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Bernkastel-Kues: Große Pläne, schwieriger Auftakt

Fußball : Große Pläne, schwieriger Auftakt

Ein Verein mit enger Bande zum Kosovo hat sich in Bernkastel-Kues gegründet. Präsident Janni Gashi ist im Fußball kein Unbekannter und hat mit dem KF Vellaznimi einiges vor. Die Premiere in der C-Liga verlief aber enttäuschend.

Da half auch die prominente Unterstützung aus der Schweiz nichts: Eigens war Regip Xhaka angereist, um den neugegründeten KF Vellaznimi in seinem ersten C-Ligaspiel zu unterstützen. Der Vater des früheren Gladbachers und seit fünf Jahren bei Arsenal London engagierten eidgenössischen Nationalspielers Granit Xhaka erlebte in der Partie beim FC Büdlich-Breit-Naurath (FCBBN) 20 Minuten vor dem regulären Ende einen Spielabbruch. Nachdem die sowieso nur mit einem kleinen Kader angereisten Bernkastel-Kueser mehrere Verletzte zu beklagen hatten und zudem ein Akteur wegen einer Unsportlichkeit des Feldes verwiesen worden war, standen nur noch sechs Gästespieler auf dem Platz. Schiedsrichter Markus Schmitz beendete die Partie daraufhin beim Stande von 4:0 für den FCBBN.

„Ich gehe fest davon aus, dass das Spiel für uns als verloren gewertet wird“, sagt Vellaznimi-Präsident Janni Gashi, im Mosel-Fußball und sogar weit darüber hinaus kein Unbekannter: Ende der 80er Jahre kam er aus dem Kosovo in die Region, fand über den Fußball hier schnell eine neue Heimat: „Mit der Spielvereinigung Bernkastel-Kues ging es damals hoch bis in die Bezirksliga. Wir hatten eine tolle Truppe, und meine Mannschaftskameraden halfen mir sehr, mich hier zu etablieren. Der eine brachte mir Löffel, der andere Teller. Ich hatte ja am Anfang fast nichts.“

Vor rund eineinhalb Jahrzehnten half Gashi, der sein Geld als Gastronom verdient und über sehr gute Fußballkontakte verfügt, dem Bernkasteler Verein wieder auf die Beine, und Erfolg in Form von zwei Aufstiegen bis in die A-Klasse stellte sich ein. „Meine ganze Familie und ich sind fußballverrückt. Jetzt wollte ich unbedingt wieder etwas Größeres machen. Deshalb haben wir vor ein paar Monaten den KF Vellaznimi gegründet.“

Einen KF Vellaznimi – zu Deutsch: Bruder – gibt es auch im Kosovo. Hier wirkte Gashi bis vor wenigen Jahren als Clubchef, hätte mit dem Verein beinahe mal im Europacup gespielt. Nach seinem Ausscheiden wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Im Spielkreis Mosel fängt Gashi mit seinem neuen Verein noch einmal ganz unten an und hat offensichtlich hohe Ambitionen. Ein klares Ziel will er aber noch nicht benennen: Der derzeit aus vielen albanischen, kosovarischen, aber auch einer Handvoll deutschen Spielern bestehende Kader solle sukzessive verstärkt werden.

Trainer Sadat Pajaziti ist Inhaber der Uefa-A-Lizenz. Kommen wird laut Gashi in Kürze auch der frühere albanische Erstligaprofi Rudolf Popaj. Wie ernst es Gashi mit Vellaznimi Bernkastel-Kues meint, belegt die eigens eingerichtete Geschäftsstelle: Stundenweise arbeiten hier drei Kräfte. „Wir haben schon 150 Mitglieder und etliche Sponsoren“, berichtet der 53-Jährige stolz.

Doch der sportliche Anfang ist schwer. Gashi, der die Xhaka-Familie aus der Schweiz zu seinen Freunden zählt, berichtet auch von einer überharten Gangart des FC Büdlich-Breit-Naurath am Sonntag, sodass einige verletzt wurden. Sebastian Klassen, Fußball-Abteilungsleiter der Hochwälder, berichtet indes von einer Partie, die im ganz normalen Rahmen stattgefunden habe. „Unser Eindruck war eher, dass die Kräfte bei den anfangs so euphorischen Bernkastelern mit der Zeit immer mehr schwanden“.

Irgendwie müsse man die ersten Wochen überstehen, ehe mehr Qualität auf dem Platz stehe, betont Janni Gashi. Sonntag, 14.30 Uhr, auf dem städtischen Kunstrasen gegen den SV Gonzerath II, erwartet er lediglich, dass „wir uns gut verkaufen, die Partie durchstehen und alles fair bleibt“.