst noch kein Thema. „Aber die Möglichkeit gibt es“, freut sich Polik.