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Besondere Fahne: Trierer sammelt 65 Autogramme von Fußball-Nationalspielern

Von Beckenbauer bis Zimmermann : Trierer sammelt auf Fahne 65 Autogramme von deutschen Nationalspielern

Der Trierer Wolfgang Briesch (78) hat über mehrere Jahrzehnte hinweg Autogramme von 65 deutschen Fußball-Nationalspielern auf einer Fahne gesammelt. Dabei scheute er auch nicht einen Konflikt mit Toni Schumacher. Mit Blick auf die aktuelle EM ist Briesch (noch) zurückhaltend.

Er kam ganz nah ran an die Stars – und an ihm kam fast keiner vorbei, ohne eine Unterschrift zu leisten. Der Trierer Wolfgang Briesch hat über mehrere Jahrzehnte hinweg quer durch die Republik und im Ausland Autogramme von deutschen Fußball-Nationalspielern gesammelt. Von B wie Beckenbauer bis Z wie (Herbert) Zimmermann. Fritz Walter, Uwe Seeler, Horst Eckel, Uli Hoeneß, Günter Netzer und und und – insgesamt 65 (!) Autogramme zieren den gelben Streifen einer Deutschlandfahne, die Briesch zu Hause in Trier-Irsch gut behütet vor schädlicher Sonneneinstrahlung in seinem Büro aufbewahrt.

Die ersten Unterschriften wanderten Mitte der 1970er Jahre auf den Stoff. Briesch hat den Nationalspielern in den Stadien stets am Kabinenausgang aufgelauert. Häufig im Saarbrücker Ludwigspark – der FCS spielte zwischenzeitlich in der Bundesliga – aber auch in Köln, Frankfurt, München, Stuttgart oder Bremen. Briesch fuhr zu Erstliga-Partien, Pokalspielen und Länderspielen. Auch während Trainingslagern von Clubs im spanischen La Manga ging der Trierer erfolgreich auf Autogramm-Jagd. Aber auch vor der Haustür konnte Briesch seine Fahne gut bestücken. Aus Anlass von Partien der Lotto-Elf. Oder bei Freundschaftsspielen im Trierer Moselstadion – etwa, als der FC Bayern am 21. Juli 1990 dort gastierte.

„Damals kam man noch nah an die Spieler ran. Es gab zwar auch Ordner, aber die haben sich nicht so sehr für einen interessiert“, berichtet Briesch, der zudem ein Erfolgsrezept hatte: „Wichtig war, sich adrett zu kleiden. Das hat Eindruck gemacht. Zudem habe ich die Fahne den Spielern zum Unterschreiben immer so hingehalten, dass bereits andere Autogramme zu sehen waren. Das hat sie motiviert, ebenfalls zum Stift zu greifen.“

Aber es waren auch Hartnäckigkeit und Ungeniertheit gefragt. Etwa beim Wunsch, im Rahmen eines Freundschaftsspiels des 1. FC Köln in Trier ein Autogramm von Torwart Toni Schumacher zu ergattern. „Er ist direkt aus der Kabine in den Bus, der am Stadion stand. Ich bin die ganze Zeit um den Bus herumgelaufen in der Hoffnung, dass er nochmal kurz rauskommt. Das tat er nicht. Also bin ich rein in den Bus. Schumacher schrie: ,Wo gibt’s den sowas?!‘ Aber er hat mir ein Autogramm gegeben.“

Besondere Fahne: Trierer sammelt 65 Autogramme von Fußball-Nationalspielern
Foto: TV/Mirko Blahak

Aber Briesch musste auch vereinzelte Niederlagen einstecken. So scheiterte in Luxemburg der Versuch, ein Autogramm von Rudi Völler zu bekommen: „Er spielte damals für Leverkusen. Auch er verschwand nach einem Spiel direkt im Bus. Ich wollte damals eine Unterschrift von ihm in einem Buch. Ich habe es lange an das Fenster gehalten, wo er saß. Doch er rührte sich nicht.“

Für seine Autogramm-Fahne hat der heute 78-Jährige viel (Sprit-)Geld und Zeit investiert. Für Briesch, seit 1958 Mitglied und Fan von Eintracht Trier sowie Sympathisant des FC Bayern, ist es eine wertvolle Erinnerung an alte Zeiten.

Nun, nach fast 50 Jahren, hat Briesch den Deckel drauf gemacht – auch wenn Unterschriften von internationalen Starts wie Messi oder Ronaldo noch begehrte Trophäen wären. Doch die aktuelle Spielergeneration macht Fans das Leben schwer. Im Januar 2020 bat Briesch in La Manga den damals für Bayer Leverkusen spielenden Kai Havertz um ein gemeinsames Foto. Havertz lehnte ab – laut Briesch mit einer interessanten Aussage: „Er sagte: ,Mein Foto steht im Internet.‘“