Ex-Trierer Robin Koch feiert sein Debüt in der Fußball-Nationalmannschaft

Fußball : Robin Koch in der Nationalelf: Weggefährten sind aus dem Häuschen

Der 23-Jährige verblüfft in der Nationalelf. Wie beurteilen Vertraute das Blitz-Debüt? Der TV hat sich umgehört – bei seinem ,Entdecker’ bei Eintracht Trier, einem langjährigen Schul-Kumpel in Salmtal, Ex-Mitspieler Robin Garnier und natürlich Papa Harry.

Im Fußball kann alles sehr schnell gehen. Klingt wie eine Floskel, ist aber keine. Das beste Beispiel dafür liefert dieser Tage Robin Koch. Am Montag wurde der 23-jährige Abwehr-Allrounder des SC Freiburg von Bundestrainer Joachim Löw nach einer Absageflut nachnominiert, und am Mittwoch stand der Sohn von FCK-Legende Harry Koch direkt in der Startelf der Fußball-Nationalmannschaft im Testspiel gegen Argentinien (siehe Bericht unten).

Das Debüt im A-Team – es ist ein weiteres Kapitel in der rasanten Aufstiegs-Geschichte von Robin Koch. Zur Erinnerung: Gerade einmal fünf Jahre ist es her, dass er erstmals im Herren-Bereich zum Zug kam – bei Eintracht Trier, in der viertklassigen Regionalliga Südwest.

Sein ,Entdecker’: Peter Rubeck. „Seinerzeit hatten in Trier alle nur Matti Fiedler als aufstrebendes Talent auf dem Schirm. Ich habe mir dann mal die A-Jugend angeschaut. Mir war direkt klar, Robin Koch muss auch hoch in die erste Mannschaft“, erinnert sich der Ex-SVE-Coach im TV-Gespräch. Gesagt, getan. Das Problem: Zum Ende der Sommervorbereitung 2014 offenbarte Koch dem Trainer, dass er einen achttägigen Urlaub antreten werde – gebucht zu einem Zeitpunkt, an dem sein Sprung in die erste Eintracht-Mannschaft nicht absehbar war. Koch düste nach Lloret de Mar, verpasste so das DFB-Pokalspiel gegen Freiburg und musste sich über die zweite Mannschaft erst wieder anbieten.

Es ruckelte also anfangs, aber nur kurz. Koch entwickelte sich bei den Moselanern zur Stammkraft, ehe er beim 1. FC Kaiserslautern Zweitliga-Profi und beim SC Freiburg Bundesliga-Spieler wurde. Rubeck: „Er hatte schon in Trier großen Ehrgeiz und großes Talent. Und er ist total bodenständig.“ Der Ex-SVE-Coach, der heute den saarländischen Verbandsligisten SG Ballweiler betreut, ließ sich früh zur Prognose hinreißen, dass Koch Erstliga-Akteur und Nationalspieler werden würde. „Michael Weirich, unser damaliger Torwarttrainer bei der Eintracht, hat mich dieser Tage daran erinnert, dass ich das gesagt habe“, berichtet Rubeck, der Koch auch heute noch als hilfsbereiten Menschen schätzt: „Wenn ich mal eine Karte für ein Freiburg-Spiel brauche, regelt er das.“

Foto: g_sport

Mit großer Spannung wurde das Nationalelf-Debüt von Robin Koch, der zuvor fünf U-21-Länderspiele absolviert hatte, auch beim SV Dörbach (Kreis Bernkastel-Wittlich) verfolgt. „Wir haben die Partie gegen Argentinien mit einigen Leuten im Vereinsheim geschaut“, berichtet der SVD-Vorsitzende Simon Berg gestern dem TV. Er kennt Robin Koch seit 16 Jahren. Sie waren in der Grundschule sowie in der Realschule plus in Salmtal fast durchgängig Sitznachbarn – und sie kickten beim SV Dörbach zusammen bis zur D-Jugend. Als C-Jugendlicher ging Koch dann zur Eintracht.

„Es macht uns unheimlich stolz, dass er es so weit gebracht hat. Und dass,  obwohl er nicht den Weg über ein Nachwuchsleistungszentrum gegangen ist“, sagt Berg, der Koch als intelligent und clever sowie Spieler ohne Starallüren bezeichnet. „Als Kind hat er dem Fußball nicht alles untergeordnet. Aber man hat auch beim Bolzen gesehen, dass er ambitioniert war. Während wir schon gekickt haben, hat er sich erstmal gedehnt.“

Großen Anteil an Kochs bisheriger Karriere schreibt Berg dessen Eltern zu, die 2003 nach Salmtal zogen, als Vater Harry vom FCK zu Eintracht Trier gewechselt war. Harry Koch verfolgte das Länderspiel gegen Argentinien live in Dortmund – ein besonderer Ort für die Familie. „Dort habe ich mein erstes Bundesliga-Spiel bestritten – und Robin hat dort nun sein erstes Länderspiel absolviert“, sagt Papa Koch im TV-Gespräch. Er bescheinigt seinem Filius einen blitzsauberen Auftritt: „Ich bin sehr stolz auf ihn. Er hat eine Top-Leistung gebracht und so gespielt, als ob er schon immer dabei gewesen wäre.“ Das sah auch Bundestrainer Löw so: „Der Robin Koch hinten in der Abwehr war sehr stabil, war selbstbewusst, hatte eine gute Ausstrahlung. Er kam am Tag vorher zur Mannschaft und hat keine Anzeichen von Nervosität gezeigt.“

Robin Garnier, ehemaliger Mitspieler von Robin Koch bei Eintracht Trier und heute bei Alemannia Aachen aktiv, hatte beim Zuschauen Gänsehaut: „Es ist der reine Wahnsinn, wie schnell das jetzt ging. Es sah so aus, als hätte er schon 50 Länderspiele gemacht. Von Aufregung war keine Spur. Das hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte während der ganzen Übertragung ein Dauergrinsen im Gesicht. Wir haben nach seiner letzten Saison bei der Eintracht schon ,Nationalspieler Robin Koch‘ gesungen. Dass es jetzt Wirklichkeit ist, kann man fast nicht glauben.“

Foto: privat

Kann Koch sich im A-Team durchbeißen, auch wenn alle Arrivierten wieder zur Verfügung stehen? Simon Berg ist davon überzeugt, dass der Weg seines Kumpels noch nicht zu Ende ist. Auch Papa Harry ist guter Dinge: „Für Robin spricht, dass er als junger Spieler schon sehr abgeklärt und zudem flexibel in der Abwehr und im defensiven Mittelfeld einsetzbar ist.“ Robin Garnier hat sogar eine Vision: „Toni (Eintracht-Spieler Christoph Anton, d. Red.) und ich haben Robin vor Jahren spaßeshalber gesagt, dass er in Katar 2022 den Weltmeisterpokal in die Luft stemmen wird.“

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