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Der TuS Daun in der Corona-Krise: „Die Kinder brauchen dringend sportliche Belastung"

TuS Daun : „Die Kinder brauchen dringend sportliche Belastung“

Wie sind die Auswirkungen der Corona-Pandemie? Und wie geht’s weiter? Der TV hat beim TuS Daun nachgefragt. Der Vorsitzende Frank Wieber beschreibt die Lage.

Hätten Sie sich vom jüngsten Bund-Länder-Treffen kurzfristige Lockerungen für den Sport gewünscht? Wenn ja: Welche?

Wieber: Ich habe erwartet, dass wir wenigstens im Jugendfußball-Bereich draußen wie vor dem Lock-down light Trainingseinheiten unter den bisherigen Corona-Hygiene- und –Schutz-Bedingungen hätten durchführen können.

Die Kinder brauchen dringend sportliche Belastung, um den ,Druck aus dem Tank zu bekommen‘. Wir erhalten hierzu ständig Nachfragen der Eltern.

Auch für den Indoorsport (Handball, Tischtenni, Schwimmen etc. ) muss es zwingend Öffnungen geben, um sowohl den Junioren als auch den Senioren die Liebe und die Verbundenheit zu ihrem Sport nicht zu nehmen.

Wir haben inzwischen beim Schwimmen Wartelisten von über 100 Kindern, die Schwimmen lernen wollen!

Welche längerfristige Perspektive für den Amateur- und Breitensport ins nächste Jahr hinein hätten Sie sich erwartet?

Wieber: Die Politik muss den Vereinen mit mehr Mut die Möglichkeit bieten, die vorhandenen und an der Praxis orientierten, guten Hygienekonzepte der Sportvereine für alle angebotenen Sportarten auch praktisch umzusetzen.

Was sagt Ihr Bauchgefühl: Wie geht’s ab Januar weiter?

Wieber: Ich erwarte nur gering reduzierte Corona-Fallzahlen. Die Kommunen werden weiter ängstlich agieren und die Sportstätten nur eingeschränkt zur Nutzung freigeben. Viele haben Angst, Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen.

Welche Auswirkungen hat das Corona-Jahr 2020 bislang konkret für Ihren Verein?

Wieber: Die sozialen Kontakte aller Vereinsmitglieder haben sich durch den Ausfall des Trainings- und Spielbetriebes nachhaltig verringert. Über die sozialen Netzwerke und E-Mail werden in den jeweiligen Vorständen/Abteilungen/Sportgruppen trotzdem Kontakte gepflegt und Informationen ausgetauscht. Der Ausfall/Wegfall von Einnahmen im Bereich Eintrittsgelder/Vereinsfeste/Kirmes etc. belastet das Budget des Vereins im bisher nicht gekannten Umfang.

Sportlich und psychologisch ist die Corona-Krise eine schwierige Zeit für den Verein. Stichworte sind soziale Kontakte, Leistungssport (keine Steigerung) und Mannschaftssport (es muss gemeinsam trainiert werden, um Erfolg zu haben).

Inwieweit kamen und kommen die Ehrenamtlichen in Ihrem Verein an Ihre Grenzen?

Wieber: Hier sehen wir keine größeren Probleme, es ist unverändert der gleiche Personenkreis von Ehrenamtlichen, die eng verbunden zu ihrem Verein stehen. Neue Mitstreiter zu gewinnen ist „wie ein Sechser im Lotto“!

Wie groß ist bislang quantitativ der Mitgliederschwund? In welchen (Alters-)Schichten findet er statt?

Wieber: Der Anteil wegen Corona ist eher gering. Es gibt nur sehr wenige Abmeldungen bisher.

Wie sehr bricht durch Corona die Zahl an Neuanmeldungen ein?

Wieber: Die Neuanmeldungen sind aufgrund von Corona aktuell geringer als in den Vorjahren. Speziell im Jugend-Bereich, z.B. beim Kinderturnen, warten die Eltern vor einer Anmeldung ihrer Kinder im TuS auf die Freigabe der Sportstätten.

Dazu: Welche Folgen hat Corona in Ihrem Verein für den Kinder- und Jugendsport?

Wieber: Soziale Kontakte, Ausgleich, abreagieren, auspowern .... das alles fehlt unseren Kindern und Jugendlichen (ca. 730 im Verein) und damit auch ihren Eltern.

Fehlender Wettkampfsport/Vergleich mit Gegnern im Spielbetrieb hindert die Weiterentwicklung der Jugendlichen

Und grundsätzlich gefragt: Welche Strukturen sind mittelfristig in ihrer Existenz bedroht?

Wieber: Die Krise wirkt sich aus heutiger Sicht nicht auf bestehende Strukturen des Vereins aus.

Wie groß sind die finanziellen Belastungen für den Verein? Wodurch werden Sie konkret verursacht?

Wieber: Zum Beispiel durch anstehende, vertraglich festgelegte Trainergehälter. Einnahmen aus Eintrittsgeldern, Gewinne aus Bewirtung/Kirmes etc. fehlen. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage in Corona–Zeiten müssen manche Sponsoren ihre Unterstützung für den Verein bzw. für die Fördervereine des TuS 05 Daun gegebenenfalls neu bewerten. Die Höhe der finanziellen Belastung/ Fehlbeträge kann erst nach dem Ende der Pandemie festgestellt werden.

Inwieweit helfen Ihrem Verein die von der Politik aufgelegten Hilfsprogramme?

Wieber: Die Programme helfen, decken aber bei weitem nur einen geringen Umfang ab. Durch die finanzielle Unterstützung des Vereins durch den Landkreis Vulkaneifel in Höhe von 1500 Euro konnte ein Teil der Mindereinnahmen abgefangen werden. Der Verein versucht noch Unterstützung über ein Landesprogramm zu bekommen.

Welche Aktionen/Entwicklungen im Corona-Jahr 2020 in Ihrem Verein machen Ihnen Mut für die Zukunft?

Wieber: Sicherlich sehnen wir uns alle nach unserem geliebten Alltag, unserem Sport, dem Mitein-ander und dem Esprit, den wir in unseren Trainingsstunden und dem Mannschaftssport erleben. Der Zusammenhalt, der Einsatz, das Nichtverzagen, die Perspektive, dass es irgendwann in 2021 weitergeht und dann alle hoffentlich wieder dabei sein werden.

Wir haben wir ein starkes Fundament in den Herzen und Erinnerungen der Mitglieder des TuS. Hierzu zählen vor allem die günstigen und sozial gestalteten, niedrigen Mitgliedsbei-

träge, für unser tolles Sportangebot in 11 Abteilungen.

Sorgen mache ich mir um manche Übungsleiter, Trainer. In einigen Abteilungen sind Übungsleiter, die an den sogenannten Schnittstellen arbeiten, in den sozialen Bereichen mit engen Kontakten zu Menschen, zu Risikogruppen. Sie sind somit besonders in vielen Bereichen gefordert sind.

Vor allem im Kinder-/Juniorensport berichteten die Eltern, wie sehr die Kinder die Bewegungszeiten und die Gemeinschaft vermissen. Um die Mitgliederzahlen in den Mannschaften/Gruppen nach Corona mache ich mir weniger Gedanken