Eintracht Trier: Wie es nach der Pokal-Pleite jetzt weitergeht

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball : Eintracht Trier: Alarm auf und neben dem Platz

Die Stimmung im Umfeld des SVE kippt nach dem Aus im Rheinlandpokal. Wie geht’s jetzt weiter?

Nach etwa einer Stunde Spielzeit heulten neben dem Kunstrasenplatz in Engers plötzlich die Feuerwehrsirenen auf. Binnen kurzer Zeit war rund um die Sportanlage eine Vielzahl von Martinshörnern zu hören. Eine Wohnung in Engers war in Brand geraten.

Es war sinnbildlich: Alarm – auf und neben dem Platz. Was Eintracht Trier nämlich zeitgleich im Rheinlandpokal-Viertelfinalspiel beim FV Engers bot, war aufschreckend. Nach der 0:2-Niederlage ist beim SVE große Gefahr im Verzug.

Durch das Aus im Fußball-Rheinlandpokal – das dritte in Folge im Viertelfinale – ist eins der beiden großen Saisonziele verfehlt worden. Bitterer Beigeschmack: Damit wird’s auch nichts mit Einnahmen von rund 150 000 Euro durch eine DFB-Pokal-Qualifikation, die der notorisch klammen Eintracht-Kasse gut zu Gesicht gestanden hätten. Und mit der in Engers gezeigten Leistung wird die Eintracht auch im Kampf um den Aufstieg in die Regionalliga nichts reißen können.

„Es ist eine große Enttäuschung, gelinde gesagt. Die Pokalpartie war teilweise eine Kopie der vorangegangenen Spiele. Wir schießen zu wenige Tore und verhindern Gegentore nicht konsequent“, stellte Eintracht-Sportvorstand Horst Brand fest. In Engers kassierte Trier zwei Kopfballtore nach einem langen Freistoß (Bogenlampentreffer von Jonathan Kap) und nach einer Ecke (Sören Klappert).

„Es war ein großes Ziel von uns, den Pokal zu gewinnen. Die Chancen dieses Jahr waren relativ hoch. Wir konnten uns gegen Engers im letzten Drittel nicht entscheidend durchsetzen“, sagte Trainer Josef Cinar.

Was ist los? Und wie geht’s weiter?

Der Ist-Zustand: Binnen zwei Monaten ist die Stimmung komplett gekippt. Herrschte nach dem 3:2-Sieg im Prestigeduell mit der TuS Koblenz Mitte September noch große Aufbruch­stimmung, skandierten die mitgereisten SVE-Fans nun in Engers „Cinar raus!“ und „Wir haben die Schnauze voll!“

Trier hat in der Oberliga und im Pokal nun fünf Auswärtsspiele in Folge verloren. Engagement mag man der Mannschaft nicht absprechen, doch konzeptionell liegt einiges im Argen. Darüber dürfen auch die Erfolge zu Hause nicht hinwegtäuschen, die teilweise auch dank etwas Glück zustande kamen (etwa der 1:0-Sieg gegen Engers oder der spät herausgeschossene 4:0-Erfolg gegen Wiesbach).

Eine Spielidee ist zuletzt nicht zu erkennen. Stattdessen gibt’s viele lange Bälle oder das Abgeben von Verantwortung an Milad Salem, der aber in einem Leistungstief steckt. Und nicht nur er: Jan Brandscheid, Edis Sinanovic, Kevin Heinz, mit Abstrichen Simon Maurer – von den Führungsfiguren insgesamt kommt derzeit zu wenig. „Wir haben kein gutes Kombinationsspiel nach vorne“, sagt Brand. Längerfristige Ausfälle von Stützen wie Christoph Anton und Maurice Roth können nicht kompensiert werden. Neuzugang Sanoussy Balde ist noch gar nicht richtig angekommen. Überraschend auch: Ömer Kahyaoglu, der als einer der besten Kicker im Kader zählt, drängt sich augenscheinlich nicht auf. Lediglich fünf Stürmertore sprechen zudem Bände.

Hat Trier ein Sturmproblem? Ja – und es fällt nicht wirklich vom Himmel. Jan Brandscheid, der weite Teile der Vorbereitung verletzungsbedingt nicht mitmachen konnte und auch deshalb weit hinter den Erwartungen hinterherhinkt, Tim Garnier, der mehr Arbeiter denn klassischer Goalgetter ist, und der A-Jugendliche Hendrik Thul, der es auf 71 Oberliga-Minuten in dieser Saison bringt – die sportliche Führung erachtete das Trio als ausreichend, um hohen Ansprüchen zu genügen. Die Realität sieht zurzeit anders aus.

Wird die Eintracht im Winter personell reagieren? Der Bedarf wird inzwischen nicht mehr in Abrede gestellt: „Wir haben zu wenige Stürmertore, das ist richtig. Wir müssen uns Gedanken machen, ob wir uns in der Breite mit einem weiteren Stürmer aufstellen – einem mit Erfahrung und Torgefährlichkeit. Das sind berechtigte Gedanken“, sagte Cinar. Auch Sportvorstand Brand sieht eine Notwendigkeit im Sturm – aber auch im defensiven Mittelfeld: „Bis zur Winterpause haben wir noch zwei wichtige Spiele gegen Ludwigshafen und bei den Sportfreunden Eisbachtal, die wir gewinnen müssen. Danach müssen wir uns zusammensetzen und überlegen: Was machen wir? Versuchen wir, jemanden zu bekommen? Wir tun uns dabei angesichts unserer wirtschaftlichen Situation schwer. Und wir bräuchten Spieler, die uns auch über diese Saison hinaus weiterhelfen. Sonst machen Wintereinkäufe aus meiner Sicht nicht sehr viel Sinn.“

Ist durch den frühzeitigen Pokal-K.o. die Position des Trainers geschwächt? Sportvorstand Brand eröffnet keine Trainerdiskussion. „Mich haben die Cinar-raus-Rufe überrascht. Ich bin nicht der Meinung, dass es an Jupp liegt. Aber natürlich stehen wir jetzt alle in der Pflicht. Der Trainer, aber auch ich, die Co-Trainer und die Mannschaft.“ Cinar nimmt die Unmutsäußerungen zumindest nach außen hin gefasst auf: „Ich übernehme die Verantwortung für die Leistung der Mannschaft. Mich enttäuscht die Niederlage im Pokal genauso. Die Jungs geben alle Gas, sie zerreißen sich. Aber an der Durchschlagskraft auswärts müssen wir arbeiten. Mit allem anderen kann ich leben.“

FV Engers: Djordjevic – Fiege, Haubrich, L. Klappert, Horz – Stieffenhofer (63. Hermann), Splettstößer, Finkenbusch, Schlesiger (85. Gregatti) – Kap, S. Klappert (90./+1 Kremer)

Eintracht Trier: Bitzer –Brodersen, Maurer, Kling, Kaluanga – Sinanovic (63. Heinz), Balde (76. Amberg), Thayaparan, Salem – Kinscher (69. Garnier) – Brandscheid

Tore: 1:0 Kap (58.), 2:0 L. Klappert (73.)

Schiedsrichter: Ingo Kreutz, Gelb-Rot: Haubrich (78.), Rot: Amberg (85., grobes Foulspiel)

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