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Eintracht Trier: Dennis Gerlinger - vom Fußballer zum Mentalcoach

Eintracht Trier : Dennis Gerlinger: Vom Fußballer zum Mentalcoach

Dennis Gerlinger hatte das Talent, um Profi zu werden. Doch ihm habe die mentale Stärke gefehlt, sagt der Ex-Spieler von Eintracht Trier. Deshalb ist er nun selbst Mentalcoach – um anderen Sportlern zu helfen.

Ehrgeiz, Talent, Wille und ein Kämpferherz: Außenbahnspieler Dennis Gerlinger vereinte viele Attribute, die für eine Fußballer-Karriere im höherklassigeren Bereich sprachen. Doch es reichte „nur“ für die Regionalliga – dort spielte er mit dem FK Pirmasens, dem FC Homburg sowie in der Saison 2015/16 mit Eintracht Trier.

Gerlingers Problem: eine Verletzungsanfälligkeit, wegen der er schon mit 25 Jahren fast Schluss  gemacht hätte und die ihm nun mit 29 endgültig einen Strich durch die Rechnung macht. Aber nicht nur das: „Mir fehlte auch die mentale Komponente“, sagt Gerlinger. Jemand, der ihm bei Fragen abseits von Technik und Taktik zur Seite stand.

Genau solch ein Ansprechpartner will Gerlinger nun selbst für Sportler sein – neben seinem Hauptjob als Justizvollzugsbeamter im Zweibrücker Gefängnis. Dafür hat er sich von Mirko Feldner, einem Heilpraktiker für Psychotherapie aus Bexbach, zum Mentalcoach ausbilden lassen.

Blockaden lösen, Ängste beiseite schieben, die Fokussierung aufs Wesentliche – daran arbeitet Gerlinger mit seinen Klienten. Sie kommen aus dem Fußball, aber auch zum Beispiel aus der Leichtathletik. „Sport ist zu einem Großteil eine Kopfsache. Im Fußball zu 80 Prozent, im Golf nahezu zu 100 Prozent“, sagt Gerlinger, der zuletzt noch beim FSV Jägersburg am Ball war.

Seine Herangehensweise: Nicht darüber grübeln, was schiefgehen könnte, sondern sich darauf konzentrieren, was zu erreichen ist. Einer seiner Lieblings-Leitsätze erinnert an seinen in Trier vollführten Torjubel mit weit ausgebreiteten Armen: „Wenn der Gegenwind aufkommt, breite deine Flügel aus, und erinnere dich, dass das Flugzeug gegen den Wind abhebt, nicht mit ihm.“

Was dahintersteckt: Viele Sportler lassen laut Gerlinger negativen Gedanken zu viel Raum. „Das klassische Beispiel ist das Elfmeterschießen. Manche trauen sich nicht, weil sie darüber nachdenken, was passiert, wenn ich nicht treffe. Deshalb sollten sich Fußballer immer wieder vor Augen führen, wie der Ball ins Tor geht.“ Den Erfolgsfall vorstellen – dann klappt’s auch in der Praxis. So wie einst bei Tennisspieler Andre Agassi, von dem überliefert ist, dass er Wimbledon zunächst 10 000 Mal im Kopf gewann, ehe es tatsächlich in der Realität klappte.

Seit August 2019 meditiert Gerlinger jeden Morgen 20 Minuten lang. „Seit ich das mache, bin ich viel gelassener. Meine innere Ruhe ist besser geworden“, sagt der 29-Jährige, der im vergangenen Sommer nochmal zu Eintracht Trier zurückkehren sollte. Doch ein Wechsel zerschlug sich aus arbeitsrechtlichen Gründen wegen seiner Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten.

Foto: privat

Die mentale Komponente – sie soll Gerlinger auch selbst in seinem neuen Lebensabschnitt helfen.