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Eintracht Trier: Josef Hehl wird 80: Vom Notstopfen zum Rekordspieler

Eintracht Trier : Josef Hehl wird 80: Vom Notstopfen zum Rekordspieler

Er prägte eine der erfolgreichsten Phasen des SVE mit: Der Torwart stand ab Mitte der 1960er Jahre acht Jahre lang zwischen den Pfosten der Blau-Schwarz-Weißen und avancierte zum Dauerbrenner. Aus Anlass seines 80. Geburtstags an diesem Montag erinnert sich der Ex-SVE-Kapitän an große Kulissen im Moselstadion, Spiele vor den Augen des Weltmeistertrainers Sepp Herberger und Vergleiche mit Torwartlegende Bert Trautmann.

Seit über sieben Jahrzehnten bestimmt der Fußball seinen Tagesablauf. Deshalb hat Josef „Jupp“ Hehl auch aus Anlass seines 80. Geburtstags, den er an diesem Montag feiert, viel zu erzählen – vor allem, was seine Zeit bei der Trierer Eintracht angeht. Dort heuerte er 1964 als 22-Jähriger an und hatte großen Anteil an erfolgreichen Jahren des Clubs.

„Mein Heimatverein, der FV Engers, hatte nach der Auflösung der 2. Division Südwest damals lange um den Titel der 1. Amateurliga mitgespielt. Aber am Ende reichte es nur zu Platz vier. Ich war ehrgeizig und wollte wieder höherklassig spielen“, blickt Hehl noch einmal gut 57 Jahre zurück. 1949 hatte er bereits in der Engerser Jugend seine Fußballschuhe geschnürt, zunächst aber acht Jahre hinweg als Feldspieler. „In einem Pokalspiel erhielt dann unser Stammkeeper einen Platzverweis. So bin ich ins Tor gerutscht“, verrät er schmunzelnd.  Hehl machte seine Sache als Notstopfen gut. Das Team gewann mit 3:2. Fortan war der 16-Jährige bei den Grün-Weißen vom Wasserturm als Nummer eins gesetzt.

Seine Qualitäten blieben auch höherklassigen Clubs nicht lange verborgen. Unter anderem auch, weil Hehl in zahlreichen Auswahleinsätzen immer mehr in den Fokus rückte. So wie im August 1963, als Bundestrainer Sepp Herberger das 2:2 der Rheinlandauswahl gegen die deutsche Olympiaauswahl sah und Hehl mit starken Paraden das Remis rettete.

Im Sommer 1964 nahm Eintracht Trier Kontakt zu ihm auf, „und sie haben alles darangesetzt, dass ich wechseln sollte. Zwar zeigte auch die TuS Interesse, aber letztendlich war ich Neuendorf wohl zu teuer“, erzählt Hehl mit einem Augenzwinkern. „Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Gelegenheit, um zum regelmäßigen Training ans Oberwerth zu kommen. Dem Verein waren die Kosten für den Führerschein und ein kleiner Zuschuss für ein Fahrzeug vielleicht zu viel für ein Talent. Trier bemühte sich dagegen intensiv.“ Große Summen seien auch beim SVE nicht zu verdienen gewesen, aber Hehl erhielt bei der Stadt einen Job als Verwaltungsangestellter und hatte die Gelegenheit, regelmäßig in der zweithöchsten Liga zu spielen.

Er setzte sich gleich durch, war bei der Eintracht gesetzt und stand in seiner ersten Saison an der Mosel als einziger Akteur in allen Begegnungen auf dem Platz. Es war eine Spielzeit, in der die Eintracht fast in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga gelandet wäre. „Ganze zwei Punkte fehlten uns zum Wunder vom Moselstadion“, berichtet Hehl noch heute stolz – und nennt Details: „Wir blieben in den letzten sechs Saisonspielen ungeschlagen. Trainer war Janos Gerdov, der vor seinem Engagement bei der Eintracht noch in England bei Coventry City unter Vertrag gestanden hatte.“

