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Brotdosen und Bälle für 200 Fußball-Kinder

Fußball : Mit kreativen Ideen durch die Krise

Günter Keller aus Traben-Trarbach ist DFB-Ehrenamtspreisträger im Fußballkreis Mosel. Im Gespräch mit dem TV verrät der Jugendtrainer der JSG Mont Royal, was ihn antreibt, und wie es ihm gelang, trotz der Corona-Einschränkungen sogar noch neue Mitglieder zu gewinnen.

Den Kopf in den Sand zu stecken, war noch nie Günter Kellers Ding. Auch nicht, als vor gut einem Jahr der Trainingsbetrieb für die Kinder bei der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Mont Royal wegen der Corona-Auflagen eingestellt werden musste. Genauso wie jetzt wieder der Nachwuchs nicht gemeinsam Sport treibt – um in Zeiten hoher Infektionszahlen das Risiko für jeden Einzelnen zu minimeren.

Wie vor einem Jahr gibt es auf Initiative des 51-Jährigen, der nun für sein Engagement mit dem DFB-Ehrenamtspreis des Fußballkreises Mosel ausgezeichnet wurde, deshalb wieder Trainingsvideos. Diese können die Kinder zu Hause durchführen – und wenn sie wollen, diese an ihre Trainer schicken. „Die machen Videos, da kommen die tollsten Sachen an, mit Musik und so weiter“, erzählt Keller und macht so deutlich, dass damit nicht nur sportliche Fähigkeiten eingeübt werden. Und: Es ist gelungen, die Kinder auch ohne Präsenztraining weiter für den Fußball zu begeistern.

Der Spaß am Spiel und der Bewegung ist das, was Keller für den Nachwuchs am Herzen liegt. Das war schon so, als er vor etwa 20 Jahren „wie die Jungfrau zum Kinde“, wie er lachend sagt, zum Jugendbetreuer wurde. Sein Sohn kickte damals auch und in der F-Jugend der JSG Mont Royal gab es damals zwei Teams.

Die zweite Mannschaft habe nur verloren, als er gefragt wurde, ob er nicht ein bisschen betreuen wolle. Keller vermittelte den jüngsten Kickern durch kindgerechte Übungsformen den Spaß am Spiel. „Da haben die auch angefangen zu gewinnen“, erzählt der Familienvater, der beim SV Wildstein Kautenbach als einer der JSG-Stammvereine zu Hause ist. Seit 2009 ist Keller Jugendstaffelleiter im Fußballkreis Mosel. Vor zwei Jahren kehrte er aber auch wieder als Vereinstrainer zur JSG Mont Royal zurück. Der Grund: Ein Projekt zum kognitiven Training interessierte ihn brennend. „Wir haben versucht, das aus dem Profi- in den Amateurbereich runterzubrechen“, erzählt er. Auch die Jugend soll profitieren. Anstatt dass der Trainer von der Seitenlinie aus den Spielern Anweisungen zuruft, sollen selbst junge Sportler befähigt werden, selbst Lösungen für die jeweilige Spielsituation zu finden.

Aber dazu musste die Fußballbegeisterung auch im Lockdown hochgehalten werden. Weil die Weihnachtsfeier vergangenes Jahr ausfiel, besorgte Keller rund 200 Brotdosen mit JSG-Emblem und verteilte diese mit Süßigkeiten und Mandarinen gefüllt in der Vorweihnachtszeit an die JSG-Spieler. Der Traben-Trarbacher nahm sich extra Urlaub, um zwei Wochen lang – zwischen Lötzbeuren im Hunsrück über alle möglichen Moselorte bis nach Krinkhof in der Eifel – die Dosen zu überbringen.

„Ich wollte, dass die Kinder etwas haben, was sie jeden Tag sehen und mit dem Fußball in Verbindung bringen. Wir haben sogar Mitglieder gewonnen“, freut sich Keller noch heute über die erfolgreiche Aktion. Diese wird es in diesem Jahr in ähnlicher Form wieder geben. 200 kleine, an einer Schnur befestigte Fußbälle, sogenannte Metronombälle, hat Keller mit Hilfe von Sponsoren angeschafft. „Damit können die Kinder im Wohnzimmer spielen, ohne die Einrichtung zu zerstören“, sagt er. Und den Urlaub, um die Bälle zu verteilen, hat Keller bereits beantragt.

 Günter Keller, der DFB-Ehrenamtspreisträger des Fußballkreises Mosel, will den Nachwuchskickern der JSG Mont Royal in diesem Jahr sogenannte Metronombälle schenken, damit sie auch zu Hause üben können.
Günter Keller, der DFB-Ehrenamtspreisträger des Fußballkreises Mosel, will den Nachwuchskickern der JSG Mont Royal in diesem Jahr sogenannte Metronombälle schenken, damit sie auch zu Hause üben können. Foto: privat

Den Preisträger des Wettbewerbs „Fußballhelden“ – ein weiterer Teil der DFB-Aktion Ehrenamt - stellt der TV in der kommenden Woche vor.