1. Sport
  2. Sport aus der Region

Dauner Motorsportlegende Karl Fries: Rallye eine Herzensangelegenheit

Serie: Was macht eigentlich ...?“ : Dauner Motorsportlegende Karl Fries: Schnell in dem gelben Wagen …

Karl Fries und Dieter Noellner aus Daun fuhren achtmal gemeinsam die Rallye Monte Carlo. Als ,Mann im Hintergrund‘ ist Fries im nationalen und internationalen Rallyegeschehen immer noch eine ,Hausnummer‘.

Neben der gefrorenen, knüppelharten Piste irgendwo in den französischen See-Alpen türmt sich der feste Schnee meterhoch. Wie weißer Beton. Blitzlichtgewitter erleuchten die Nacht taghell. Der kleine, wuselige, gelbe Renault R5 Turbo meistert die anspruchsvolle Prüfung wie an der Schnur gezogen.

Ortswechsel, ein zweites Foto: Es zeigt einen Tunnel auf einer Verbindungsetappe aus den See-Alpen hinunter Richtung französische Riviera. Die Fahrbahn ist dreckverschmiert. An der Mauer ist in großen Lettern zu lesen: „Allez, Nicolas.“ Gemeint ist Jean-Pierre Nicolas, französischer Rallye-Held in den 1970er und 1980er Jahren.

Auf beiden Bildern sind der Fahrer und Beifahrer im Käfig des von Werner Schäfer in Nohn aufgebauten Rallye-Boliden nur schwer zu erkennen. Es sind moderne Wikinger auf virtuellen Raubzügen nach Punkten und Pokalen. Ihre Namen: Karl Fries und Dieter Noellner aus Daun.

„Die Bedingungen damals waren für kleine Amateurteams, wie wir eines waren, einfach brutal“, erinnert sich Fries, als der TV ihn im Lager des Motorsportclubs Daun besucht. Achtmal, erzählt der Hochbau-Ingenieur, sei er die Rallye Monte Carlo, die ,Mutter aller Rallyes‘, gefahren. Nicht nur im R5, sondern auch in einem kleinen Peugeot Talbot Samba, den Spezialist Gerd Junk vorbereitete und bei der Monte betreute. Damals, als Franzosen, Italiener und Finnen die Szene dominierten und die sagenumwobene ,Nacht der langen Messer‘ viele Dramen schrieb.

Dauner Motorsportlegende Karl Fries:  Rallye eine Herzensangelegenheit
Foto: -/Picasa

Ein Servicemonteur vom betreffenden Autohaus aus der Heimat sowie zwei Autos vom Club mit Schraubern: Das war die „technische Delegation“ für das rallyeverrückte Duo aus der Vulkaneifel. „Das Interesse am Rallyesport war damals weit höher als das an der Formel 1“, erinnert sich Fries: „Da warteten die Leute am nächsten Tag auf die Zeitung oder auf Meldungen aus dem Radio, wie die Monte ausgegangen ist.“ Tausende Fans machten sich in Privatautos, in umgebauten Handwerker-Fahrzeugen und in eigens hergerichteten VW-Bullis auf den Weg nach Südfrankreich. Fries: „Im Dunkeln konnten wir vor Menschenmassen die Straße manchmal nicht mehr erkennen. Einige Fans schippten zusätzlich Schnee auf die Fahrbahn, wenn es ihnen zu trocken war ...“

Fries und der Rallyesport: Das war von Anfang an eine Herzensangelegenheit. Bis zum heutigen Tag. Ob mit Dieter Noellner bei der Monte oder mit dem preisgekrönten Dauner Fotografen und Dozenten Christoph Bangert im Citroën Visa im Junior-Cup. Aber auch als Organisator war Fries‘ Expertise gefragt. Ohne dessen Wirken in der ,zweiten Reihe‘ in den 2000er Jahren, als der MSC Daun Läufe zur Deutschen Rallye-Meisterschaft ausrichtete, hätte sich rund um den kleinen Flugplatz oberhalb der Stadt, wo Regrouping und Servicezentrum angesiedelt waren, kein Rad gedreht. Und ohne den stillen, bescheidenen, aber detailversessenen Zulieferer gäbe es auch keine Wertungsprüfungen beim Eifel Rallye-Festival.

