1. Sport
  2. Sport aus der Region

Beim Leiden die Landschaft genossen

Radsport : Beim Leiden die Landschaft genossen

Der U-23-Europameister Miguel Heidemann musste bei der Luxemburg-Rundfahrt aussteigen. Im Oktober hofft der Radsportler aus Hockweiler auf die Austragung der U-23-Straßen-DM.

(teu) Miguel Heidemann nimmt‘s äußerlich gelassen, dass er die Luxemburg-Rundfahrt vergangene Woche nicht beenden konnte. „Ich habe dem Team so viel wie möglich geholfen - und natürlich die Landschaft während des Leidens genossen“, erklärt der 22-Jährige Radprofi vom Team Leopard verschmitzt. Heidemann hatte Magenprobleme. Und wenn Radsportler nicht genug Energie nachführen können, um den ungeheuren Kalorienbedarf während eines Fünf-Tages-Rennen wie der Skoda-Tour de Luxembourg zu decken, ist das tödlich. „Wir haben dann entschieden, dass ich die vierte Etappe nicht zu Ende fahren“, sagt Heidemann zu seinem vorzeitigen Rennende.

Beim Heimrennen seines Leopard-Teams war das für den stets fröhlich wirkenden Wirtschaftsingenieur-Studenten natürlich bitter. Mehr als nur ein Trost sind die Erfolge, auf die Heidemann in der kurzen Corona-Saison zurückblicken kann. Erst gewann er mit der deutschen Mixed-Staffel bei den Europameisterschaften in Frankreich den Titel. Eine Woche später verteidigte der in Trier geborene und in Hockweiler aufgewachsene Heidemann seinen nationalen U-23-Titel im Einzelzeitfahren. „Das war mir ganz wichtig. Auch weil mir das auf einen Kurs gelungen ist, der mir eigentlich gar nicht so gut liegt.“

Gerne wäre Heidemann bei den momentan (24. bis 27. September) in Italien ausgetragenen Weltmeisterschaften gestartet. Doch die bereits kurzfristig aus der Schweiz nach Imola verschobenen Titelkämpfe finden wegen der Corona-Pandemie ohne U-23-Wettbewerbe statt.

Deshalb sitzt Heidemann momentan in Darmstadt, um für eine letzte Prüfung seines Wirtschaftsingenieur-Studiums (Fachrichtung Maschinenbau) am 6. Oktober zu büffeln. „Immer wenn ich Zeit habe und gerade keine Radrennen sind, versuche ich so viel wie möglich für die Uni zu tun“, erklärt er. Anfang Oktober hofft Heidemann auf ein Vier-Tages-Rennen in Italien. Dahinter stehen allerdings noch Fragezeichen wegen Corona. Sicherer scheint dagegen am 18. Oktober die Berg-DM im baden-württembergischen Ilsfeld-Auenstein sowie eine Woche später die U-23-Straßen-DM. Diese soll im Rahmen der bereits zweimal verschobenen Drei-Länder-Meisterschaft mit Fahrern aus Deutschland, Luxemburg und der Schweiz in Diekirch, also quasi vor Heidemanns Haustür stattfinden.

Und 2021? Heidemann will nach Abgabe seiner Bachelor-Arbeit im Winter die Saisonvorbereitung durchziehen. Er ist froh, dass er beim Continental-Team Leopard Sport und Studium miteinander verbinden konnte. „Nach langer Überlegung würde ich das Profitum nicht ausschlagen, aber nicht um jeden Preis“, sagt er zu seinen Plänen, wenn er im kommenden Jahr nicht mehr bei den Unter-23-Jährigen startberechtigt ist. Die Corona-Krise beeinflusst dabei momentan nicht nur den Rennkalender. Nicht nur die Tour de France, andere wichtige Rennen wie Giro d‘Italia und Vuelta werden bis in den November hinein ausgetragen - so spät im Jahr wie noch nie. Entsprechend verzögern sich auch die Abschlüsse der Sportler mit ihren Teams. Auch bei Heidemann ist noch nicht sicher, wie es weitergeht.