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Der FSV Trier-Tarforst in der Corona-Krise: „Die Kommunikation und das soziale Miteinander haben sehr stark gelitten.“

FSV Trier-Tarforst : „Die Kommunikation und das soziale Miteinander haben sehr stark gelitten.“

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Und wie geht’s weiter? Der TV hat beim FSV Trier-Tarforst nachgefragt. Der Vorsitzende Werner Gorges beschreibt die Lage.

Hätten Sie sich vom jüngsten Bund-Länder-Treffen kurzfristige Lockerungen für den Sport gewünscht? Wenn ja: Welche?

Gorges: Natürlich hätten wir es begrüßt, wenn es die eine oder andere Lockerung gegeben hätte. Allerdings haben wir uns aufgrund der bundesweiten Infektionszahlen und der Basis der zurückliegenden Entscheidungen keine großen Hoffnungen diesbezüglich gemacht.

Trotz aller damit verbundenen Schwierigkeiten besteht ein gewisses Unverständnis, dass Entscheidungen weiterhin pauschaliert getroffen werden und Bereiche, die gut zu kontrollieren sind und wissenschaftlich nicht als kritisch betrachtet werden, verboten bleiben. Dies betrifft aus unserer Sicht nicht nur den Sport auf den Außenanlagen. Das Sportzentrum unseres Vereins verfügt in allen Bereichen über konforme Lüftungsanlagen, wir haben überall die Möglichkeit zusätzlich zu lüften und uns stehen zum Teil sehr große Ausweich-Räumlichkeiten zur Verfügung in denen unsere qualifizierten Übungsleiter den Mitgliedern, auch unter Einhaltung verschärfter Hygienekonzepte, ein sicheres Kursangebot anbieten können.

Ganz zu schweigen von der Ausübung von Hallensportarten wie Badminton oder Tennis, bei denen sich die Spieler meterweit voneinander entfernt gegenüber stehen (Einzel). Wenn wir dann noch die unterschiedliche Handhabung der einzelnen Bundesländer betrachten, dass zum Beispiel bei unseren Nachbarn im Saarland die Tennishallen geöffnet sind, fehlt uns dafür schon etwas das Verständnis.

Bei all den Problemen, die diese Pandemie mit sich bringt dürfen wir nicht vergessen, welch wichtigen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Aspekte die Ausübung von Sport, gerade in der kalten Jahreszeit, mit sich bringt. Wir sprechen hier auch von Isolationsprävention und der Erhaltung einer Grundfitness unserer älteren Mitmenschen durch die Teilhabe am Vereinsleben.

Es ist ja schön und gut, dass die Politik immer wieder betont, welchen Stellenwert und wie wichtig das Vereinsleben, der –sport sowie das Ehrenamtliche Engagement in Vereinen sind. Allem Anschein nach ist das Vertrauen in die handelnden Personen in den Vereinen allerdings nicht groß genug, in einen verantwortungsvollen Umgang mit der Pandemie zu vertrauen –zumindest in Rheinland-Pfalz-.

Welche längerfristige Perspektive für den Amateur- und Breitensport ins nächste Jahr hinein hätten Sie sich erwartet?

Gorges: Uns ist bewusst, dass es auch für die Politik aufgrund des Infektionsgeschehens schwierig ist, weit vorausschauende Entscheidungen zu treffen. Nichtsdestotrotz hätten wir uns gewünscht, wenn man einen gewissen Fahrplan vor allem für den Kinder- und Jugendsport festgelegt hätte. Aktuell sind den Vereinen auch in der Kommunikation mit den Mitgliedern die Hände gebunden. Viele Vereine überlegen sich natürlich auch neue Wege zu gehen und beispielsweise Online-Kurse anzubieten. Dies ist sowohl organisatorisch als auch finanziell mit einem erheblichen Mehraufwand verbunden und im reinen Ehrenamt kaum zu leisten. Wenn die Regelungen jedoch bis in den März 2021 hinein Bestand haben sollten, wäre diese Umorientierung fast schon alternativlos. Hier-für müsste allerdings frühzeitig Planungssicherheit bestehen. Es geht hierbei ja auch um die Zahlung von Mitgliedsbeiträgen etc.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wie geht’s ab Januar weiter?