„Das da ist heute mein Beitrag zum Festival“, sagt Fries und nimmt eines der Roadbücher, in denen die Prüfungen festgehalten sind, die die rund 150 Teilnehmer des mittlerweile weltweit größten historischen Rallyefestivals in jedem Jahr absolvieren müssen, zur Hand. Nach zwei corona-bedingten Ausfällen wird das Festival in diesem Jahr Ende Juli zum zehnten Mal ausgerichtet. „Meine Vorgaben schicke ich Alois Palm. Er übersetzt sie ins Kartografische, mit entsprechenden Animationen. Ich habe immer wieder noch was zum Verbessern oder eine winzige Kleinigkeit zum Ändern“, erzählt er und schmunzelt, weil er sich selbst nur allzu gut kennt: „Alois stöhnt wahrscheinlich, wenn meine Sachen kommen und denkt sich, der ,Bekloppte‘ aus der Eifel ist wieder da. Aber letztendlich machen wir es ja alle gerne – um der Sache willen.“

 Für die Dauner Motorsport-Legende Karl Fries ist der Rallyesport bis heute eine wahre Herzensangelegenheit.
Für die Dauner Motorsport-Legende Karl Fries ist der Rallyesport bis heute eine wahre Herzensangelegenheit. Foto: Jürgen C. Braun

Zwei gute Lehrmeister habe er bei allem, was er im Motorsport im Auto und am Schreibtisch getan hat und immer noch tut, gehabt. Da ist zum einen Henning Wünsch. Den Macher der Hunsrück-Rallye und heimlichen ,Herrscher‘ des Sportfahrerteams Hunsrück und des deutschen Rallye-WM-Laufs hatte er bei seiner zehnjährigen beruflichen Tätigkeit in Idar-Oberstein kennengelernt. Ihm ist er immer noch persönlich verbunden. Und zum anderen ist da Armin Kohl. Der „ewig junge“ Ex-Chef der ADAC Rallye Deutschland aus Wittlich habe ihm in „ruhiger, bestimmter Art“ Vieles mitgegeben.

Der Rallyesport, davon ist Fries überzeugt, sei eine gute Schule zur Selbstüberwindung in scheinbar aussichtslosen Situationen und zur Disziplin für die Alltagsbewältigung. „Ich hatte einen guten Arbeitgeber, der für mein Hobby Verständnis hatte. Dieter und ich sind zwischen Weihnachten und Neujahr immer runter Richtung Mittelmeer, um die Strecken abzufahren. Wir hatten einen Aufschrieb von Henning, der die ,Monte‘ oft mit Klaus Fritzinger aus Kaiserslautern fuhr. Den mussten wir nur noch auf unser System mit den Leistungen unseres Autos anpassen.“

Die Strapazen vom ersten bis zum letzten Tag bekamen Außenstehende kaum mit. „Es gab ja damals noch eine Sternfahrt zum Start der eigentlichen Rallye in Monaco. Man konnte sich einen Ort aussuchen. Wir sind meist von Bad Homburg aus los. Einmal sogar aus Kopenhagen, weil wir die Anfahrt und die Übernachtung spendiert bekamen. Und wenn man dann unten war, ging es erst los. An Schlaf war tagelang kaum zu denken.“

„Der Dieter“, erzählt er und amüsiert sich köstlich dabei, „ist einmal beim Abendessen nach dem letzten Tag im Lokal mit Messer und Gabel in der Hand am Tisch eingeschlafen. So fertig war er.“ Und noch eines gibt er zu – denn Eifeler sind keine Kostverächter: „Im Café de Paris haben sie uns mal vor die Tür gesetzt, weil wir nach der Rallye ein paar Bier zu viel hatten.“ Aber auch das gehörte dazu, wenn zwei wilde Rallyehasen – frei nach dem singenden damaligen Bundespräsidenten Walter Scheel – „schnell in dem gelben Wagen“ in den verschneiten See-Alpen und an der mondänen Côte d’Azur unterwegs waren.