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Eintracht Trier: Wiedersehen nach 130 Tagen - UPDATE: Salem geht

Fußball-Oberliga : Eintracht Trier: Wiedersehen nach 130 Tagen - UPDATE: Salem geht

Knapp 19 Wochen Zwangspause sind vorbei: Fußball-Oberligist Eintracht Trier legt am heutigen Montagabend um 18 Uhr wieder mit dem Mannschaftstraining los. Der TV beantwortet wichtige Fragen zum Start der Vorbereitung.

Nach langer Zwangspause startet Fußball-Oberligist Eintracht Trier am heutigen Montagabend (18 Uhr, Moselstadion-Gelände) in eine Saisonvorbereitung, in der längst nicht alles so laufen wird wie gewöhnlich.

Welche Hygienemaßnahmen müssen wegen geltender Corona-Bekämpfungs-Bestimmungen befolgt werden?

Die Eintracht hat nach den Vorlagen und Vorgaben des Fußballverbands Rheinland und des Südwestdeutschen Fußballverbands ein detailliertes, elfseitiges Hygienekonzept erstellt.  Laut Eintracht-Geschäftsstellenleiter Björn Berens, der zusammen mit Andreas Schäfer (Sportlicher Leiter der SVE-Jugend) als Hygienebeauftragter firmiert, habe die Ausarbeitung mehrere Tage Arbeit in Anspruch genommen.

Wichtige Punkte: Da die Kabinen und Duschen auf dem Moselstadiongelände noch gesperrt sind, werden die Spieler in Trainingsklamotten ohne Umschweife zu den Übungseinheiten kommen. Vor und nach den Einheiten haben sich die Spieler die Hände zu desinfizieren. Entsprechende Mittel wurden besorgt. Bei Besprechungen auf dem Rasen müssen die Spieler und Trainer eineinhalb Meter Abstand einhalten. Jeder Spieler soll mit dessen Rückennummern beschriftete Trinkflaschen bekommen. Trainingsmaterial wie Bälle, Stangen, Leibchen oder Hütchen müssen desinfiziert werden. Nach den Einheiten bekommen die Akteure einen frischen Satz Trainingskleidung für den nächsten Tag mit nach Hause. Laut Eintracht-Trainer Josef Cinar wird darüber nachgedacht, eine Bank für physiotherapeutische Behandlungen mit auf den Trainingsplatz zu nehmen.

Sind Fans als Trainingskiebitze erlaubt?

Innerhalb der Umzäunung des Kunstrasenplatzes und des Rasen-Nebenplatzes sind bei den Trainingseinheiten laut Hygienekonzept keine Zuschauer erlaubt. Fans können die Einheiten aber von den Bereichen hinter den Zäunen, die frei zugänglich sind, verfolgen.

Können die Testspiele gegen die luxemburgischen Teams stattfinden?

Das deutsche Robert-Koch-Institut hat das Großherzogtum vor mehreren Tagen nach einigen Neuinfektionen als Corona-Risikogebiet eingestuft. Im bislang festgezurrten Sommerfahrplan der Eintracht sind vier Testspiele gegen luxemburgische Teams vorgesehen – in Canach, Strassen und Mondorf sowie gegen Racing Luxemburg (Ort noch offen).

„Stand jetzt können die Partien ausgetragen werden. Wir stehen in Kontakt mit dem Verband, um da­rüber auch letzte Klarheit zu haben“, berichtet Berens. Gleichzeitig stelle sich der Club auf alle Eventualitäten ein. Berens: „Wir haben Alternativen im Blick.“ Trainer Cinar sagt: „Wir müssen damit rechnen, dass vielleicht manche Spiele nicht stattfinden können. Dann müssen wir improvisieren und kreativ sein.“

Wie läuft die Trainingssteuerung nach der langen Zwangspause?

130 Tage ist das bis dato letzte Teamtraining her – es war die Abschluss­einheit am 12. März einen Tag vor dem geplanten Oberliga-Spiel in Elversberg, das wegen Corona kurzfristig abgesagt wurde. Das vorzeitige Saisonende war damit eingeläutet. Knapp 19 Wochen also standen die Spieler nicht mehr gemeinsam auf dem Platz – in einer „normalen“ Sommerpause fahren die Spieler nach vier bis sechs Wochen die Aggregate wieder hoch. „Wichtig ist, dass die Jungs reinkommen und wieder ein Gefühl für den Ball, den Platz, die Fußballschuhe bekommen“, sagt Cinar, der davon überzeugt ist, dass läuferisch alle Spieler in den vergangenen Wochen individuell und gewissenhaft gearbeitet haben.  „Wir werden es in der ersten Vorbereitungswoche mit der gebotenen Vorsicht angehen lassen. Ich hoffe, dass die Körper der Jungs in der zweiten Woche dann bereit sind für die richtige fußball­spezifische Arbeit“, sagt der Trainer, dem bis zum geplanten Saisonstart Anfang September insgesamt sieben Wochen Vorbereitung zur Verfügung stehen. Wichtig sei, in dieser Zeit viel zu spielen – in Übungsformen, in Trainingsmatches, in Testpartien.

