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Eintracht Trier: Keine Zuschauer sind keine Option

Fußball-Oberliga : Eintracht Trier: Keine Zuschauer sind keine Option

Wie sieht’s angesichts der Corona-Krise finanziell bei Fußball-Oberligist Eintracht Trier aus – und wie geht’s weiter? Nach einer TV-Anfrage veröffentlicht der Verein einen Beitrag mit „Infos zur aktuellen Lage“.

Die Aussage von Milad Salem, Ex-Spieler von Eintracht Trier, dass mit ihm coronabedingt über eine Gehaltskürzung verhandelt worden sei, ließ aufhorchen. Der Verein äußerte sich nicht dazu. Wurden Gehaltsverzichtsgespräche auch mit anderen Spielern und Mitgliedern des Trainerteams geführt? Und wie stellt sich aktuell grundsätzlich die finanzielle Lage von Eintracht Trier dar angesichts der abgebrochenen Vorsaison in der Oberliga und Unwägbarkeiten mit Blick auf die neue Spielzeit?

Ende April hatte der TV einen großen Überblick zum Stand der Dinge veröffentlicht. Wie sieht es nun rund drei Monate später aus? Der TV hat dazu der Eintracht am Donnerstag vergangener Woche einen Fragenkatalog zukommen lassen – zu Salem, Mindereinnahmen in der abgelaufenen Saison, Kompensationen dieser Mindereinnahmen, zur aktuellen Etat-Planung sowie zu Auswirkungen mehrerer Zuschauer-Szenarien.

Geschäftsstellenleiter Björn Berens teilte am Freitag mit, dass es die Antworten „voraussichtlich nach dem Wochenende“ geben werde. Am Sonntag veröffentlichte der Verein dann auf seiner Homepage einen Beitrag unter der Überschrift „Infos zur aktuellen Lage“. Grund seien „viele Nachfragen in den letzten Tagen“ gewesen. Das Interessante: Inhaltlich orientiert sich der Text eins zu eins am TV-Fragenkatalog, ohne Kenntlichmachung dieses Hintergrunds. Und unserer Zeitung wurden die Antworten erst im Nachhinein übermittelt.

Unterm Strich hat der TV den Anstoß für eine detaillierte Darstellung des Ist-Zustandes gegeben. Weil in der Vorsaison sieben Heimspiele nicht mehr ausgetragen werden konnten, belaufen sich die Mindereinnahmen aus Ticketing und Catering laut SVE „sicher im mittleren fünfstelligen“ Euro-Bereich. Weiter heißt es: „Im Erfolgsfall wären die Einnahmen in diesem Bereich möglicherweise sogar nahe an eine sechsstellige Summe herangekommen. Auch – nicht eingeplante, aber mögliche – Erfolgsprämien von Sponsoren wurden nicht ausgezahlt. Glücklicherweise haben wir große Unterstützung von Sponsoren und Dauerkarteninhabern erhalten, wodurch nur wenige Rückforderungen unsere finanzielle Situation zusätzlich belastet haben.“

Ein Großteil der ausgefallenen Einnahmen konnte voll kompensiert werden – durch eine Zuwendung im Rahmen des Programms „Trier hilft sofort“ (15 000 Euro), durch die Spendenaktion „HerzenFüllen“ (23 000 Euro), durch eine virtuelle Fan-Auswärtsfahrt (7000 Euro), durch zusätzliche Zahlungen von Sponsoren sowie durch wegfallende Prämienzahlungen und Fahrtkosten.

„Ebenso konnten durch das Kurzarbeitergeld alle Spieler und Trainer ihr volles Grundgehalt erhalten“, teilt die Eintracht mit. Die Folge: „Das Geschäftsjahr wurde entsprechend ohne finanzielle Schwierigkeiten abgeschlossen.“

Wesentlich komplizierter und nach wie vor sehr unsicher gestalte sich dagegen die Finanzplanung für die kommende Spielzeit. „Dennoch sind wir hier mit dem bisherigen Stand zufrieden“, heißt es seitens des SVE. Da viele Spieler einen fortlaufenden Vertrag hätten, werde sich der Etat für die erste Mannschaft in einem ähnlichen Bereich bewegen wie in der vergangenen Spielzeit. „Der Spieleretat (Trainer und Spieler erste Mannschaft) bewegt sich derzeit in einem Bereich von 600 000 bis 650 000 Euro, inklusive Zahlungen an die Berufsgenossenschaft“, sagt die Eintracht.

Unklar ist, ob - und wenn ja - wie viele Zuschauer in der neuen Saison, die Anfang September starten soll, zugelassen werden. „Vor keinen Zuschauern zu spielen, ist eigentlich für jeden Oberligaverein undenkbar und finanziell kaum zu stemmen. Eine Teilauslastung würde unsere Einnahmen, vor allem im Erfolgsfall, zwar extrem mindern, stellt uns aber vor lösbare Aufgaben“, sagt der SVE. Wie könnte so eine Teilauslastung aussehen? „Es ist davon auszugehen, dass im Stadion außer für Personen aus einem Haushalt der Mindestabstand eingehalten werden muss. Auf die 2100 Sitzplätze im Stadion ließen sich somit maximal 700 Personen verteilen“, rechnet die Eintracht vor. Für Stehplätze gebe es noch keine Projektion.

Letztlich müsse unter Vorlage eines Hygienekonzepts der Austausch mit den zuständigen Behörden gesucht werden, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten. Die Eintracht sagt: „Daran arbeiten wir derzeit intensiv … Erst dann kann auch ein Dauerkartenverkauf starten, den wir schon vorbereitet haben.“

Bleibt die Frage, ob der SVE Salems Aussagen zum Thema Gehaltsverzicht bestätigt – und ob mit weiteren Spielern und Mitgliedern des Trainerteams Gespräche über einen Gehaltsverzicht geführt wurden. „Zu Gehältern unserer Mitarbeiter oder Spieler werden wir uns in der Öffentlichkeit selbstverständlich nicht äußern.“ Damit lässt die Eintracht Raum für Spekulationen.