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Eine Woche lang war Trier „simply wunderbar“

Serie „Sooo ein Tag“ : Eine Woche lang war Trier „simply wunderbar“

TV-Serie „So ein Tag“: 24 000 Fans aus ganz Europa waren 2017 begeistert von der Frauen-Handball-WM in Trier. Folgt die Wiederholung?

Die Geschichte beginnt in São Paulo, beinhaltet sechs Mannschaften aus drei Kontinenten, die weltbeste Handballerin, 24 000 Besucher und eine Schneeballschlacht unter sichtlich erheiterten Angolanerinnen.

Als der Deutsche Handballbund (DHB) im sommerlichen Dezember 2011 am Rande der Frauen-WM in Brasilien den Zuschlag für die Frauen-Weltmeisterschaft 2017 erhielt, hatte sich die Arena Trier wenige Monate zuvor mit dem Abschiedsländerspiel von Männer-Bundestrainer Heiner Brand im besten Glanz gezeigt, und war dank vieler weiterer erfolgreich organisierter Länderspiele im Blickfeld des DHB. „Warum nicht eine Vorrundengruppe der WM in Trier spielen?“, sagte also Heinz Winden, damals DHB-Vizepräsident und Delegationsleiter der deutschen Frauen in Brasilien.

Gesagt, getan – unter der Leitung von Geschäftsführer Wolfgang Esser und der späteren WM-Projektleiterin Julia Lewen stellte die Arena gemeinsam mit der Stadt und der städtischen Tourismusgesellschaft TTM eine Bewerbung zusammen, die Trier als weltoffene Sportstadt, zudem fit in der Organisation von Großveranstaltungen, zeigte. Im Bewerbungsvideo unter dem Motto „Trier will die WM“ kamen unter anderem der damalige Oberbürgermeister Klaus Jensen, viele Spielerinnen der Miezen und Ministerpräsidentin Malu Dreyer zu Wort.

Hauptzugpferd waren aber die Nähe zu Frankreich und die Städtepartnerschaft zu Metz, der Hauptstadt des französischen Frauenhandballs. Alles passt – im November 2015  präsentierte der DHB in Leipzig die WM-Spielorte –  und bei Wolfgang Esser und Co. war der Jubel groß, als Trier als Gastgeber von Gruppe A mit Frankreich bekanntgegeben wurde. Es war der Startschuss für die WM-Vorbereitungen.

„Wir hatten ein unglaubliches Team, das vom ersten Tag toll zusammenpasste und zusammenarbeitete“, blickt Julia Lewen zurück. Ein Finanz- und Marketingkonzept wurde erstellt, unendliche Male wurde nach Vorgaben des DHB und des Weltverbands IHF die Arena WM-mäßig auf- und umgebaut, Pläne wurden gezeichnet und geändert. Im November 2016 war Trier Gastgeber eines Frauen-Länderspiels gegen Schweden, und dann begann die heiße Phase für Lewen & Co. „Wir waren überall vor Ort, um Werbung für die WM zu machen“, sagt Lewen, die heute als Veranstaltungskauffrau für die Stadthalle Bitburg arbeitet.

Den Auftakt machte der WM-Wagen beim Trierer Rosenmontagszug 2017. Danach war das WM-Team bei unzähligen Handballturnieren, Veranstaltungen wie dem Sommerfest des Landessportbunds, auf allen Bühnen des Altstadtfests Trier, und als einer der Höhepunkte bei zwei Spielen in Metz, wo die französische Mieze Megane Vallet persönlich WM-Tickets verkaufte. Zwischenzeitlich mussten die rund 140 Volunteers (ehrenamtlichen Helfer) eingearbeitet werden, ein eigenes WM-Heft wurde produziert, der Countdown zur WM wurde schließlich bei einer rollenden Pressekonferenz in einem Stadtbus eingeläutet, schließlich war jedes WM-Ticket ja auch kostenlose Bus- und Bahnfahrkarte zur Arena.

Eine ganz zentrale Rolle spielte in diesem Zeitraum Alexandra Krämer, eigentlich Torfrau der zweiten Miezen-Mannschaft, ab November 2017 aber vorrangig als WM-Maskottchen Hannibal unterwegs. „Alex ging komplett auf in ihrem Job, sie war unglaublich“, sagt Julia Lewen noch heute. Nur noch wenige Tage bis zum Anwurf – die ersten Mannschaften trafen im Fourside Hotel IAT Tower direkt neben der Arena ein, loben vor allem den kurzen Weg zur Halle. Neben Gruppenkopf Frankreich waren Slowenien, Spanien, Angola, Paraguay und Rumänien nach Trier gelost worden.

