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Leichtathletik
Läuft bei ihm: Ex-Marathon-Ass Herbert Steffny 65 Jahre

Herbert Steffny beim Strandlauf. Der ehemalige Weltklasse-Läufer aus Trier wird heute 65.
Herbert Steffny beim Strandlauf. Der ehemalige Weltklasse-Läufer aus Trier wird heute 65. FOTO: picture alliance / dpa / Steffny Run Fit Fun
Trier. EM-Bronze-Gewinner Herbert Steffny hat am 5. September seinen 65. Geburtstag gefeiert. Er ist der schnellste und erfolgreichste in Trier geborene Langstreckenläufer.

Erst lief Herbert Steffny deutschen Jugendhallenrekord, dann hängte er die Spikes an den Nagel, spielte Schlagzeug in einer Rock-Band und studierte Biologie. An Leistungssport dachte der gebürtige Trier, der am Mittwoch, 5. September, 65 Jahre alt geworden ist, nicht, als er als 28-Jähriger der Gesundheit zuliebe wieder zu joggen begann. Doch dann wurde er Dritter beim New-York-Marathon und den Europameisterschaften. Sportlich werde er auch mit 65 nicht zum Rentner, sagt Steffny lachend: „Mir graut es vor dem Seniorenteller. Bei dem Sport, den ich mache, werde ich davon nicht satt.“ Im August fuhr er mit dem Rennrad noch über einige der höchsten Alpenpässe wie Galibier und Izoard.
Dabei wäre der einzige gebürtige Trierer, der jemals bei größten internationalen Meisterschaften eine Lauf-Medaille gewann, dem Leistungssport fast verloren gegangen. „Ich galt als das größte Talent der Familie, aber auch als fauler Strick – und sie hatten recht“, erzählt der jüngste  Spross des Steffny-Clans. Sein älterer Bruder Manfred – Marathon-Olympiateilnehmer 1968 in Mexiko (17.) und 1972 in München (31.) – machte es zwar vor, nach nationalem Jugendrekord und deutscher Jugendvizemeisterschaft 1971 verlor Herbert Steffny aber das Interesse am Sport. Erst als 28-Jähriger begann der studierte Biologe wieder zu laufen. Der Fitness wegen, wie er betont: „Ich hatte in der Mensa doch meist Pommes und Würstchen gegessen. Es war nie geplant, dass das noch einmal Leistungssport wird.“
Doch sein Talent hatte Steffnys wilde Studienzeit überdauert. Sein Marathondebüt in Echternach gewann er 1983 mit Streckenrekord von 2:20:05 Stunden. Im Folgejahr erfüllte er in 2:14:30 Stunden die Olympia-Norm für Los Angeles. Doch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) befand den 33-Jährigen für zu alt. Steffnys Antwort: der dritte Platz beim New-York-Marathon. Besser war nie ein Deutscher beim weltweit größten Lauf über 42,195 Kilometer. Der Lohn: 60 000 DM, das laut Steffny bis dato höchste Preisgeld für einen deutschen Leichtathleten.
Alter hin, Alter her, 1986 kam der DLV nicht mehr an der Nominierung Steffnys zur Europameisterschaft in Stuttgart vorbei. Die Heim-EM wurde zum großen Durchbruch für den Trierer, den es zum Studium erst nach Freiburg und später nach Titisee-Neustadt zog. Steffny gewann Bronze. Es blieb bis zur Wiedervereinigung 1990 die einzige Medaille eines westdeutschen Marathonläufers bei großen internationalen Titelkämpfen. „Ich habe immer auf Meisterschaften gesetzt“, sagt Steffny und ergänzt: „Die Bronzemedaille hat meinen Marktwert ungemein gesteigert. Aber es war für mich selbstverständlich bei Meisterschaften zu starten.“
Als Europameister Gelindo Bordin aus Italien 1988 in Seoul auch Olympiasieger wurde, konnte Steffny mit 39,8 Grad Fieber nur zuschauen. Unter die besten zehn zu kommen war das Ziel. „Ärgerlich ist, dass ich damals vielleicht in der Form meines Lebens war.“ Nach Korea reise er jedenfalls nicht mehr.
Weitgereist ist Steffny nicht nur während seiner 14 Jahre Karriere als Profiläufer, sondern auch danach. Als einer der Ersten überhaupt bot er Laufseminare und -reisen an. „Meine Bücher sind Bestseller“, freut er sich über seinen Erfolg als Autor. Seine Ratschläge als Trainer machten auch aus Ex-Außenminister Joschka Fischer einen Marathonläufer. Steffny betont: „Der Marathon gehört nicht nur den Schnellen!“ Deshalb sieht er Spaßläufe positiv.
Drei- bis viermal, regelmäßig zum Silvesterlauf, kommt Steffny nach Trier, zum Familienbesuch und um Orte aus seiner Jugend aufzusuchen. „Zuletzt bin ich noch unsere alte Strecke durch den Weißhauswald am Schusterskreuz vorbei gelaufen. Da liegen die Wurzeln meines Erfolgs. Ich bin stolz, ein Trierer zu sein.“