Gorges: Mein Bauchgefühl sagt, dass auch für den Januar wieder sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene pauschale Regelungen getroffen werden.

Wir haben jedoch die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass wir unsere Sportstätten im Januar wieder nutzen können! Das dies nur unter strengen Auflagen möglich sein kann, ist für uns nachvollziehbar. Auch unsere Mitglieder und die vielen Sporttreiben-den im Sportzentrum würden sich darüber sehr freuen! Angesichts der weiter sinken-den Infektionszahlen in der Stadt Trier würden wir dies auch für angemessen erachten. Bleibt es allerdings auch in den Januar 2021 hinein bei der pauschalen Schließung, wäre aus meiner Sicht die Verhältnismäßigkeit nicht mehr gewahrt.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr 2020 bislang konkret für Ihren Verein?

Gorges: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Auswirkungen für unseren Verein, wie auch für die allermeisten anderen Vereine, verheerend sind. Wir, als Mehrspartenverein, müssen hier unterscheiden zwischen Hallensportangeboten und Außensportangeboten.

Bei den Außensportangeboten haben wir natürlich sehr von dem tollen Frühjahr und Sommer profitiert, sodass wir hier vom Mai bis Oktober nahezu voll durchstarten konnten und sehr viel Euphorie im Verein entwickelt haben. Vor allem die Resonanz bei unseren Fußballcamps im Sommer und im Herbst hat gezeigt, wie sehr die Kinder und Jugendlichen den Vereinssport vermisst haben. Auch unsere Tennisabteilung hat durch die frühzeitige Öffnung der Anlage einen tollen Sommer erlebt.

Es ist allerdings auch so, dass unser Verein ein sehr breites Spektrum an Kurs- und Sportangeboten bietet, die grundsätzlich in der Halle stattfinden. Auch wenn wir natürlich versucht haben, so viele Einheiten wie möglich nach außen zu verlegen, war die Situation durch die anhaltenden Personenbegrenzungen (Aufteilung in Kleinstgruppen) bzw. durch den Mindestabstand und die teilweise fehlende Verfügbarkeit der städtischen Hallen nicht so einfach. Unsere tollen und engagierten Übungsleiter und die Teilnehmer haben jedoch das Beste aus der Situation gemacht.

Zusammenfassend muss man sagen, dass unserem Verein fast ein halbes Jahr gefehlt hat, um unsere Sportangebote anzubieten. Auch bei der Ausübung der Sportangebote haben viele wichtige Komponenten gefehlt, die durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen nicht möglich waren. Hierzu gehören bspw. das gemeinsame Kaffeetrinken nach dem Seniorensport, das Duschen und anschließende Essen und Trinken in unserer Gastronomie nach dem Tennis oder aber die Kiste Bier nach dem Fußballtraining. Die Kommunikation und das soziale Miteinander haben in diesem Jahr sehr stark gelitten.

Die mittel- bzw. langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Vereinssport sind aktuell jedoch noch gar nicht absehbar, bereiten uns allerdings schon ein wenig Kopfzerbrechen.

Inwieweit kamen und kommen die Ehrenamtlichen in Ihrem Verein an Ihre Grenzen?

Gorges: Bedingt dadurch, dass wir ein Mehrspartenverein mit sowohl Hauptamtlichen als auch Ehrenamtlichen sind, haben wir im organisatorischen Bereich nicht so große Schwierigkeiten wie andere Vereine, die nur im Ehrenamt arbeiten.

Zu Bedenken gibt uns allerdings die Situation, dass in vielen Bereichen (Bewirtung –Kaffee/Kuchen Verkauf, Platzpflege, Betreuung) aktuell keine Aufgaben für unsere Ehrenamtlichen anfallen. Hier besteht die Gefahr eines Motivationsverlustes für den Fall einer sich noch länger hinaus ziehenden Öffnung.

Die Corona-Pandemie hat aber auch unsere teilweise ehrenamtlichen Übungsleiter vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Die Aufnahme oder das Online-Streaming von Kursprogrammen, die Erstellung von kreativen Angeboten oder einfach der vermehrte telefonische Kontakt mit den Mitgliedern die sich austauschen möchten sind Dinge, die wir vorher so noch nicht erlebt haben, denen wir uns allerdings sehr gerne stellen und was uns Freude bereitet!

