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Daun: Wie die Mutter, so der Sohn

Handball ist unser Leben : Wie die Mutter, so der Sohn

Seine Handball-Begeisterung hat Thomas Feilen von seiner Mutter Birgit geerbt. Eine regionale Perspektive für heimische Talente ist ihm wichtig.

Zum Handball ist Thomas Feilen durch seine Mutter Birgit gekommen, die einst von ihrem ehemaligen Jugend-, Seniorentrainer und Grundschullehrer Rainer Schwab in Daun gefragt wurde, ob sie eine Jugendmannschaft übernehmen wolle. „Wir sind als Kinder zu allen Trainingseinheiten und Spielen mitgefahren und haben währenddessen selbst in der Halle gespielt“, erinnert sich Feilen junior.

Unter Schwab fing er dann auch in der E-Jugend des TuS 05 Daun an. Ab der D-Jugend übernahm Albert Steffens die Mannschaft. Bis zur A-Jugend sollte er für das Team zuständig sein. „Verantwortung, Verpflichtung, Disziplin, Ehrgeiz, aber auch Verständnis und Hingabe: Fähigkeiten, die heute in vielen Jobs entscheidende Schlüsselkompetenzen sind, haben wir durch den Handball erfahren“, hat Feilen aus dieser Zeit jede Menge mitgenommen. Steffens habe seine Spieler auch zu Trainingseinheiten der Auswahl gefahren und „hat uns insgesamt als Persönlichkeiten geprägt – hier liegt sicherlich auch ein Stück weit der Ursprung und die Motivation meiner eigenen Trainertätigkeit“, lässt der heute 36-Jährige durchblicken.

Als Jugendlicher unterstützte Feilen irgendwann seine Mutter, die das Training der Dauner Minis übernommen hatte. Stationen auf- und abbauen, die Kids individuell coachen, Grundfertigkeiten vertiefend üben, als Schiedsrichter kleine Spiele leiten: Das waren seine ersten Trainertätigkeiten. Mit mehreren 17- und 18-Jährigen aus der Kreisstadt erwarb er auch schon die erste Trainerlizenz.

Zunächst als Assistent, dann als verantwortlicher Trainer begleitete er in Daun über mehrere Saisons hinweg den Jahrgang 1990 mit Spielerinnen wie Lisa Schenk (heute Kucher), Nadja Zimmermann und Caroline Thomas (heute Hettinger), die es später bis in die erste oder zweite Liga schaffen sollten. Eine „prägende und tolle Erfahrung“ war für Feilen das Freiwillige Soziale Jahr, das er nach dem Abitur von 2003 an beim TuS 05 Daun absolvierte: „Mir wurde mit dieser neugeschaffenen Stelle so die Möglichkeit gegeben, ausschließlich für den Handball unterwegs zu sein und selber gestalten zu können.“ Er trainierte zwei Mannschaften und unterstützte darüber hinaus weitere Übungsleiter als Co-Trainer.

Auch dank Feilen gelang es in dieser Zeit, zu allen Dauner Schulen einen sehr engen Kontakt aufzubauen, handballspezifische Unterrichtsprojekte und Arbeitsgemeinschaften anzubieten. Nicht zuletzt deshalb schaffte es ein Team des Thomas-Morus-Gymnasiums (gemeinsam mit Sportlehrer Hermann Krämer-Eis) bis zum Bundesfinale von Jugend trainiert für Olympia. Die Jugendabteilung des TuS 05 erfuhr in diesen Jahren einen enormen Zulauf. Sowohl im männlichen als auch im weiblichen Bereich waren alle Jugendklassen mit Mannschaften besetzt, teilweise sogar doppelt. „Rückblickend betrachtet war es eine tolle Zeit, gerade weil sich auch viele Eltern und Ehrenamtliche engagiert haben und die Kinder häufig nicht nur an der Halle abgeliefert wurden“, erinnert sich Feilen.

2004 begann er an der Deutschen Sporthochschule und der Uni in Köln und studierte die Fächer Sport und Geografie, pendelte aber weiterhin (auch unter der Woche) nach Hause, um so das Team des Jahrgangs 1990 weiter zu trainieren. Es habe ihn schon damals „angespornt, gut geplantes, strukturiertes und motivierendes Training anzubieten, um individuelle und mannschaftliche Verbesserungen zu erzielen“. Die Erfolge konnten sich sehen lassen: 2004 wurden die Daunerinnen südwestdeutscher Vizemeister, ein Jahr später holte sich die C-Jugend hier den Titel. Als B-Juniorinnen folgte für sie auf Südwestebene 2007 nochmals der Vizetitel.

