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Der PSV Wengerohr in der Corona-Krise: Ein Lichtblick im Rehabilitationssport

PSV Wengerohr : Ein Lichtblick im Rehabilitationssport

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Und wie geht’s weiter? Der TV hat beim PSV Wengerohr nachgefragt. Die Geschäftsführerin Claudia Pütz beschreibt die Lage.

Hätten Sie sich vom jüngsten Bund-Länder-Treffen kurzfristige Lockerungen für den Sport gewünscht? Wenn ja: Welche?

Pütz: Natürlich wünscht sich ein Großsportverein für alle seine Sporttreibenden wieder mehr anbieten zu können. Zumindest im Outdoorbereich – trotz Winter – wären Trainingsstunden, wie z.B. für unsere Leichtathletikabteilung oder Walkinggruppen als Bewegungsangebot in der Gruppe schön gewesen. Auch im vereinseigenen Fitnessstudio würden Trainingszeiten sicherlich gerne von unseren Mitgliedern unter besonderen Auflagen – angenommen werden.

Sehr positiv finden wir, dass wir Rehabilitationssport für Teilnehmer mit ärztlicher Verordnung wieder anbieten dürfen. Als einer der größten Anbieter im Landkreis Bernkastel-Wittlich - können wir damit wieder etwas für die Gesundheit der Menschen beitragen.

Welche längerfristige Perspektive für den Amateur- und Breitensport ins nächste Jahr hinein hätten Sie sich erwartet?

Pütz: Der Sport lässt sich - unter den Hygieneauflagen – bis auf Kontakt- und Mannschaftssport – sehr gut organisieren und generell sind Sportler sehr diszipliniert. Eine Lockerung in Richtung „Kleingruppentraining“ wäre für Vereine hilfreich, um den Mitgliedern Bewegung und somit körperliches Wohlbefinden anbieten zu können.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wie geht’s ab Januar weiter?

Pütz: Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir wieder dort anfangen, wo wir aufgehört haben.

Schritt für Schritt in die Normalität zurück. Für den Sportbetrieb des PSV Wengerohr haben wir ein vereinseigenes Corona-Ampelsystem – anhand der Empfehlungen des Landes RPL – entwickelt. Ich denke, dieses wird wieder zum Tragen kommen, vorausgesetzt die Schulsporthallen und die Polizeisportanlagen (die wir als Polizei-Sportverein) nutzen, werden geöffnet. Das Ampelsystem findet man auf unserer Homepage www.polizeisportverein.de

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr 2020 bislang konkret für Ihren Verein?

Pütz: Der PSV Wengerohr ist 52 Jahre „jung“ und hätte in diesem Jahr 20jähriges Bestehen seiner vereinseigenen Sport- und Begegnungsstätte gefeiert. Corona hatte unterschiedliche Auswirkungen.

Zum einen konnten wir keine Zusatzveranstaltungen wie Familientage, Workshops oder Sportveranstaltungen stattfinden lassen, was wir in den Jahren zuvor immer mal wieder angeboten haben.

Außerdem war seit März nichts mehr mittelfristig planbar. Innerhalb kürzester Zeit haben wir oft Gruppen absagen bzw. in Kleingruppen einteilen oder aber auch in unterschiedliche Hallen unterbringen müssen.

Dazu kam im März die Absage an alle Wasserkurse, ganz besonders die Ausbildung Schwimmausbildung der Kinder mit Abschluss Seepferdchen steht seit Beginn der Pandemie bei uns still.

Auch mussten Freizeiten wie Lenste an der Ostsee im Sommer oder die beliebte Skifreizeit, die nach Weihnachten stattgefunden hätte, abgesagt werden. Ferien am Ort fand anstatt mit 100 Kindern nur mit ca. 50 statt und diese aufgeteilt in 7er Kleingruppen. Das war organisatorisch wie logistisch eine große Herausforderung für das Freizeitteam.

Die PSV Sport- und Begegnungsstätte wurde kein Ort mehr der „sozialen Begegnung“!

Schnell zum Sport und dann wieder nach Hause…

Eine große Auswirkung für uns hatte die Schließung der Sportanlagen der Polizei. Eine Budohalle sowie auch die Sporthalle mit den Außenanlagen haben für viele unserer Sporttreibenden bedeutet, dass Angebote, wie z.B. Judo oder Ju-Jutsu, schon seit März nicht mehr zu den gewohnten Zeiten mit den Gruppenmitgliedern stattgefunden haben.

Inwieweit kamen und kommen die Ehrenamtlichen in Ihrem Verein an Ihre Grenzen?

