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Corona-Krise: Der Präsident des PST Trier spürt eine deutliche Verunsicherung

Interview Thomas Lorenz : Corona-Krise: Der Präsident des PST Trier spürt eine deutliche Verunsicherung

Viel wird darüber diskutiert, wie der Profisport die Corona-Krise übersteht. Doch wie sieht’s im Breitensport aus? Angesichts wegfallender Einnahmen und hoher Fixkosten baut der Präsident des PST Trier auf die Solidarität der Mitglieder und finanzielle Hilfen. Und er richtet einen Appell an die Gesellschaft.

Mit knapp 3300 Mitgliedern ist der PST Trier der größte Verein in der Region Trier. Im Interview spricht Präsident Thomas Lorenz über aktuelle Auswirkungen der Corona-Kise und mögliche Auswege.

 Wie hart trifft die Corona-Krise den PST?

Lorenz: Wir sind ein Verein, der viele eigene Sportstätten zur Verfügung stellt, die alle eine mehr oder weniger kostenintensive Unterhaltung notwendig machen. Zusätzlich beschäftigen wir mehrere hauptamtliche Mitarbeiter. Daraus resultieren hohe monatliche Fixkosten.

Ein wesentlicher Aspekt wird die Dauer der Beschränkungen sein, denen wir unterliegen. Dauern diese nur kurzfristig an, werden die Auswirkungen überschaubar bleiben. Sollten die Beschränkungen längerfristig andauern und sich dann spürbar in der Mitgliederzahl bemerkbar machen, können wir schnell in finanzielle Probleme geraten. Hier unterscheiden wir uns nur wenig von einem Wirtschaftsbetrieb.

Keine Wettkämpfe und Kurse, ein leeres Fitness-Studio: Welche Reaktionen kommen von den Mitgliedern?

Lorenz: Es gibt sehr unterschiedliche Reaktionen. Die meisten Mitglieder haben Verständnis für die Maßnahmen zum Schutz vor der Infektion, während andere ein Sonderkündigungsrecht einfordern. Unser Eindruck ist, dass die große Mehrheit unserer Mitglieder sich solidarisch zeigt und dem Verein treu bleiben will. Dennoch ist eine deutliche Verunsicherung spürbar.

Wie reagieren die Abteilungen: Bieten sie zum Beispiel Online-Angebote für die Mitglieder an?

Lorenz: Die Abteilungsleiter, mit denen wir per E-Mail Kontakt halten, zeigen alle ein großes Verständnis für die getroffenen Maßnahmen. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen sie den Solidargedanken in ihren Abteilungen weiterzugeben. Es gibt Abteilungen, die auch per Videoschaltung arbeiten, zum Beispiel unsere Leichtathleten.

Sie haben die eigenen Sportstätten angesprochen, dazu die Mitarbeiter, Trainer, Übungsleiter. Wie hoch sind die monatlichen laufenden Kosten, auch wenn der Sportbetrieb ruht?

Lorenz: Wir stellen viele vereinseigene Sportanlagen zur Verfügung. Neben der Toni-Chorus-Halle und dem Fitness-Studio sind das etwa die Reitanlage, das Schützenhaus, der Wasserskisteg und die Agility-Anlage. Dazu kommen noch der von uns betriebene Segelhafen in Monaise und Anteile vom Waldstadion. Diese Anlagen wollen alle unterhalten werden und sind zum Teil kostenintensiv. Dies verbunden mit der Bedienung unserer Darlehen sowie unseren Löhnen für die hauptamtlich Beschäftigten und diejenigen, die einen Anspruch auf Fortzahlung gemäß ihrer Verträge haben. Zusammengenommen sind dies mehrere Tausend Euro pro Monat, die als Fixkosten auch während dieser Phase weiterlaufen.

Monika Sauer, die Präsidentin des Sportbunds Rheinland, appelliert an alle Vereinsmitglieder, weiterhin die Mitgliedsbeiträge zu leisten. Wie steht’s um die Zahlungen der PST-Mitglieder?

Lorenz: Bisher können wir keine spürbaren Veränderungen feststellen, sondern erfahren viel Zusammenhalt und sportliche Solidarität.

Verfolgt der PST Pläne, Beiträge zu erstatten?

Lorenz: Der PST wird in dieser Angelegenheit den Empfehlungen des Sportbunds folgen. Aufgrund der Dimension und der Komplexität der augenblicklichen Situation halten wir es nicht für sinnvoll, dass einzelne Vereine im Alleingang nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Da alle Sportvereine, große wie auch kleine, betroffen sind, kann es für uns nur eine übergeordnete Institution geben, die weitreichende Entscheidungen trifft. Und diese Institution ist für uns der Sportbund. Auf deren Webseite sind entsprechende Hinweise und Richtlinien veröffentlicht.

Wie viele Mitglieder-Austritte gibt es bislang wegen Corona?

Lorenz: Speziell auf Corona bezogen gibt es bislang vier Kündigungen.

Mussten Sie bereits Verträge von Übungsleitern auflösen?

Lorenz: Bisher wurden keine Verträge aufgelöst.