Nach dem Grundstudium ging Feilen 2007 für ein Jahr nach Australien, bevor er während seines Hauptstudiums in Köln eine Anfrage des damaligen Zweitligisten TuS Weibern annahm und dann hier die zweite Mannschaft von der Rheinlandliga in die Oberliga führte (2010). Zudem wirkte er als Co-Trainer des damaligen Zweitligisten. „Für mich als junger Trainer war diese Phase äußerst erkenntnisreich. Hier habe ich zum ersten Mal kontinuierlich Einblick in den semiprofessionellen Bereich erhalten. Das hat mich als Trainer entscheidend weitergebracht.“

Nach dem Abschluss seines Studiums 2010 und aufgrund eines berufsbedingten Auslandsjahres beendete Feilen seine Trainertätigkeit in Weibern. Von 2011 bis ’13 absolvierte er sein Referendariat am Freiherr- vom-Stein-Gymnasium in Betzdorf an der Sieg, bevor er 2013 unerwartet eine Planstelle am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Daun angeboten bekam. Bis heute arbeitet er dort als Sport- und Erdkunde-Lehrer und ist über den Unterricht hinaus für die profilbildende Sportsäule „Ski- und Natursport“ der Schule mit wöchentlichen Arbeitsgemeinschaften, Fahrten nach Südtirol und in den Schwarzwald sowie die Kooperation mit dem Ski-Langlauf-Verein (SLV) Ernstberg verantwortlich.

Neben dem Handball ist der Ski-Sport denn auch seine zweite sportliche Leidenschaft: „Mein ehemaliger Sportlehrer Hans-Jürgen Höger hat mich auf diesem Weg maßgeblich unterstützt und meine Skilehrerausbildung entscheidend forciert.“

Der heutige schulische Ansatz sei es hier, Schülern Schneesport-Erfahrungen zu ermöglichen, sie im weiteren Verlauf an der Schule auf diesem Weg bestmöglich auszubilden, sie zu fördern und auch ihre Lizenzierung zu unterstützen: „So können wir bei unseren Schul-Ski-Fahrten auf ehemalige Schüler als junge und dynamische, ausgebildete Skilehrer zurückgreifen.“

Feilens Engagement bei der HSG Wittlich startete 2014. Dort übernahm er die erste Frauenmannschaft in der RPS-Oberliga („Axel Weinand und ‚Didi’ Beckhäuser kannte ich noch als Schiedsrichter in unserem Spielbereich.“).

Er hält sehr viel von Kontinuität, Nachhaltigkeit und guter Trainingsqualität als Schlüsselfaktoren und sieht sich durch diese siebenjährige Zeit bestätigt, in der sich Talente aus dem eigenen Verein und der Region zu tragenden Säulen des Drittliga-Teams entwickelt hätten.

„Gemeinsam mit meinem Trainer- und Betreuerteam rund um die Mannschaft haben wir diese Entwicklung forciert und eine homogene Einheit entwickelt“, berichtet Feilen stolz. Aus diesem Grund habe er auch Anfragen anderer, zum Teil höherklassiger Vereine bisher nicht angenommen: „Das Vertrauen, was mir hier als junger Trainer gegeben wurde, wollte ich auf diesem Weg zurückgeben.“ Zudem fühle er sich bei der HSG „äußerst wohl, was aus meiner Sicht eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist“.

So lange bei einem Verein zu bleiben, sei „sicherlich nicht zwingend absehbar“ gewesen. Entscheidend  ist für ihn die „kontinuierliche Weiterentwicklung des bestehenden Konstruktes über die Mannschaft und die Vereinsgrenzen hinaus“. Dies gelte es jedes Jahr aufs Neue zu hinterfragen, gut angelegte Aspekte zu verfestigen, aber auch „Verbesserungsoptionen offen anzusprechen und diese Dinge entsprechend zu verändern“.

Feilen ist überzeugt davon, dass mit einer gut durchdachten Förderstruktur im Kinder- und Jugendbereich der regionale Handball einen wichtigen Qualitätsschritt machen kann. Dazu gehört aus seiner Sicht unter anderem ein offener Austausch über punktuelle Spiel-Kooperationen, wie dies bei den Wittlicher Jungs aktuell mit Schweich und bei den Mädels aus der Säubrennerstadt mit Trier bestehe. Er sieht, wie sich die Erkenntnis zunehmend durchsetzt, dass die gemeinsame, vereinsübergreifende Talent-Förderung nicht zwangsläufig konträr zu Vereinsinteressen steht.

So ist er weiter von der Möglichkeit überzeugt, dass der heimische Handball sein maximal mögliches Potenzial entfalten und so regionalen Talenten vor Ort eine (handballerische und eventuell auch berufliche) Perspektive geboten werden kann.“