Wie sieht’s im Kader aus?

Überraschend hat Milad Salem kurzfristig um die Auflösung seines Vertrags gebeten - der Verein entspricht diesem Ansinnen. „Er kam am Sonntagnachmittag auf uns zu, wir haben dem Wunsch stattgegeben. Für uns ist der Fall erledigt. Wir müssen jetzt jemand anderes finden“, gibt sich SVE-Sportvorstand Horst Brand auf TV-Anfrage wortkarg. Nach TV-Infos gab es zu einem früheren Zeitpunkt schon mal ein Gespräch zwischen Salem und Brand - über die Inhalte sagt Brand nichts. Salem ist bis dato für den TV telefonisch nicht erreichbar.

„Er wird eine sportliche Herausforderung in seiner Heimat annehmen“, berichtet Cinar, der den Weggang Salems als sportlichen Verlust einstuft: „Er war ein wichtiger Spieler für mich. Er ist ein Spielertyp, der eins-zu-eins nicht zu ersetzen ist. Er ist kreativ und kann bestimmte Situationen alleine lösen. Andererseits macht es keinen Sinn, einen Spieler zu halten, der nicht hierbleiben will.“

Brand ist in der sportlichen Bilanz nicht so euphorisch: „Milad hat ein paar sehr gute und ein paar relativ schwache Spiele gemacht.“ Mit Blick auf die Suche nach einem Ersatz gibt er sich entspannt: „Mal schauen, wie sich der Markt entwickelt. Sicherlich ist es für einen Fünftligisten nicht so einfach, gute Leute zu kriegen. Aber wir halten die Augen offen. Der Transfermarkt ist bis zum 5. Oktober geöffnet. Wir haben also noch viel Zeit.“

Salem war im Sommer 2019 zur Eintracht gekommen. Der 32-jährige Offensivspieler besitzt Erfahrung aus 100 Drittliga-Spielen. Womöglich wird er in Zukunft für einen hessischen Regionalligisten auflaufen.

Dominik Kinscher wurde laut Cinar vor wenigen Tagen eine Platte entfernt – das Relikt einer Schulter-Operation im April 2019. Er werde es die ersten zwei bis vier Tage noch ruhig angehen lassen müssen. Jonas Amberg hat sich nach Auskunft des Coaches beim eigenständigen Training am Fuß verletzt. Eine Computertomografie soll eine genaue Diag­nose liefern. Cinar hofft, dass der Offensivakteur nur ein paar Tage fehlen wird. Ob Leonel Brodersen nach einem Infekt direkt wieder zu 100 Prozent zur Verfügung steht, werde sich zeigen.

Wie erwartet zählt Sanoussy Baldé nicht mehr zum Aufgebot – er schließt sich dem luxemburgischen Erstligisten Differdingen an. Jason Kaluanga, dessen Berater beim SVE einen Wechselwunsch seines Klienten hinterlegt hat (der TV berichtete), erwartet Cinar zum Trainingsauftakt: „Mal sehen, wie sich die Sache entwickelt.“ Das Eintracht-Aufgebot steht weitgehend, der Trainer hätte aber nichts dagegen, noch einen Defensivakteur und einen Offensivspieler an Land zu ziehen.

Wie groß ist die Vorfreude auf den Trainingsstart?

„Bei mir ist sie riesig, auch wenn viel organisatorische Arbeit zu leisten ist“, sagt Cinar. Auch bei Offensiv­akteur Christoph Anton kribbelt’s: „Anfangs wusste keiner, wie lange die Pause dauert. Jeder hat seitdem viel im Läuferischen gemacht Umso schöner ist es, dass wir jetzt endlich wieder zusammen auf den Platz können. Ich freue mich, die Jungs wiederzusehen und den Rasen zu riechen.“

Eintracht Trier Logo Foto: TV/Verein

Der 28-Jährige hat die Zwangspause dazu genutzt, in seinem Gesundheitsmanagement-Studium einen Bachelor-Abschluss zu machen. Zuletzt ging es dann für ein paar Tage in den Urlaub. Er fühlt sich gewappnet für den Neustart, mahnt aber jeden zu Wachsamkeit: „Die Akkus sind voll aufgeladen. Aber wir müssen nach so einer langen Pause alle ganz genau auf Signale des Körpers hören.“