Wie groß ist bislang quantitativ der Mitgliederschwund? In welchen (Alters-)Schichten findet er statt?

Gorges: Natürlich gibt es auch die ein oder andere Corona-bedingte Kündigung. Allerdings hält diese sich aktuell mit etwa 20-30 Mitgliedern im Rahmen. Insgesamt hält sich die Anzahl der Kündigungen auf dem Niveau der Vorjahre. Wir sind sehr froh, dass sich unsere Mitglieder auch in dieser schwierigen Zeit solidarisch mit unserem Verein zeigen. Dies zeigt auch ein Stück weit die Anerkennung für unsere engagierte Arbeit in der Vergangenheit aber auch während der Corona-Pandemie. Wir versuchen in vielfältigster Weise, weiterhin so gut es geht mit unseren Mitgliedern in Kontakt zu bleiben, um ihnen zu zeigen, dass der Verein auch in dieser schwierigen Zeit für seine Mitglieder da ist!

Wie sehr bricht durch Corona die Zahl an Neuanmeldungen ein?

Gorges: Die Zahl der Neuanmeldungen im Jahr 2020 ist natürlich ein Problem. Wie bereits er-wähnt, fehlt uns knapp ein halbes Jahr, in dem wir unsere Sportangebote anbieten konnten. Dementsprechend weniger Anmeldungen - im Vergleich zu den Vorjahren - konnten wir auch verzeichnen, sodass wir am Jahresende einen nicht unerheblichen Rückgang der Mitgliederzahlen erwarten.

Dazu: Welche Folgen hat Corona in Ihrem Verein für den Kinder- und Jugendsport?

Gorges: Besonders im Kindersport, einer Abteilung mit rund 400 Kindern beim FSV Tarforst, sind die Auswirkungen gravierend. Aufgrund der Corona-Pandemie ist es uns eigentlich seit März nicht möglich gewesen, ein normales Angebot anzubieten.

Wir reden hier über Kinder ab 2 Jahren. Für diese ist es natürlich schwierig sich an Abstandsgebote zu halten, sodass die Empfehlungen der Verbände uns von einer schnellen Wiedereinführung abgehalten haben. Teilweise sind die Gruppen so groß gewesen, dass wir diese teilen mussten und nur unregelmäßig Sport anbieten konnten.

Der Kindersport ist extrem wichtig für unseren Verein, da er die Basis für die weiterführen-den Abteilungen bildet. Aber natürlich auch für die Kinder selbst, da bei immer mehr Kindern u.a. motorische Schwierigkeiten zu beobachten sind.

Dies gilt auch für die vielen Kinder und Jugendlichen in den Abteilungen Fußball, Badminton und Tennis.

Und grundsätzlich gefragt: Welche Strukturen sind mittelfristig in ihrer Existenz bedroht?

Gorges: Eine Existenzbedrohung sehen wir aktuell noch nicht. Allerdings geben wir schon zu bedenken, dass der Vereinssport an Interesse und Bedeutung in der Gesellschaft verlieren könnte. Dies ist natürlich auch davon abhängig, wann wieder zur Normalität über-gegangen werden kann. Dafür ist es wie beschrieben wichtig, auch in dieser Zeit weiterhin mit unseren Mitgliedern in Kontakt zu stehen und ihnen ein Angebot zu schaffen.

Die aktuellen Online-Angebote oder Fitnessgeräte für zu Hause helfen den Menschen in der momentanen Situation, sich weiterhin organisiert sportlich zu betätigen, ersetzen aus unserer Sicht aber in keiner Weise das Vereinsangebot vor Ort! Wir hoffen natürlich, dass unsere Mitglieder das genauso sehen! Wichtig ist auch, dass wir und unsere Mitglieder sich allerdings nicht vor Online-Veranstaltungen verschließen, sondern die damit verbundenen Herausforderungen als Überbrückung in der Pandemie annehmen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass ein oder andere Online-Angebot auch nach der Pandemie aufrecht zu erhalten!

