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,Fall Völklingen‘: Eintracht Trier ruft Schiedsgericht an​

Fußball-Oberliga : ,Fall Völklingen‘: Eintracht Trier ruft Schiedsgericht an

Nachdem das Verbandsgericht in der sportjuristischen Bewertung des Rückzugs des SV Röchling Völklingen die Klage des SVE zurückgewiesen hat, entschließt sich der Club nun, die nächsthöhere Instanz anzusteuern.

Eintracht Trier zieht weiter gegen eine Entscheidung des Spielausschusses des Fußball-Regionalverbands Südwest zum tabellarischen Umgang mit dem Rückzug des SV Röchling Völklingen, die vom Verbandsgericht gestützt worden ist, zu Felde. Die Verantwortlichen des SVE akzeptieren die Argumentation nicht und rufen das Schiedsgericht an.

Der SV Röchling Völklingen, der in der Oberliga-Vorrunde in der Südgruppe gespielt hat und anschließend in die Abstiegsrunde gekommen war, hatte sein Team vor den letzten vier Spielen der Abstiegsrunde aus personellen Gründen zurückgezogen. Noch in der Vorrunde hatten die Saarländer wegen Engpässen nicht spielberechtigte A-Jugend-Spieler eingesetzt. Der Spielausschuss des FRV entschied nach dem Röchling-Rückzug, alle Partien Völklingens in der Abstiegsrunde aus der Wertung zu nehmen, aus der zuvor ausgetragenen Süd-Staffel jedoch nur diejenigen der Teilnehmer der Abstiegsrunde.

Die in der Meisterrunde vertretende Wormatia aus Worms, zuvor in der Süd-Gruppe Gegner von Völklingen, durfte demnach die sechs Punkte aus den beiden gewonnenen Vorrunden-Begegnungen gegen die Saarländer behalten.

Ein Umstand, den der SVE nicht hinnehmen will. Die Eintracht wurde zum Ende der Meisterrunde aufgrund des schlechteren Torverhältnisses Zweiter hinter den punktgleichen Wormsern. Während die Rheinhessen den Direktaufstieg feiern, muss Trier in einer Aufstiegsrelegation mit den Stuttgarter Kickers und Eintracht Stadtallendorf um den Aufstieg kämpfen.

Sauer stößt dem SVE in der Verbandsgerichtsentscheidung dabei vor allem die Definition des Begriffs „laufende Runde“ seitens des Verbands auf.

In einer Mitteilung hat die Eintracht am Mittwochnachmittag nun dezidiert ihre Argumentation zur Anrufung des Schiedsgerichts dargelegt:

  • Im Paragraph 13 (9)c der Spielordnung steht explizit, dass die Spiele von Vereinen, die sich während der „laufenden Runde“ zurückziehen, nicht gewertet werden. Diese klare Aussage der Spielordnung, der sich alle Vereine im Rahmen eines Zulassungsverfahrens vorab unterwerfen, ist unseres Erachtens nicht auslegungsfähig oder interpretierbar. Die Spiele sind daher aus der Wertung zu nehmen.
  • Die Argumentation des Verbandsgerichts, die Vorrunde in der Nord- und Süd-Staffel nun als abgeschlossene Runde anzusehen, widerspricht dem gewählten Spielmodus, in dem alle Tore und Punkte aus allen Spielen in die Meister- beziehungsweise Abstiegsrunde mitgenommen wurden. Abgeschlossen wäre eine „laufende Runde“ nur dann, wenn weder Punkte noch Tore mitgenommen würden und eine neue „laufende Runde“ gestartet würde. So aber wirkt die vom Verbandsgericht als abgeschlossen bezeichnete „laufende Runde“ der Hinrunde erheblich in die Meister- beziehungsweise Abstiegsrunde hinein. Sie kann somit keinesfalls als abgeschlossen betrachtet werden, da sie nicht für sich alleinsteht, sondern immer im Ganzen gesehen werden muss. Diese Vorgehensweise widerspricht jeder Logik und ist nicht nachvollziehbar. Bereits vor zwei Jahren, als dieser Modus aufgrund der erhöhten Mannschaftszahl eingeführt wurde, hatte Eintracht-Trier alle Vereine und den Verband auf die offensichtliche Problematik hingewiesen, dass alle Punkte mitgenommen werden, obwohl man teilweise nicht gegen dieselben Mannschaften antritt. Leider fand unser Vortrag zu diesem Zeitpunkt weder Zuspruch noch Aufmerksamkeit.
  • Dass im Mannschaftssport bei Punktgleichheit das Torverhältnis als objektivierbares Kriterium zur Entscheidung herangezogen wird, ist grundsätzlich richtig. Diese Vorgehensweise setzt jedoch voraus, dass alle Mannschaften gegen die gleichen Gegner spielen. In der Oberliga Rheinland-Pfalz/ Saar ist dies aber nicht der Fall, da in der Hinrunde in Nord- und Südgruppe gegen unterschiedliche Gegner gespielt wurde. Somit ist das Torverhältnis als entscheidendes Kriterium nicht mehr objektiv, weil nicht vergleichbar. Einzig die Heranziehung des direkten Vergleichs und auch mit Einschränkung das Heranziehen des Koeffizienten bietet eine sportlich faire Entscheidungsmöglichkeit.
  • Bereits in der Vorrunde wurden seitens des SV Röchling Völklingen Spieler ohne Spielgenehmigung für die Oberliga eingesetzt. Bei überregionalen Ligen wie der Oberliga ist es unseres Erachtens die Pflicht des Verbandes, dies zu überprüfen und den Vereinen, in dem Fall Röchling Völklingen, frühzeitig die Spielgenehmigung zu entziehen. Wäre der Verband dieser Verantwortung nachgekommen, hätte Röchling Völklingen die Hinrunde nicht zu Ende spielen dürfen und die jetzt entstandene Problematik wäre nicht zum Tragen gekommen. Der Begriff der „laufenden Runde“ müsste bei frühzeitigem Agieren des Verbandes nicht bis zur Unendlichkeit strapaziert werden.
  • An dieser Stelle müssen wir konstatieren, dass der Verband weder bei der Gestaltung einer sinnvollen Spielordnung noch bei der Überprüfung der Einhaltung derselben seinen Obliegenheiten und seiner Verantwortung gegenüber den Vereinen nachgekommen ist. Es wäre sportlich fair und korrekt, diese Fehler und Unzulänglichkeiten einzusehen und die Konsequenzen dafür zu übernehmen. Diese auf die betroffenen Vereine durch Heranziehen und die neue Definition von feststehenden Begriffen wie „laufende Runde“ zu übertragen ist für uns in dieser Form nicht hinnehmbar.