Fürchten Sie Engpässe wegen ausbleibender Sponsoren-Zahlungen?

Lorenz: Der wesentliche Faktor wird der Zeitraum sein, in dem dieser ,Shutdown’ im Sport andauert. Im Moment sehen wir noch keine Probleme. Unsere Sponsoren zeigen sich ebenfalls sehr solidarisch.

Keine Einnahmen aus Spielbetrieb, Veranstaltungen oder Kursen: Welche Abteilung trifft’s am härtesten?

Lorenz: Es trifft alle Abteilungen hart, die einen Spielbetrieb haben. Da sind zum Beispiel die American Footballer, die während der Spiele Getränke und Speisen verkaufen, um ihren Saisonbetrieb mitfinanzieren zu können. Hier verstärken sich die Auswirkungen für die Abteilung.

Wie lange kann der PST die aktuelle Situation finanziell überstehen?

Lorenz: Kurzfristig sehe ich noch keine Probleme für den PST. Sollte jedoch der jetzige Zustand über mehrere Monate andauern, und sollten die Mitglieder ihre Eigeninteressen über den Solidargedanken stellen, befürchten wir eine große Zahl an Kündigungen. Aufgrund unserer hohen Fixkosten könnten wir dann schnell in finanzielle Probleme geraten.

Befürchten Sie ein Vereinssterben in der Region Trier?

Lorenz: Je länger dieser ,Shutdown’ andauert, umso größer sehe ich tatsächlich die Gefahr, dass sich die Anzahl der Vereine in unserer Region verringern wird. Der ausschlaggebende Faktor wird auch hier die Solidarität der Mitglieder zu ihrem Verein sein.

Inwieweit hoffen Sie auf finanzielle Hilfe von den Sportbünden beziehungsweise von der Politik?

Lorenz: Natürlich haben wir die Hoffnung, dass Vereine für die entstandenen Kosten entschädigt werden. Hier sehen wir genau wie bei der Frage nach Beitragsrückerstattungen wieder den Sportbund in verantwortlicher Position. Nicht jeder Verein verfügt über die notwendige Infrastruktur, um aufwendige Erstattungsanträge auszufüllen, um für entstandene Kosten entschädigt zu werden.

Eine mögliche Entschädigungssumme muss meiner Meinung nach durch die Sportbünde ausgehandelt werden und nach deren Erhalt entsprechend auf die Vereine verteilt werden. Dabei dürfen die größeren Vereine die kleinen Vereine nicht vergessen.

Der Deutsche Olympische Sportbund und die Landessportbünde fordern von der Politik einen Schutzschirm für Vereine. Wie sollte der aussehen, was müsste er beinhalten?

Lorenz: Berücksichtigt werden müssten die unterschiedlichen Strukturen der Vereine. Gibt es vereinseigene Sportstätten, gibt es hauptamtliche Beschäftigte oder Trainer auf Honorarbasis? Wie hoch ist die Anzahl der Kündigungen, die ein Verein hinnehmen musste? Und wie groß sind die Auswirkungen aufgrund des fehlenden Spielbetriebs? Letztendlich geht es um die Bezifferung des entstandenen Verlustes. Es ist eine anspruchsvolle und detaillierte Statistik vonnöten, die meiner Meinung nach nur der Sportbund erbringen kann.

Wann ist wieder an einen normalen Sportbetrieb zu denken?

Lorenz: Es kann zu diesem Zeitpunkt nur eine spekulative Antwort auf diese Frage geben. Meine Hoffnung ist, dass sich die Zustände schnell wieder normalisieren. Wenn ich allerdings die momentane Situation nüchtern betrachte, befürchte ich, dass wir noch einige Monate mit dieser Situation leben müssen. Ich bin mir bewusst, dass dies sehr schwierige Zeiten für alle Vereine und natürlich für deren Mitglieder mit sich bringen wird. Für mich persönlich wiegt die Gesundheit jedes einzelnen jedoch schwerer als alle Einschränkungen, denen wir im Moment unterliegen. Dies gilt insbesondere auch für die zahlreichen Senioren in unserem Verein.

Was können der Sport und die Gesellschaft aus der Corona-Krise lernen?

Lorenz: Dass wir uns wieder auf das besinnen, was wirklich wichtig ist. Wenn ich einige Wochen zurückblicke, sehe ich eine Anspruchsgesellschaft, die überwiegend nur konsumieren möchte und in der sich der Einzelne möglichst wenig zum Beispiel in Sportvereinen einbringt. Nur noch sehr wenige sind dazu bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Jetzt werden wir gezwungenermaßen entschleunigt, und es wird uns schmerzlich bewusst gemacht, dass die Solidarität zueinander und die Rücksichtnahme auf andere ein hohes Gut sind.

Ich hoffe, dass zumindest ein Teil der Solidarität, die in dieser Krise immer mehr zunimmt, auch nach deren Ende weiterbestehen wird. Es würde uns nicht zum Schlechten verändern.

Die Fragen stellte Mirko Blahak.

Wie es bei anderen Vereinen in der Region aussieht, lesen Sie in den nächsten Tagen im TV.