Wie groß sind die finanziellen Belastungen für den Verein? Wodurch werden Sie konkret verursacht?

Gorges: Die finanziellen Belastungen für unseren Verein sind immens. Alleine der erste Lockdown zwischen März und Ende Mai hat uns einen Umsatzverlust in einem mittleren fünfstelligen Bereich gebracht. In erster Linie ist dies auf die Schließung des Sportzentrums zurückzuführen. Wir konnten noch von Glück sagen, dass die Wintersaison im Sportzentrum „nur noch“ 6 Wochen gelaufen ist. Aktuell befinden wir uns erst am An-fang der neuen Wintersaison. Nicht auszudenken was wäre, wenn auch diese Wintersaison ein frühes Ende nehmen würde! Aber auch Vermietungen, Eintrittsgelder und Verkaufserlöse beim Fußball reißen natürlich ein Loch in unsere Vereinskasse. Deshalb sind wir u.a. auch dagegen den Amateur-Fußball ohne Zuschauer zuzulassen.

In unserem Sportzentrum haben wir darüber hinaus mit Dolce Vita noch eine verpachtete Gastronomie, die natürlich auch stark unter der Corona-Pandemie leidet! Es kann keine Rede davon sein, dass die geringeren Kosten durch die Schließung den erlittenen Umsatzrückgang auch nur annähernd kompensiert.

Inwieweit helfen Ihrem Verein die von der Politik aufgelegten Hilfsprogramme?

Gorges: Wie auch schon im ersten Lockdown nutzen wir das Instrument der Kurzarbeit. Diese Hilfe sehen wir als sehr positiv, da es in gewissen Bereichen durch die Schließung leider keine Arbeit gibt und wir uns aufgrund der Kurzarbeit von keinem unserer Mitarbeiter trennen mussten. Dies bleibt auch weiterhin das Ziel des Vereins.

Was den Bereich der November- und Dezemberhilfen anbetrifft sind wir noch sehr vorsichtig und können keine valide Aussage hierzu treffen - unser Steuerberater kann dies ja erst seit letzten Freitag prüfen-. Im Vergleich zum Frühjahr werden hier auch explizit Vereine als Hilfeempfänger genannt. Somit erhoffen wir uns natürlich eine Berücksichtigung als Kompensation unseres deutlich höheren Umsatzrückgangs als noch im ersten Lockdown. Auch hier hoffen wir, dass die Politik keine pauschalisierten Annahmen trifft und auch saisonale Abhängigkeiten berücksichtigt. Was nicht sein darf ist, dass der Verein oder noch schlimmer die Mitglieder sowohl die gesellschaftlichen als auch die finanziellen Folgen der Corona-Pandemie ausbaden müssen. Selbst für unseren Verein, der in den vergangenen Jahrzehnten solide und vertrauensvoll gewirtschaftet hat, kann dies zu existenziellen Konsequenzen führen. Hier appellieren wir inständig an die Politik!

Welche Aktionen/Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 in Ihrem Verein machen Ihnen Mut für die Zukunft?

Gorges: Mut für die Zukunft machen uns ganz klar die Solidarität unserer Mitglieder und das Engagement der Mitarbeiter und Übungsleiter sowie Ehrenamtlichen in dieser schwierigen Zeit. Dies zeigen zum Beispiel die vielfältigen ehrenamtlichen neuen Angebote wie Einkaufshilfe, Telefonhilfe, Lesestunden, etc. Dafür sind wir sehr stolz und dankbar!

Positiv gestimmt sind wir auch auf unser neuestes Vereins-Projekt, dem Bau eines neuen Kleinspielfelds für unsere jungen Fußballer (4 bis 12 Jahre), da hier die Nachfrage weiterhin enorm ist und die Platzkapazitäten nicht ausreichen.

Aus diesem Grund blicken wir optimistisch in die Zukunft und wollen auch weiterhin unseren Mitgliedern und Sporttreibenden ein so vielseitig wie mögliches Sportangebot bieten und uns weiterhin an neue Herausforderungen heranwagen!

Wir haben noch viele Visionen und Ziele, die wir für unsere Mitglieder erreichen bzw. umsetzen wollen!!