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Daun: Auf den Topstart folgt die große Leere

Handball : Auf den Topstart folgt die große Leere

Schon kurz nach dem Saisonstart war für die Handballer coronabedingt wieder Schluss. Was sich in den Vereinen seitdem getan hat und wie sie die Zukunft planen, beleuchtet der TV in den kommenden Wochen. Den Auftakt macht Herren-Oberligist TuS 05 Daun. Warum Trainer Igor Domaschenko sagt, dass der Abbruch Pech für seine Mannschaft und Glück für die Konkurrenz gewesen sei.

Bereits seit gut zwei Monaten  geht nichts mehr: Am 21. Januar wurde die RPS-Oberligasaison 2020/21 annulliert. Seit Oktober und noch mindestens bis in den kommenden Herbst hinein ruht damit auch der Spielbetrieb für die von Igor Domaschenko trainierte Mannschaft des TuS 05 Daun, die nach dem Aufstieg so vielversprechend in die neue Saison gestartet war. Mit einem 35:28 über den TV Nieder-Olm gelang ein Auftakt nach Maß, zumal auch die Vorbereitung gut gelaufen war. Wenig später setzte dann die große Leere ein.

Die Teams aus den Landesverbänden Rheinhessen und Rheinland sollten in der Oberliga-Staffel I spielen, die Mannschaften aus der Pfalz und dem Saarland in der Komplementärstaffel – durch den ausgesetzten Abstieg und Aufstiege war das Teilnehmerfeld im Vergleich zu den Saisons davor größer geworden, und durch eine Aufteilung wollte man mehr Flexibilität erreichen.

„Seit dem Lockdown im Oktober war die Mannschaft nicht mehr in der Halle. Bei uns im Landkreis werden die Hallen frühestens erst nach Ostern wieder aufgemacht, und wir müssen abwarten, was dann unter Einhaltung der Hygienestandards möglich sein wird. Unsere Jugendleitung plant derzeit genauso wie die Herren eine Rückkehr, zunächst im Freien“, berichtet der seit 2016 amtierende Abteilungsleiter Michael Thomas (49).

Er weiß um die schwierige Situation: „Wir müssen abwarten, wie sich der Lockdown insgesamt auf unsere Jugendlichen und Kinder auswirkt. Was das Sponsorenverhalten anbelangt, wird es sicher auch schwierig. Wir werden von einer Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen aus der Region unterstützt und man muss sehen, was hier von den Firmen noch leistbar ist.“

Geschockt war die Dauner Handballfamilie zuletzt von der Nachricht des Todes von Manfred Krausch. „Bei ihm liefen die ganzen Sponsorenkontakte über die Freunde des Dauner Handballs zusammen“, bedauert Thomas den Verlust eines wichtigen Mannes im Hintergrund.

Sportlich planen sie beim TuS 05 für die kommende RPS-Oberligasaison. Man habe mit dem Großteil der Mannschaft eine weitere Zusammenarbeit vereinbart. In Daun hoffen sie, dass die Liga auch in der kommenden Spielzeit in zwei Staffeln aufgeteilt wird. „Wir würden aber auch in eine eingleisige Liga-Saison gehen – wohlwissend, dass dies für einige unserer Spieler aufgrund ihrer privaten Situation schwieriger werden würde“, lässt Markus Willems (53) durchblicken. Der langjährige Trainer und Meistermacher aus der vorvergangenen Saison ist in die Planungsprozesse des Vereins und der Mannschaft involviert und fungiert als Bindeglied zwischen Trainer Igor Domaschenko und der Handballabteilung. Man habe sich vom Verband gewünscht, dass schon vor dem Meldeschluss am 20. April die Entscheidung hinsichtlich der Staffeln falle. „Dass dies für den Verband schwierig wird, ist uns aber bewusst“, so Willems.

Was mögliche Neuzugänge angeht, würden sie in Daun „Augen und Ohren offenhalten“, sagt Thomas. Dabei sei es wichtig, dass „die Spieler ins Mannschaftsgefüge passen und wir uns die Verpflichtung auch leisten können“. Vieles sei derzeit aufgrund der Corona-Situation noch hypothetisch, doch man habe die Rückendeckung des elf Abteilungen umfassenden Stammvereins, betont der Handballchef abschließend.

Willems sieht jede Menge Fragezeichen: „Noch ist völlig unklar, ob wir überhaupt im September wieder in den Meisterschaftsbetrieb starten können. Entscheidend wird zudem die Frage sein, ob Zuschauer zu den Spielen zugelassen sind. Sollte es nach den Osterferien mit dem Hallentraining tatsächlich wieder losgehen können, sehe ich einer schwierigen Saisonvorbereitung entgegen, da wir einfach nicht wissen, wann es losgeht.“

Doch so gehe es allen Oberligisten, und tatsächlich scheint die Lage bei einigen Konkurrenten noch schwieriger: „Anders als wir beklagen viele Vereine Abgänge von Leistungsträgern. Dass die Oberliga stärker sein wird als in den letzten Jahren, glaube ich eher nicht.“

In Sachen Neuzugänge sei man „offensiv auf niemanden zugegangen –  im Gegenteil: Spieler, die sich für unsere Mannschaft und den Verein interessieren, haben sich bei uns gemeldet“. Von dem aktuellen Team wisse er, dass sie wieder heiß darauf sind, einen Ball in die Hand zu nehmen, endlich wieder mit dem Training beginnen wollen und in die Vorbereitung auf eine hoffentlich im September beginnende Saison mit Zuschauern starten möchten“.

TuS-Trainer Igor Domaschenko (63) verfügt über weitreichende nationale und internationale Erfahrung und kann die Situation gut einschätzen: „Seit Dezember habe ich meine Spieler nicht mehr gesehen. Individuell lief das Training weiter, und die Jungs haben ihr Maximales gegeben.“ Mit der Verlauf der Saison sei er bis zum Abbruch sehr zufrieden gewesen: „Wir hatten sogar mit Routinier Pat Brümmer den Torschützenkönig.“ Dass die Saison abgebrochen und annulliert wurde, war aus seiner Sicht „Pech für uns und Glück für die anderen Teams, auf die wir bestens vorbereitet waren“.

Es freut den früheren russischen Nationalspieler, dass die Mannschaft bis auf Jannik Kunz, der aus beruflichen Gründen nach Mainz gegangen ist, zusammenbleibt. Neben dem Oberligateam trainiert Domaschenko weiterhin die C-Jugend des TuS Kirn – und das jetzt im dritten Jahr.

Er hofft, dass es bei der Oberliga-Staffeleinteilung der vergangenen Saison bleibt: „Dann freuen wir uns auf die Zuschauer und attraktive Derbys der besten Mannschaften aus dem Rheinland.“