Pütz: Die Übungsleiter sowie auch die hauptamtlichen Mitarbeiter mussten neben den Inhalten der Sportangebote sich immer wieder intensiv mit Hygienevorgaben und den aktuellen Regeln beschäftigen und diese den Teilnehmern „beibringen“ sowie auch die Kontaktdaten zur Nachverfolgung dokumentieren. Besonders, wenn ein Trainer mehrere Stunden in einer Woche mit Gruppen trainiert und dazu zusätzliche Vorgaben/Regeln beachten muss, ist dies schon sehr kräftezehrend, aber letztendlich doch machbar, da dadurch erst der Sport möglich war und dieses Ziel stand und steht nach wie vor im Vordergrund.

Allerdings trägt eine Vereinsführung in einem Verein unserer Größenordnung schon eine hohe Verantwortung, da man sich nicht wünscht auch nur einen Coronafall in einer Sportgruppe zu haben.

Wie groß ist bislang quantitativ der Mitgliederschwund? In welchen (Alters-)Schichten findet er statt?

Pütz: Der PSV konnte zum Jahresbeginn 1850 zählen sowie ca. 400 Reha- und Kursteilnehmer. Beim 1. Lockdown blieben uns viele Mitglieder und Nichtmitglieder treu. Aber jetzt zum Jahresende und einem Kündigungstermin zum 31.12. bzw. 30.11. haben wir leider 250 Mitglieder weniger. Vor allem im Kinder- und Jugendbereich sowie in Sportarten, die nicht mehr in der ursprünglichen Form stattfinden können (wie Kontaktsport). Aber auch viele Ältere und chronisch Erkrankte haben den Verein – aus verständlichen Gründen – aufgrund der Ansteckungsgefahr verlassen.

Im Rehabilitationssport meldeten sich Teilnehmer – auch mit Verordnung – ab, weil sie sich vor einer Ansteckung schützen wollten und möchten.

Wie sehr bricht durch Corona die Zahl an Neuanmeldungen ein?

Pütz: Der PSV konnte im 1. Halbjahr und auch noch bis zum Herbst neue Mitglieder „verbuchen“. Letztendlich war es aber in den Jahren zuvor so, dass wir die Abgänge mit den Neuzugängen ausgleichen konnten und dies war in 2020 u.a. wegen unserem Anspruch das Training den langjährigen Mitgliedern in Kleingruppen zu ermöglichen und somit keine weiteren Teilnehmer aufzunehmen nicht möglich.

Dazu: Welche Folgen hat Corona in Ihrem Verein für den Kinder- und Jugendsport?

Pütz: Viele Kündigungen u.a. von Familien, da diese Gruppen fast gar nicht stattfinden konnten, was wir natürlich gerade für die Kinder und Jugendlichen sehr bedauern!

Die sozialen Kontakte gehen leider verloren und regelmäßige Bewegungseinheiten, die für diese jungen Menschen von besonderer Bedeutung für die persönliche Entwicklung (Fair Play, soziales Miteinander, Aggressions- und Stressabbau) sind, können nicht angeboten werden.

Und grundsätzlich gefragt: Welche Strukturen sind mittelfristig in ihrer Existenz bedroht?

Pütz: Wir hoffen, dass wir mit neuen Ideen, ggfs. mit Änderungen von Angeboten die aktuellen Sport– und Bewegungseinheiten wieder stattfinden lassen können. Natürlich machen uns die Kontakt-, Mannschafts- sowie Wettkampfgruppen Sorgen, wenn diese z.B. gar nicht mehr im 1. Halbjahr 2021 ans Laufen kommen.

Wie groß sind die finanziellen Belastungen für den Verein? Wodurch werden Sie konkret verursacht?

Pütz: Der PSV beschäftigt hauptamtliche Mitarbeiter und mit der vereinseigenen Sport- und Begegnungsstätte sowie dem Fitnessstudio haben wir monatliche Kosten, die vorhanden sind, auch wenn der Sportbetrieb ruht.

Inwieweit helfen Ihrem Verein die von der Politik aufgelegten Hilfsprogramme?

Pütz: Die Programme gelten im Moment für die jetzige Zeit der Pandemiekrise. Unsere Prognose für den PSV wird so sein, dass uns bedingt durch den Mitgliederrückgang sowie fehlende sonstige Einnahmen durch Rehasport und Kurse Veranstaltungen wichtige Einnahmen in 2021 und evtl. auch in 2022 fehlen. D.h. dann wird sich – zumindest in unserem Verein – das Ganze finanziell bemerkbar machen.

Welche Aktionen/Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 in Ihrem Verein machen Ihnen Mut für die Zukunft?

Pütz: Kreativität auch in der Krise, das macht uns Mut. Es gab immer wieder Lösungen und vor allem überraschend schnelle Hilfestellungen von Verbänden, kommunalen Institutionen und vor allem innerhalb der großen PSV Vereinsfamilie. Verständnis für Maßnahmen und der achtsame Umgang miteinander geben Kraft für die Zukunft.