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Baseball: Trier Cardinals feiern 30-Jähriges

Spochtipedia - alles, was Sport ist! : Baseball: Neue Motivation für alte Meister

Seit 30 Jahren wird in Trier Baseball gespielt – die Cardinals machen’s möglich. Ein Blick in die bewegte Historie des amerikanischen Volkssports in der Moselstadt.

Manchmal wird eine schöne Erinnerung brutal demoliert, regelrecht zerlegt. Vielleicht durch neue Erkenntnisse. Oder, ganz profan, durch einen Einbrecher. Wie im Fall der Trier Cardinals. Da geht’s zwar „nur“ um einen Pokal, aber schließlich nicht um irgendeinen. „Der Meisterpokal 1995 ist leider bei einem Einbruch zerstört worden“, sagt die Dame im Cardinals-Bauwagen. „Aber sehen sie hier ...“  Sie reicht den zweiten rüber. Deutscher Mannschaftsmeister 1996. Unversehrt, immerhin.

Sie, Beate Zöllner, ist so etwas wie die gute Seele beim Trierer Baseballverein. Seit Jahren sorgt sie mit ihrem Mann für das Catering bei den Cardinals. An diesem Sonntag sind in der Bauwagen-Küche besonders viele Würstchen und Burger zu braten. Die Tribüne im „Römerfeld“ im Industriegebiet Euren füllt sich. Es werden Erinnerungen aufleben gelassen, die man nicht wie einen Marmorsockel zerschellen lassen kann: Die Cardinals feiern 30 Jahre Baseball in Trier. Mit einem Spiel der Traditionsmannschaft, mit einigen Deutschen Meistern von damals am Start, gegen die aktuelle Verbandsliga-Mannschaft.

„Come on, Jossi“, ruft ein Spieler aus dem Traditionsteam. Jos Ruschel, gerade als „Batter“ (Schlagmann) im Einsatz, ist mitverantworlich dafür, dass es die Cardinals überhaupt gibt. Mit Detlef Jacobs und Frank Barthel hatte er damals auf einer Wiese im Palastgarten den Anfang gemacht. „Ich habe holländische Wurzeln. Dort ist Baseball Schulsport“, sagt Ruschel. Das wollte er auch in Trier spielen können, so mit 18, 19 Jahren  – und der Erfolg kam sensationell schnell. Die Cardinals dominierten praktisch von Beginn an ihre Ligen. „Auch nach dem Aufstieg in die 2. Liga haben wir in der Saison nur drei Spiele verloren“, erinnert sich Ruschel. Mitte der 90er war Trier dann kurzzeitig das Zentrum des deutschen Baseballs: Topspieler wie Martin Helmig oder Stephan Jaeger wechselten damals zu den Cardinals. In ihrer Meistersaison 1995 verloren sie nur zwei Spiele. „sie dominierten die Saison wie die Bayern in der Fußball-Bundesliga“, schrieb damals der TV. Und in der Finalserie gegen die Lok­stedt Stealers aus Hamburg wurde es dann doch dramatisch. Damals kamen 1500 Zuschauer ins Moselstadion – die Baseballbegeisterung war damals gewaltig. „Und das entscheidende Spiel gewannen wir 4:3. Da war sogar das Fernsehen da, das DSF. Das war schon eine coole Zeit“, erinnert sich Ruschel. Dass die Cardinals seit 1996 ein eigenes Baseballfeld haben, resultiert auch aus den Erfolgen: Der Club hätte sonst keine Lizenz bekommen. „Das hat den Druck auf die Stadt erhöht“, sagt Jos Ruschel, der bis 2002 aktiv spielte und inzwischen zum Triathlon übergegangen ist. Die Schattenseite damals, vor allem nach dem zweiten Titel 1996: Der Verein war durch die eingekauften Topspieler völlig verschuldet – der Vorstand wurde ausgetauscht, und der Verein zog sein Team aus der Bundesliga zurück.

Das ist zwei Jahrzehnte her. Aktuell spielt der Club um den Vorsitzenden Moritz Plechatsch in der Verbandsliga. Knapp 60 Mitglieder hat der Verein, rund 20 Aktive –- die Zeiten waren schon mal rosiger. „Wir haben in der Mannschaft viele Mittdreißiger“, sagt Plechatsch. „Jugendteams haben wir aktuell nicht.“ Das würde er gerne wieder ändern – aber er weiß, wie schwer es ist, Jugendliche zu gewinnen. Zumal Baseball kein Spiel ist, bei dem sich sofort Erfolgserlebnisse einstellen. Die Grundregeln mit Schlagen, Fangen, Laufen sind recht schnell erlernt – aber das Regelwerk kennt auch viele Details.

Für Thomas Becker ist Baseball ein faszinierender Sport. Auch wenn ein Spiel schon mal dreieinhalb Stunden dauern kann und man nicht jede Minute davon später unbedingt in Zeitlupe sehen muss. Becker spielt seit 2014 für die Cardinals, zum Sport fand er schon früher. „Ich hatte vorher bei den Bitburg Warriors gespielt, aber den Club gibt es seit 2000 nicht mehr.“ Was den Sport ausmacht? „Vor allem der Teamgeist, auch die Taktik. Auch wenn das manchmal für die Zuschauer etwas langatmig sein kann.“

Beim Prestigeduell zwischen den „alten“ und den aktuellen Cardinals ist von Langeweile nichts zu spüren, das Spiel geht auch nur über fünf Innings. „Bisher hatten immer die alten Hasen die Nase vorn, zuletzt beim Jubiläumsspiel vor fünf Jahren“, sagte Moritz Plechatsch vor dem Spiel. Das ist nun vorbei: Das aktuelle Team gewann das Freundschaftsspiel.

„Das war ein toller Tag, vor allem wegen der vielen Zuschauer, von denen uns schon früher viele gesehen haben“, resümiert Ruschel. Die Niederlage kratzt aber schon ein bisschen an ihm: „Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nicht erst wieder in fünf Jahren gegeneinander antreten wollen, sondern am besten schon nächstes Jahr.“ Ein bisschen aus der Übung sei sein Team schon gewesen, trotz einiger Trainingseinheiten vor dem Spiel. „Früher hatten wir jeden Tag trainiert und 150 Bälle am Tag geworfen.“ Mit dem höheren Alter dürfte es nur bedingt zu tun haben. So hat etwa Peter Kordel –  einer der Alteingesessenen der Cardinals – seine aktive Laufbahn erst mit 56 Jahren beendet. Auch er wurde mal Deutscher Meister mit den Cardinals – mit dem Mixed-Team 2009.

Interesse am Baseball gewonnen? Infos gibt’s unter trier-cardinals.de

Foto: TV/Andreas Feichtner
Foto: TV/Andreas Feichtner
Foto: TV/Andreas Feichtner
Foto: TV/Andreas Feichtner

Weitere Infos zum Spiel: Das Feld der amerikanischen Träume