Der Trierer Herbert Schuhmacher wird beim Handballverbandstag Rheinland geehrt.

Regionaler Handball : Herbert Schuhmacher – „Eine Legende tritt ab“

Der Trierer Herbert Schuhmacher wird beim Verbandstag geehrt. Im Mittelpunkt der Diskussionen stehen eine Fusion, Probleme im Leistungshandball, das „Mannschaftssterben“ sowie Finanz-Fragen.

Der Verbandstag in Wirges könnte möglicherweise der in dieser Form letzte des Handballverbands Rheinland (HVR) gewesen sein. Grund: Es wird ein möglicher Zusammenschluss mit den Verbänden Rheinhessen und Pfalz zu einem gemeinsamen rheinland-pfälzischen Landesverband ins Auge gefasst. Dem Vernehmen nach seien die Präsidenten Friedhelm Jakob (Pfalz), Klaus Kuhn (Rheinhessen) und Peter Josef Schmitz (Rheinland) nicht abgeneigt, auf den Weg gebracht ist das Projekt allerdings noch nicht.

In Wirges stimmten die Anwesenden für die Aufnahme von ergebnisoffenen Gesprächen mit der Pfalz und Rheinhessen sowie nach einstimmigem Beschluss auch mit dem Saarland. Diese Gespräche wird HVR-Chef Schmitz dann aber mit neuen Funktionärskollegen führen, denn im Gegensatz zum wiedergewählten Weiberner werden Jakob und Kuhn bei den anstehenden Verbandstagen der Pfalz und von Rheinhessen ihre Ämter zur Verfügung stellen.

Schmitz tritt nach einem einstimmigen Votum seine dritte Amtszeit an. In seinem Rückblick auf die vergangenen drei Jahre sprach er von den Glanzpunkten, zu denen er vor allem die Vorrundenspiele der Frauen-Weltmeisterschaft in Trier zählte. Enttäuschend hingegen fiel seine Bilanz des Leistungssports aus. Die Oberliga ist aktuell mit Ausnahme der DJK/MJC Trier, die aus der 2. Frauen-Bundesliga abgestiegen ist, das Ende der HVR-Fahnenstange.

Der Präsident führt einen Vorstand an, der auf mehreren Positionen sein Gesicht veränderte. Herbert Schuhmacher (Trier) und Paul Schmidt (Bendorf) hatten frühzeitig angekündigt, für ihre Ämter als Vizepräsident Spieltechnik beziehungsweise Vizepräsident Jugend nicht mehr zu kandidieren. Schmidt, der zwei Amtsperioden lang seinen Posten bekleidet hatte, stellte in seinem Fazit fest: „Im Rheinland sind wir, was die Auswahlmannschaften betrifft, gut aufgestellt. Die Verbandstrainer Rudi Engel und Esther Herrmann leisten gute Arbeit, was sich in den zahlreichen Nominierungen für die Landesauswahl und die DHB-Sichtung widerspiegelt.“ Gleichzeitig haderte er damit, dass die Bestrebungen, ein Leistungszentrum zu gründen, gescheitert sind. Zu Schmidts Nachfolger wurde Hans Apel gewählt.

Der Förderung des Nachwuchses hat sich auch der Freundeskreis des Verbands verschrieben. Die Vorsitzenden Bernd Krist und Ralf W. Schneider übergaben sämtlichen Vereinen Gutscheine für eine qualifizierte Jugendtrainer-Ausbildung.

Deutlichen Verbesserungsbedarf sieht Schuhmacher, der 15 Jahre lang als Spieltechnik-Vizepräsident amtierte, im Leistungssport. Der erfahrene Handballfachmann aus Trier ging auf Rückgänge von Mannschaftsmeldungen  im Erwachsenenbereich (rund zwölf Prozent) und Jugendbereich (fast 30 Prozent) in den vergangenen Jahren ein, die er unter anderem auf die demografische Entwicklung und den sozio-kulturellen Wandel zurückführt. Erst kürzlich hat der Verbandsspielausschuss als Reaktion auf das „Mannschaftssterben“ beschlossen, nach der Saison 2019/20 die beiden Verbandsligen zu einer Staffel zusammenzuführen.

Schuhmacher zählte zu den arriviertesten Spieltechnikern im Deutschen Handballbund (DHB). „Mit ihm tritt eine Legende ab“, betonte Peter Josef Schmitz, als er Schuhmacher gemeinsam mit den DHB-Vertretern Mark Schober und Hans Artschwager mit der Silbernen DHB-Ehrennadel auszeichnete. Eine weitere Auszeichnung ging an den langjährigen Weiberner Schiedsrichter Ernst Ebert. Er erhielt die HVR-Ehrennadel in Gold. Schuhmachers Arbeit übernimmt mit Rainer Schneider (Mendig) der bisherige Verbandsschiedsrichterwart. Bevor sich der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter zur Wahl stellte, skizzierte er den Status quo bei den Unparteiischen. „In den vergangenen drei Jahren hat sich die angespannte Situation leider nicht verbessert. Gegenüber 164 Schiedsrichtern im Jahr 2007 hatten wir zu Beginn dieses Jahres noch 141. Schneiders Job übernimmt fortan Michael Sauerwein, der zum HVR-Schiedsrichterkader zählt.

Von einer Entschärfung der finanziellen Lage („Insgesamt hat sich die Haushaltssituation stabilisiert“) sprach der für die Finanzen zuständige Vizepräsident Klaus Müller (Waldesch). Einige Vereinsvertreter äußerten Befürchtungen, der DHB könnte mehr Abgaben durch die Landesverbände verlangen, was wiederum auf die Vereine umgelegt werden könnte. DHB-Generalsekretär Mark Schober besänftigte: „Wir wollen mit Mehreinnahmen auch die Basis stärken.“

Die künftige HVR-Führungsebene: Präsident: Peter Josef Schmitz, Vizepräsident Finanzen: Klaus Müller, Vizepräsident Jugend: Hans Apel, Vizepräsident Spieltechnik: Rainer Schneider, Vizepräsident Recht: Winfried Schabio, Verbandsjugendwarte: Heike Apel (Mädchen) und Ralf Schneider (Jungen), Verbandsschiedsrichterwart: Michael Sauerwein. Landesspruchausschuss: Stefan Krempel (Vorsitzender), Jürgen Junk, Bernd Kirst, Manfred Rommersbach, Herbert Mäncher, Verbandsgericht: Ulrich Schulte-Wissermann (Vorsitzender), Willibald Nemeth, Gerd Schug, Dieter Heger, Ralf W. Schneider, Kassenprüfer: Rudolf Meid, Helmut Bündgen, Christian Schmidt

Mehr von Volksfreund