Am Wochenende vor der WM gab es noch drei ausverkaufte Veranstaltungen in der Arena. Mittwochs kam der WM-Hallenboden, freitags folgte die Generalprobe, „in der nicht unbedingt alles funktionierte“, wie Lewen sich erinnert. Dann der große Tag: Samstag, 2. Dezember, 14 Uhr: erstmals findet ein WM-Spiel in einer Olympischen Sportart in Trier statt. „Mit 600-700 Besuchern beim Auftaktspiel Rumänien gegen Paraguay wären wir froh gewesen, aber so etwas konnte niemand ahnen“, sagt Wolfgang Esser. Die Schlange mit rumänischen Fans vor der Arena nimmt kein Ende, aus halb Deutschland und Benelux waren sie gekommen, um vor allem eine zu sehen: Cristina Neagu, damals Welthandballerin und in Rumänien so etwas wie Steffi Graf, Dirk Nowitzki und Michael Schumacher in einer Person.

Zu jedem der fünf Spiele pilgerten Hunderte Rumänen, die stimmgewaltig ihr Team unterstützen, das dann sogar Gruppensieger wurde. „Die Stimmung war an allen fünf Spieltagen überragend, und es ging absolut friedlich zu, die Fans haben zusammen gefeiert“, sagt Lewen – und nach den fast 2000 Besuchern beim abendlichen Spiel Frankreich gegen Slowenien erhellten sich die Gemüter, denn  der Vorverkauf war nicht so berauschend gelaufen.

Die Nachricht, dass die WM-Spiele in der Arena absolut sehenswert sind, sprach sich in der Großregion herum, auch aus Luxemburg kamen viele Handballfans. Die 16 000 zahlenden Besucher, die eine schwarze Null garantierten, war schnell erreicht, am Finaltag wurde das 20 000. Ticket verkauft, am Ende standen 21 500 und insgesamt 24 000 Besucher, inklusive den Gästen von DHB und IHF. „Überragend“, meint Lewen. Das galt auch für die Hallenshow in der Arena, mit dem Trierer Duo Christian Schmidt (Sprecher) und Andreas Kühnen (DJ), das sonst bei den Gladiators einheizt und bei allen Fans super ankam.

Absolut zufrieden zeigten sich auch die über 40 Journalisten aus neun Ländern, darunter sogar das angolanische Radio, dessen Kommentator die 90-Dezibel-Grenze bei jedem Tor seines Teams locker überbot. Bilder aus Trier wurden in die ganze Welt gesendet. Die Journalisten lobten die Gesamt-Organisation, die Stimmung und teilweise auch ganz besondere Details: „So etwas Leckeres wie die allabendliche Currywurst habe ich vorher noch in keinem Mediencatering gegessen“, sagte der Rumäne Marius Hutu, der zudem ein Event lobte: die Journalisten-Mosel-Schiffstour mit Glühweinverkostung am spielfreien Tag.

Eine ganz besondere Erinnerung blieb Trier nicht nur für IHF-Präsident Hassan Moustafa, der bei seinem Besuch eines WM-Spieltags nicht nur sein Leibgericht Lachs auf der Haut in Olivenöl gebraten, sondern von OB Wolfram Leibe auch ein Replikat einer römischen Goldmünze erhielt, sondern auch für die Angolanerinnen. Sie gewannen zwar nur ein Spiel gegen Paraguay, aber: Sie hatten hinter der Arena die erste Schneeballschlacht ihres Lebens. „Sie hatten einen Riesenspaß, und am Ende waren sie so ausgepumpt wie nach einem Training“, sagte deren Trainer Morten Soubak. Nach 15 Spielen in der Arena Trier ging es für die Teams in einer Chartermaschine am Morgen des 9. Dezember vom Flughafen Hahn weiter nach Magdeburg und Leipzig, wo die K.o.-Runde folgte. Gruppensieger Rumänien träumte im Flieger von einer Medaille, scheiterte dann aber genauso bereits im Achtelfinale wie die Sloweninnen, die am ersten Spieltag mit dem 24:23-Sieg gegen Frankreich für die große Überraschung gesorgt hatten. Es blieb die einzige Niederlage für die Französinnen, die zehn Tage nach der Abreise aus Trier erstmals Weltmeister wurden.

