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Detzem: Die Achterbahnfahrt eines Spiels, das 101 Minuten dauerte

Fußball-Kreisliga A Trier-Saarburg : Die Achterbahnfahrt von Detzem

Kreisliga A Trier-Saarburg: Die letzte halbe Stunde entschädigte beim Duell zwischen der SG Pölich-Schleich/Detzem und dem TuS Reinsfeld für ein bis dahin zähes Spiel. Die Gastgeber schienen einen sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand zu geben, gewannen dann aber doch noch mit 5:3.

In der elfminütigen Nachspielzeit der Partie zwischen der SG Pölich-Schleich/Detzem und dem TuS Reinsfeld gab dann auch noch der Ball seinen Geist auf und war platt. Fast schien es so, als ob es in den rund 25 Minuten zuvor zu viel für das Spielgerät gewesen wäre. Sechs Treffer gab es da, verbunden mit einigen kuriosen Aktionen. Dass Schiedsrichter Cedric Clemens so lange nachspielen ließ, hatte mit dem unglücklichen Zusammenprall des Pölichers Lukas Kollmann und des Gästeakteurs Fabrice Schirra und daraus resultierenden Kopfverletzungen anfangs der zweiten Halbzeit zu tun. Beide wurden auf dem Platz länger behandelt, ehe sie der Krankenwagen mitnahm. Ersten Diagnosen zufolge trug Kollmann eine Platzwunde und Schirra eine Prellung davon.

Bis kurz nach dem Wiederanpfiff war es noch eine reichlich unscheinbare Partie, in der die Spieler von Tobias Niehl nur wenig aus ihrem Plus an Ballbesitz machen konnten und Reinsfeld noch die besseren Gelegenheiten hatte. So etwa in der zwölften Minute, als Moritz Michels nach scharfer Hereingabe von Christopher Mai aus kürzester Distanz den Ball nicht richtig traf, oder in der 23. Minute: Hier vertändelte Andres Felipe Perdomo Azcarate den Ball gegen Niko Schmitt. Im letzten Moment rettete aber Lukas Kollmann.

Der Führungstreffer war dem rumänischen Ballkünstler Valentin-Vialli Gheorghita zu verdanken. Der 30-Jährige, der mittlerweile in Belgien lebt und arbeitet und es fast nur noch zu den Spielen an die Mosel schafft, zirkelte einen 18-Meter-Frei­stoß an der Reinsfelder Mauer vorbei zum 1:0 ins Netz (40.). Kurz nach der längeren Behandlungspause roch es bereits nach einer Vorentscheidung. Erneut vollstreckte Gheorghita, nachdem sich Heiko Schmitt den Ball stark erkämpft hatte und dann den flotten Angriff über Nils Engemann und Mike Scholer einleitete (54.). „Dann müssen wir eigentlich schon den Deckel draufmachen“, wusste SG-Trainer Niehl in seiner Analyse und spielte damit etwa auf die Doppelchance von Engemann und des eingewechselten Alexander Welter an, die an der Latte beziehungsweise dem sehr gut reagierenden TuS-Torwart Oliver Sänger scheiterten.

Nur noch 2:1 hieß es dann aber, als der sonst so zuverlässige SG-Keeper Mike Kirchen in der 72. Minute einen zwar platzierten, aber nicht hart getretenen Distanzschuss von Lars Stüber passieren ließ. Alles schien aber wenig später wieder im Lot: Auf der Gegenseite lenkte Mai den Ball nach einem Freistoß von Simon Schömann ins eigene Netz – 3:1 (75.). Die Moral stimmte bei den Hochwäldern, verkürzten sie in der 78. Minute doch erneut. Diesmal ließ Marven Weisdorfer bei seinem Schuss aus halbrechter Position den Pölicher Schlussmann nicht gut aussehen. „Es passt nicht mehr bei uns“, entfuhr es Heimcoach Niehl am Seitenrand. Die SG schien einen sicher geglaubten Sieg zu verspielen. Und tatsächlich: In der 85. Minute erkämpfte sich Niko Schmitt den Ball, passte von links klug nach innen, wo Stüber cool vollstreckte.

Glück hatten wenig später für die Gäste, dass Schiedsrichter Clemens keinen Elfmeter für Pölich gab, nachdem Welter im Strafraum klar am Trikot gezogen worden war. „Wie kann man da nur so hingehen“, musste auch ein Reinsfelder Zuschauer zugeben und war erstaunt ob des ausgebliebenen Pfiffs. Doch Pölich blieb am Drücker. Mike Scholer, dem in der ersten Hälfte noch wenig gelungen war, tankte sich über links durch und traf zum vielumjubelten 4:3. Gegen die entblößte Abwehr der entkräfteten Gäste vollendete Welter nach Zuspiel von Scholer noch einen Konter zum 5:3 (90.+11).

Nach dem zweiten Sieg im zweiten Heimspiel musste SG-Trainer Niehl erst mal kräftig durchschnaufen: „Das war wie eine Achterbahnfahrt. Das 2:1 fällt durch einen individuellen Fehler. Danach spielen wir teilweise Harakiri. Am Ende des Tages hätte ich ein massives Problem damit gehabt, wenn wir nicht gewonnen hätten. Schließlich hatten wir doch die Mehrzahl an Chancen.“ Sein Pendant Uwe Wess war bedient: „Wenn du auswärts drei Tore schießt, muss das einfach reichen, um hier was mitzunehmen.“ Der Sportliche Leiter des TuS, Yannick Meerkamp, ergänzte „Ein Aufbäumen war definitiv erkennbar. Ich hatte das Gefühl, dass Pölich das Spiel bereits abgeschlossen hatte. Nach dem Konter und dem Treffer zum 4:3 war dann aber die Luft bei uns raus.“ Nun hoffen sie im Hochwald nicht nur auf die schnelle Rückkehr von Fabrice Schirra. Auch Max Becker, Björn Bohr und Jannik Klas werden schmerzlich vermisst. Für den TuS geht es bereits am Mittwoch weiter – ab 19.30 Uhr mit dem Kreispokalspiel bei der SG Pellingen.

SG Pölich-Schleich/Detzem – TuS Reinsfeld 5:3 (1:0)

Pölich/Detzem: Mike Kirchen - Raphael Thömmes, Niklas Kollmann, Philipp Klappert, Lukas Kollmann (52. Simon Schömann), Nils Engemann, Dennis Hontheim, Heiko Schmitt (68. Kai Morbach), Mike Scholer, Andres Felipe Perdomo Azcarate (88. Sandro Kreten), Valentin-Vialli Gheorghita (62. Alexander Welter)

Reinsfeld: Oliver Sänger, Felix Michels, Christoph Kratz, Lars Stüber, Tobias Kolling, Tim Wollscheid, Christopher Mai, Moritz Michels, Thomas Eibel (46. Simon Biwer), Fabrice Schirra (52. Marven Weisdorfer), Niko Schmitt

Schiedsrichter: Cedric Clemens (Fisch) - Zuschauer: 132

Tore: 1:0, 2:0 Valentin-Vialli Gheorghita (40., 54.), 2:0 Valentin-Vialli Gheorghita (54.), 2:1 Lars Stüber (72.), 3:1 Christopher Mai (75. Eigentor), 3:2 Marven Weisdorfer (78.), 3:3 Lars Stüber (85.), 4:3 Mike Scholer (90.), 5:3 Alexander Welter (90.+11)