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Basketball: Die drei Basketballschwestern sagen Tschüss

Basketball : Die drei Basketballschwestern sagen Tschüss

Ein Vierteljahrhundert lang haben Iris Jodes und Ulrike Maerz in der gleichen Mannschaft der MJC Trier gespielt und entwickelten eine enge Freundschaft. Nun haben beide ihre Laufbahnen beendet, genauso wie ihre langjährige Weggefährtin Sabrina Thomas. Gemeinsam blicken sie auf viele besondere Momente zurück.

Fünf Jahre lang hat Wolfgang Esser, der einstige Erfolgscoach der Trierer Bundesligabasketballer, auch die MJC-Damenmannschaft in der Regionalliga und 2. Bundesliga trainiert. „Dabei“, bekennt Esser, „habe ich sonst nie erlebt, dass zwei im Charakter so unterschiedliche Menschen die Geschichte einer Mannschaft so geprägt haben“. Gemeint sind Iris Jodes (Jahrgang 1986) und Ulrike Maerz (1987), die von der frühesten Jugend an bis zuletzt in unterschiedlichen Teams der MJC gespielt haben – und künftig nur noch in Hobbyteams agieren wollen.

Vor mehr als einem Jahr legte die Corona-Pandemie beinahe den gesamten Vereinssport lahm, und es sieht derzeit so aus, dass es bis weit in den Sommer hinein dauern wird, bis sich die Situation nachhaltig geändert hat. Was dies insgesamt für den Sport, aber auch für die Sozialisation durch gemeinsame Erlebnisse bedeutet, ist aktuell noch völlig unklar. In dieser besonders für Mannschaftssportlerinnen so tristen Zeit zeigt die Geschichte der „Basketball-Schwestern“ Jodes und Maerz, welche Bedeutung der Sport über die körperliche Betätigung hinaus hat.

Im Gespräch mit diesen beiden Spielerinnen, die den Damenbereich der MJC über viele Jahre entscheidend mitgeprägt haben, wird schnell deutlich, dass sie gar nicht wissen, wo sie anfangen sollen zu erzählen. Viele unvergleichliche Momente haben sich indes auch und gerade neben dem Basketballfeld abgespielt. „Ulrike und ich haben quasi die ganze Reise über die letzten 25 Jahre komplett zusammen bestritten und auch keine Mannschaftsfahrt ausgelassen. Ob mit Eike Zoldan nach Korsika oder mit Holger Sittmann und Uli Kaurisch nach Lloret: Wir waren immer dabei. Das war auch einfach eine richtig tolle Zeit, die nicht nur unsere Freundschaft so geprägt hat, sondern auch das ganze Team in der Jugend zusammengeschweißt hat. Die ganzen Turniere, bei denen wir auch übernachtet haben, waren dann immer wieder kleine Highlights, auf die wir uns Jahr für Jahr gefreut haben, genauso auf die jährlichen Basketballcamps von der MJC mit Peter Sharkey“, schwärmt Jodes.

Viele unterschiedliche Trainer, aber auch Mitspielerinnen haben Jodes und Maerz auf ihrem Weg erlebt – einige für kürzere, andere für längere Zeit, so wie Sabrina Thomas, die in der Jugend vom Trimmelter Hof zur MJC wechselte. Thomas ist schon seit mehr als 20 Jahren ein fester Bestandteil der weiblichen Basketballabteilung.

Maerz ruft klangvolle Trainernamen in Erinnerung: „Da haben wir gefühlt auch alles abgegrast, was verfügbar war: von Eike Zoldan, Holger Sittmann, Tina Wagner, Shawna Murphy, Alex Kern, bis hin zu Wolli Esser und Michael Edringer.“

Als unumwundenen Höhepunkt ihrer Laufbahn bezeichnen sie die Aufstiegssaison 2010/11. Nach ein paar Spielzeiten, als man knapp den Titel verpasst hatte, war es soweit. Zum ersten Mal ging es in die Aufstiegsrunde. Das hieß: mit Reisebussen Richtung Stuttgart reisen und in Hallen, die ähnlich wie die Deworahalle (inzwischen längst abgerissen und nur noch wenigen in Erinnerung) waren, um den Aufstieg in die 2. Bundesliga kämpfen. Zu den Heimspielen kamen so viele Zuschauer, dass die MJC jeden verfügbaren Platz mit zusätzlichen Stühlen bestücken musste.

„Allein der Zusammenhalt und der Support waren unvergleichlich. Und dann haben wir es tatsächlich geschafft – den Sprung in die Bundesliga. Ein richtiges Abenteuer begann. Von Sponsoren- und Spielersuche bis zu einem eigenen Fernsehteam –  wir hatten alles am Start“, sprudelt es aus beiden heraus.

Später zogen sie sich als mitspielende Trainerinnen in die Oberliga zurück. Dort fing ein neues Kapitel an. Für ihren Ex-Coach Wolli Esser war es „zwangsläufig“, dass Jodes die Mannschaft trainierte mit Maerz an ihrer Seite als Co-Trainerin.

Auch diesen Weg ging Thomas mit ihnen – bis zuletzt. „Wir hatten auch hier einige Erfolgserlebnisse, Meisterschaftstitel und vor allen Dingen eine richtig tolle Mannschaft, die uns bei der Stange gehalten hat. Ohne die Mädels hätten wir alle drei wahrscheinlich nicht so lange durchgehalten.“ Und weiter kommen ihre Antworten wie aus einem Mund: „Wir könnten noch Stundenlang erzählen.“

Jetzt endet die Laufbahn dieser drei Spielerinnen mit „einer blöden Spielzeit“. Ob die durch die Corona-Pandemie widrigen Umstände ihre Entscheidung beeinflusst haben, sind sich beide nicht ganz schlüssig. „Es macht uns den Abschied nach 25 Jahren gemeinsamen Trainings und unzähligen Spielen sicherlich einfacher.“

Basketball: Die drei Basketballschwestern sagen Tschüss
Foto: Uli Kaurisch
 MJC Trier
MJC Trier Foto: MJC Trier

In einer Hobbygruppe wollen sie in Zukunft einmal in der Woche, wenn es denn wieder möglich ist, gemeinsam mit Weggefährtinnen auch weiterhin „zocken“ – ohne jeglichen Druck oder gar Spielsysteme einfach nur Basketball spielen“.