Bei den Heimspielen waren fünfstellige Zuschauerzahlen die Regel. 16.000 gegen Worms, 15.000 gegen Saarbrücken oder 10.000 Fans im Duell mit gegen Neuendorf feierten die Treffer von Peter Scholtes oder Anton Rudinski. Doch Worms hatte den längeren Atem. Hehl war Leistungsträger, Mannschaftskapitän und somit Symbol einer erfolgreichen Ära der Eintracht. Dabei machte ihm eine schwere Augenverletzung zu schaffen, die er sich im September 1965 zugezogen hatte. „Beim 3:3 gegen den TSC Zweibrücken prallte ich mit Manfred Heck zusammen. Heck musste mit einem Beinbruch vom Platz und ich hatte neben einer Gehirnerschütterung eine Sehnenverletzung und eine Sehnerv-Quetschung davongetragen. Für mich bedeutete dies – obwohl ich noch im folgenden Spiel gegen den späteren Meister Pirmasens (1:1) mitwirkte – insgesamt zwei Monate Pause.“ Hehl kehrte zurück, fortan mit Brille, was aber seinen beständigen Leistungen keinen Abbruch tat. Insgesamt blieb der Schlussmann acht Jahre bei der Eintracht und stellte mit 178 Regionalligaeinsätzen einen Vereinsrekord auf. Unvergessen ist für ihn auch ein Aufenthalt mit der Eintracht 1966 im englischen Plymouth: „Zwei starke Auftritte veranlassten die britische Presse dazu, mich sogar mit Torwartlegende Bert Trautmann zu vergleichen.“

 Josef Hehl
Josef Hehl Foto: Tom Hardt

1972 verließ er Trier, um zur TuS Neuendorf, die Anfang der 80er Jahre in TuS Koblenz umbenannt wurde, zu wechseln. „Heimweh als Grund wäre übertrieben, aber ich wollte wieder näher bei meiner Mutter leben, die ich auch unterstützte. Bei der TuS hatte ich mit Werner Adam, dem Sohn des früheren Nationalspielers Karl Adam, einen starken Konkurrenten“. Es war ein Konkurrenzkampf, der in einer Freundschaft endete, die immer noch Bestand hat. Adam und Hehl treffen sich heute noch oft und erzählen von alten Zeiten. Sportlich endete Hehls Zeit am Oberwerth 1974. Hehl ging als Spielertrainer zum TV Mülhofen, dem er zu zwei Aufstiegen verhalf. Der FV Engers, die SG Feldkirchen/Irlich und der TuS Arenberg folgten, ehe er nochmals in den Bendorfer Stadtteil Mülhofen zurückkehrte, wo er verschiedene Funktionen ausübte und noch heute lebt.

Noch heute ist Hehl oft bei seinen ehemaligen Clubs zu Gast und besucht ihre Spiele. „Aber wann immer sich die Gelegenheit bietet, bin ich vor allem bei den Partien der Eintracht. So sind die Wochenenden, an denen das Team hier in der Region antritt, immer Höhepunkte für mich“, freut sich der Jubilar über die Auftritte seiner Eintracht im Rheintal. Auch im Moselstadion ist er regelmäßig zu sehen. „Meistens, wenn Engers dort antritt, nutze ich die Gelegenheit, um mich mal wieder in meiner alten Heimat sehen zu lassen.“  Hier trifft er sich mit seinen ehemaligen Kameraden. Dazu gehören vor allem Horst Brand, Günter Geulich, aber auch Harald Kohr, mit dessen Vater Siegfried er einst zusammenspielte.

Die Kameradschaft ist Hehl sehr wichtig – damals wie heute: „Sie war das, was uns in unserer aktiven Zeit stark gemacht hat und später leider oft verloren gegangen ist.“ Wenn der „Jupp“ seine alten Kumpels trifft, geht es natürlich auch um die erfolgreichen Zeiten der Eintracht in der Regionalliga. Diese ist zwar nicht mehr zweitklassig wie damals, sondern bildet aktuell die vierthöchste Ebene im Spielklassensystem des DFB. Egal. Regionalligafußball würde Hehl gerne noch einmal im Moselstadion erleben. Damit das ab Sommer wieder möglich ist, hat die Eintracht im bisherigen Saisonverlauf schon einiges auf den Weg gebracht.