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Dino Toppmöller bei Bayern München: So ist die Arbeit als Co-Trainer von Julian Nagelsmann

Auf der Trainerbank neben Julian Nagelsmann : So war der Start von Dino Toppmöller aus Rivenich beim FC Bayern München

In seiner Jugend war er kein Bayern-Fan, heute ist er der neue Co-Trainer beim Fußball-Rekordmeister: Dino Toppmöller aus Rivenich verrät, wie sein Job beim FC Bayern München aussieht - und worin er noch ungeschlagen ist.

Manchmal muss man Prioritäten setzen. Weil sich der Trierische Volksfreund zu einem Interview angekündigt hatte, ließ Dino Toppmöller ein Pádel-Match gegen Cheftrainer Julian Nagelsmann sausen. Das tennis-ähnliche Spiel wird auf kleinen Plätzen mit kurzen Schlägern ohne Bespannung ausgeübt. Nachdem Bayern München 2020 die Champions League gewann, wurde der Court auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße gebaut.

Unweit des Platzes traf sich der TV mit Toppmöller auf der Sonnenterrasse des Bayern-Domizils. Der 40-Jährige fühlt sich gut aufgenommen in der Gilde der Topstars um Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Thomas Müller und Robert Lewandowski.

Da einige Spieler aufgrund der EM-Teilnahme erst später ins Training einstiegen, verlief die Vorbereitung zerstückelt. Das war nicht so ideal für die erzielten Resultate, aber nicht schlecht für das neue Trainerteam mit Nagelsmann, Toppmöller und dem weiteren Assistenten Xaver Zembrod, die alle drei von RB Leipzig geholt wurden. „Uns hat es das Reinkommen erleichtert“, sagt Toppmöller. Mittlerweile ist die erste Anspannung verflogen. Toppmöller: „Die Jungs sind total offen. Die sogenannte Bayern-Familie wird extrem gelebt.“

Zusammenhalt entbindet aber nicht von knallhartem Anspruchs- und Erfolgsdenken. Und das ist beim deutschen Rekordmeister traditionell enorm hoch.

Nachdem Nagelsmann bei den Bayern unterschrieben hatte, dauerte es, bis sein Co-Trainer-Team auch in München landete. Grund: Leipzig brauchte erst adäquaten Ersatz. Für Toppmöller endete die Zeit in Sachsen damit schon nach einem Jahr. „Wir haben uns super wohlgefühlt in Leipzig, auch privat“, sagt der 40-Jährige, der mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nun in den Münchener Stadtteil Solln rund sechs Kilometer von der Säbener Straße entfernt gezogen ist. Wenn sich die Tür von einem Topclub zu einem noch größeren Topclub öffnet – wer will da widerstehen?

Dabei war Toppmöller in seiner Jugend gar kein Bayern-Fan: „Meine Schwester Nina war immer für die Bayern. Da habe ich sie geärgert, wenn sie mal nicht gewonnen haben.“ Toppmöller sympathisierte früher mit dem 1. FC Nürnberg, Torwart Andreas Köpke war sein Idol.

 Dino Toppmöller beim Interview mit Volksfreund-Redakteur Mirko Blahak auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße. Foto: Mirko Blahak
Dino Toppmöller beim Interview mit Volksfreund-Redakteur Mirko Blahak auf dem Trainingsgelände an der Säbener Straße. Foto: Mirko Blahak Foto: TV/Mirko Blahak

Für Toppmöller hält die Reise durch den Profifußball in den vergangenen Jahren mehrere spezielle Momente parat – im Guten wie im Schlechten. Zwischen 2016 und 2019 feierte er als Trainer mit dem luxemburgischen Club F 91 Düdelingen große Erfolge – unter anderem sorgte er dafür, dass erstmals ein Team aus dem Großherzogtum in die Gruppenphase der Europa League einzog. Doch er hatte dort auch mit Widerständen zu kämpfen – genauso wie bei seinem Intermezzo danach in der zweiten Jahreshälfte 2019 beim belgischen Zweitligisten RE Virton: „Es gab so viele Brände zu löschen. Es haben zu viele gegen den Erfolg gearbeitet.“

Das komplette Gegenteil erlebt er, seit er im Sommer 2020 die Bundesliga-Bühne betrat: „Im Trainer- und Betreuerteam weiß jeder exakt, was er zu tun hat.“

Laut eigener Aussage hat Toppmöller bislang nie einen Karriereplan als Trainer verfolgt. „Ich habe zu meiner Zeit in Salmrohr (Anm. d. Red.: zwischen 2010 und 2012) den B- und A-Schein gemacht. Viele sagten damals, ich solle mich direkt auch um die Fußballlehrer-Lizenz bemühen. Ich wollte aber erstmal sehen, ob es für mich als Coach mit einer Gruppe funktioniert. Anschließend beim SV Mehring habe ich gemerkt: Ja, das passt.“

Dass er nun – in zweiter Reihe – so schnell beim besten Verein Deutschlands gelandet ist, war nicht abzusehen, obwohl er seit 2020 die Fußballlehrer-Lizenz in der Tasche hat. Der Weg des Sohns von Klaus Toppmöller ist ungewöhnlich, wenngleich Toppi junior sagt: „Wolfgang Frank, mein früherer Trainer bei Kickers Offenbach, sagte mal zu mir: ,Es gibt im Fußball keinen Zufall‘.“

Dino Toppmöller hat als Coach nie in einem Nachwuchsleistungszentrum gearbeitet, sondern viereinhalb Jahre im Ausland. „Ich habe mir mit Fleiß viel beigebracht und selber viele Erfahrungen gesammelt“, sagt der 1,90-Meter-Hüne aus Rivenich (Kreis Bernkastel-Wittlich), der als Spieler 128 Zweitliga-Spiele bestritt.

Seine Aufgabe bei Bayern München geht er mit Mut, Demut und Disziplin an. Seit er in der Bundesliga arbeitet, hat er zehn Kilo abgenommen. „Ich versuche, den Moment zu schätzen“, sagt Toppmöller. Keine leichte Aufgabe, wenn viele englische Wochen bevorstehen.

Bei den Bayern ist er als Co-Trainer für die Standards zuständig. In Sitzungen vor den Partien bereitet er die Spieler darauf vor, was bei eigenen sowie gegnerischen Ecken und Freistößen zu tun ist: „Da geht es nicht darum, den Topstars etwas beizubringen, sondern um klare Zuteilungen.“ Auf dem Trainingsplatz fungiert Toppmöller, der fließend Französisch spricht, als Taktik-Übersetzer. Wenn Nagelsmann über Laufwege spricht, bekommen Kingsley Coman, Corentin Tolisso und Co. von Toppmöller direkt alles Wichtige in ihrer Muttersprache vermittelt.

Die Beziehung zwischen Papa Klaus Toppmöller und den Bayern war zu dessen Trainer-Zeit jahrelang durch Rivalität geprägt. Legendär war sein Spruch „Bye, bye, Bayern“ in der Saison 1993/94, als er als Trainer von Eintracht Frankfurt dem FCB den Kampf ansagte. „Ich habe den Spruch noch nicht aufs Brot geschmiert bekommen“, sagt Dino Toppmöller mit einem Schmunzeln.

Die zehnte Deutsche Meisterschaft in Folge, ein Top-Abschneiden in der Champions League – die Ziele des FC Bayern sind ambitioniert. Parallel versucht Toppmöller, sportlich einen persönlichen Nimbus zu wahren. Im Pádel ist er sowohl im Doppel an der Seite von Nagelsmann als auch im Einzel bislang ungeschlagen.