Fußball-Regionalliga Südwest : Nach Triers letzter 0:5-Heimpleite musste der Trainer gehen – und nun? (Fotos/Video)

Welch ein Kontrast: Heimspiele gegen Teams aus Stuttgart bilden für Eintracht Trier im Jahr 2022 den Rahmen für den größten Triumph und die größte Demütigung in der jüngeren Vereinsgeschichte. Was passiert nun nach dem 0:5 zu Hause gegen den VfB Stuttgart II?

Fußball ist ein Tagesgeschäft – Eintracht Trier erlebt das derzeit auf ganz heftige Weise.

14. Juni 2022: In einem emotionalen Showdown sichert sich die Eintracht in der Aufstiegsrelegation gegen die Stuttgarter Kickers vor 8300 Zuschauern im ausverkauften Moselstadion mit einem 1:1 den lange ersehnten Aufstieg in die Fußball-Regionalliga. Nach fünf Jahren ist Trier zurück in der vierthöchsten Spielklasse. Die Party im Stadion und in den Straßen rundherum dauert bis tief in die Nacht.

3. Dezember 2022: Gegen den VfB Stuttgart II ist in der Mannschaft von der einstigen Wucht, Euphorie und Widerstandsfähigkeit nichts zu spüren. Die Eintracht geht am Stock – personell, mental, körperlich. Den Schwaben haben die Moselaner nichts entgegenzusetzen – sie gehen mit 0:5 unter und sind nun schon seit zehn Spielen sieglos. Schon vor dem Abpfiff verlassen einige der 2244 Zuschauer das Moselstadion.

Keine Ordnung, keine (erkennbare) Strategie, keine Wehrhaftigkeit im Kollektiv, dazu krasse individuelle Fehler – all das führt zur höchsten Heimniederlage seit mehr als 14 Jahren.

Auch am 30. August 2008 hatte es zu Hause ein 0:5 gegeben, am dritten Spieltag in der Regionalliga West gegen den BV Cloppenburg. Damals musste Trainer Werner Weiss seinen Hut nehmen, für ihn übernahm Mario Basler.

Eintracht-Vorstand hält weiterhin an Coach Josef Cinar fest

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Stimmen zum Spiel: Eintracht-Trainer spricht Klartext

Und nun? Der Eintracht-Vorstand hält weiterhin an Coach Josef Cinar fest. Die Überzeugung mag durchaus Risse bekommen haben – doch die scheinen aus Sicht der Clubführung bei entsprechender Umsetzung von Maßnahmen zu kitten zu sein. Der Trainer selbst, für den die Regionalliga als Übungsleiter Neuland ist, zeigt sich frustriert wie selten, doch er macht nicht den Eindruck, dass er selbst hinschmeißen könnte.

Seine schonungslose Beurteilung nach der Pleite gegen den VfB II: „Wir waren nicht in der Lage, Stuttgart Paroli zu bieten. Wir waren in fast allen Bereichen unterlegen. Wir hatten keinen Zugriff, keine guten Zweikampfgewinne und haben den Gegner bei mehreren Toren eingeladen. Wir sind in einer ganz schwierigen Situation. Für mich als Trainer ist es mit die schwierigste Situation, seitdem ich hier beschäftigt bin.“

Unabhängig von der aktuell durchaus langen Ausfallliste (Garnier-Brüder, Roth, Boesen, Thayaparan, Wimmer) und der Tatsache, dass die Spieler nach einem anstrengenden Jahr ausgelaugt sind, lautet die Kernfrage: Könnte ein neuer Trainer mehr aus dem Kader herausholen, der auf mehreren Positionen nicht über viel Regionalliga-Erfahrung verfügt und gerade in der Offensive schmal aufgestellt ist? Und wird Cinar zugetraut, die Mannschaft auf die Herausforderungen und Erfordernisse richtig auszurichten? Mit dem Schwenk auf einer Dreier-Kette in der Abwehr vor dem Homburg-Spiel (1:1) ist ihm das zwischenzeitlich gelungen. Die beiden jüngsten Partien in Walldorf (1:2) und jetzt gegen Stuttgart II waren teamtaktisch gesehen aus SVE-Sicht dagegen ernüchternd.

Wie auch immer: Ohne qualitativ hochwertige Winter-Neuzugänge und dem Drehen an Stellschrauben im Trainingsbetrieb wird das Team nur schwer im Abstiegskampf bestehen können.

Der Abstiegskampf wird für Eintracht Trier schwer ohne Neuzugänge

Gegen Stuttgart zeichnete sich früh ab, dass Trier Probleme bekommen wird. Mattis Hoppe mit einem satten Rechtsschuss ins Kreuzeck eröffnete den Torreigen (15.). Bei den vier weiteren Gegentreffern stand der SVE höflich Pate. Das 0:2 – just in einer kurzen Drangphase des SVE – resultierte aus einem Eigentor von Ömer Yavuz, der damit ein tragisches Startelf-Debüt in der Regionalliga feierte. Ausgangspunkt war ein Ballverlust von Jason Kaluanga im Mittelfeld (58.). Sieben Minuten später die endgültige Entscheidung: Simon Maurer spielte im Aufbau einen Fehlpass – und dann machte es Stuttgart wieder schnell. Noah Ganaus erzielte mit feinem Gefühl im Fuß das 3:0 (65.). Und es wurde noch gnadenloser: Nach einer eigenen Ecke fehlte beim SVE die Absicherung. Babis Drakas belohnte sich nach einem Solo-Sprint mit dem Ball am Fuß über den gesamten Platz mit dem 4:0 (75.) – Kaluanga kam nicht hinterher. Quasi mit dem Schlusspfiff legte Drakas noch das 5:0 nach – vorausgegangen war erneut ein Fehlpass von Maurer (90.). Trier hatte bei einem Pfostenschuss von Michael Omosan­ya Pech (88.).Die Eintracht quält sich Richtung Winterpause, ist aber noch nicht erlöst. Am kommenden Samstag muss der SVE beim Tabellenführer SSV Ulm antreten.