Vor Ort beim Finalwochenende in Hamburg ist auch eine vierköpfige Delegation aus Trier mit Wolfgang Esser, Julia Lewen, Kristin Schon (Marketing) und Thomas Erdorf (Technik). Die mussten nach dem letzten WM-Spiel am 8. Dezember richtig Gas geben: Am Folgetag spielten die Miezen gegen Beyeröhde, am Sonntag standen die Gladiators auf dem Feld, am Montag folgt das Manowar-Konzert, dessen Bühne komplett ausgelagert war, weil das Bühnenlager während der WM das Medienzentrum war.

„Wir hatten ein Jahr intensive Vorbereitung – und aller Aufwand hat sich gelohnt. Die 21 500 verkauften Eintrittskarten und insgesamt über 24 000 Zuschauer waren weit mehr als wir uns erhofft hatten“, sagte Wolfgang Esser: „Wir haben dem Deutschen Handballbund gezeigt, dass wir eine solche Veranstaltung stemmen können. Speziell unser Technik- und Orgateam haben tolle Arbeit geleistet, das war eine logistische Meisterleistung.“

Das sieht WM-Projektleiterin Julia Lewen ähnlich: „Wir haben dank der Millionen Fernsehzuschauer zum Beispiel in Rumänien und Frankreich tolle Werbung für Trier als Touristenstadt gemacht.“ Trier hatte das Motto der Weltmeisterschaft 2017 wörtlich umgesetzt: „simply wunderbar“.

 Handball-WM 2017 in Trier
Handball-WM 2017 in Trier Foto: TV/MVG Trier
 Die WM in Bildern (von oben links im Uhrzeigersinn): Triers Dezernent Andreas Ludwig (rechts) erhält das symbolische erste WM-Ticket für Trier, 140 Volunteers waren an den insgesamt acht Tagen im Einsatz, die Stadtwerke hatten einen Stadtbus als rollende Werbung für die WM im Einsatz, MJC-Torfrau Alexandra Krämer ging in ihrer Rolle als WM-Maskottchen Hanniball voll auf, Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (links) und Hassan Moustafa, Präsident der IHF, bei dessen WM-Besuch in der Arena. Moustafa erhielt ein Replikat einer römischen Münze. 
Die WM in Bildern (von oben links im Uhrzeigersinn): Triers Dezernent Andreas Ludwig (rechts) erhält das symbolische erste WM-Ticket für Trier, 140 Volunteers waren an den insgesamt acht Tagen im Einsatz, die Stadtwerke hatten einen Stadtbus als rollende Werbung für die WM im Einsatz, MJC-Torfrau Alexandra Krämer ging in ihrer Rolle als WM-Maskottchen Hanniball voll auf, Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (links) und Hassan Moustafa, Präsident der IHF, bei dessen WM-Besuch in der Arena. Moustafa erhielt ein Replikat einer römischen Münze.  Foto: TV/privat
 Handball-WM 2017 in Trier
Handball-WM 2017 in Trier Foto: TV/MVG Trier
 Alexandra Krämer, Torfrau der zweiten Mannschaft der DJK/MJC Trier, lässt bei der Frauenhandball-WM das Maskottchen Hanniball zum Leben erwecken.
Alexandra Krämer, Torfrau der zweiten Mannschaft der DJK/MJC Trier, lässt bei der Frauenhandball-WM das Maskottchen Hanniball zum Leben erwecken. Foto: TV/Mirko Blahak
 Handball-WM 2017 in Trier
Handball-WM 2017 in Trier Foto: TV/MVG Trier
 Handball-WM 2017 in Trier
Handball-WM 2017 in Trier Foto: TV/MVG Trier

Und nun stehen die Weichen möglicherweise auf Wiederholung – denn just vor einigen Wochen hat der Trierer Stadtrat sein Okay gegeben für die Bewerbung der Arena für die Frauen-Handball-WM 2025, die Deutschland gemeinsam mit den Niederlanden organisiert. Auch in der neuerlichen Bewerbung dreht sich vieles um Frankreich als Gruppenkopf.