Fester Finalort im Fußball-Rheinlandpokal? Aus den Kreisen kommt Protest

Kostenpflichtiger Inhalt: Fußball-Rheinlandpokal : Fester Endspielort? - Schweigen hier, Gegenwind dort

Wie positionieren sich die Präsidiumsmitglieder und Kreisvorsitzenden im Fußballverband Rheinland in der Diskussion um einen festen Finalort für den Rheinlandpokal? Der TV hat nachgefragt – mit unterschiedlichem Erfolg.

Im Fußball-Rheinlandpokal wird’s jetzt so richtig spannend. Kommende Woche werden die Viertelfinal-Partien ausgetragen. Ziel aller Träume der verbliebenen acht Clubs ist in dieser Saison das Koblenzer Oberwerth-Stadion, in dem am 23. Mai 2020 im Rahmen des von der ARD übertragenen Finaltags der Amateure das Endspiel ausgetragen wird.

Geht es nach der hauptamtlichen Spitze des Fußballverbands Rheinland (FVR), soll das Oberwerth-Stadion künftig immer als fester Endspielort auserkoren werden. Dadurch würden frühzeitige Vermarktungsmöglichkeiten, eine verlässliche Planung für die ARD sowie notwendige Sicherheitsaspekte gewährleistet und unnötige Kosten aufgrund der Nähe zum Verbandssitz vermieden. Verbandspräsident Walter Desch befürwortet grundsätzlich das Ansinnen, er geht auch davon aus, dass eine Abstimmung im FVR-Präsidium ein klares Votum für diesen Plan bringen würde.

Ist das so? Der TV wollte es wissen und hat alle Präsidiumsmitglieder angeschrieben. Was spricht aus ihrer Sicht für oder gegen ein festes Finalstadion? Antworten hat der TV keine bekommen. Stattdessen meldete sich Frank Jellinek, beim FVR für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, an den verschiedene Präsidiumsmitglieder die TV-Anfrage weitergeleitet hatten.

Inhaltlich teilte Jellinek nichts Weiterführendes mit, er verwies auf ein Gespräch des TV mit Desch und dem FVR-Geschäftsführer Armin Bertsch im Rahmen der Auslosung der Finalrunden zum Rheinlandpokal am 24. September in Bitburg, in dem auf den „Fragenkatalog bereits detailliert eingegangen“ worden sei.

Auskunftsfreudiger als die Präsidiumsmitglieder neben Desch sind die Kreisvorsitzenden im Rheinland-Gebiet, die der TV ebenfalls um ihre Meinung zum Thema gebeten hat. Tenor: Die Festlegung eines festen Finalstadions wird nicht befürwortet – weder in Koblenz noch in Trier. Stattdessen wird ein Pool mit mehreren potenziellen Endspiel-Stadien favorisiert, wie ihn auch der TV in einem Kommentar vom 26. September ins Spiel gebracht hatte.

Klaus Robert Reuter, Vorsitzender des Fußballkreises Westerwald/Sieg, ist für diese Flexibilität und verweist auf das Jahr 2016, als der Verband zunächst Salmrohr als Endspielort festgelegt hatte, angesichts der Finalpaarung SG Niederroßbach/Emmerichenhain gegen Eintracht Trier das Finale am Ende aber in Wissen ausgetragen wurde – ein Bonbon für den A-Ligisten aus dem Westerwald.

„Der Fußballverband will ja (zumindestens in Teilen) das Stadion Oberwerth als Endspielort festlegen – aber warum? Nur weil der Fußballverband in Koblenz sitzt? Das kann doch kein Argument sein. Und das Argument, dass die Organisation dann für die Mitarbeiter der Geschäftsstelle einfacher ist, darf auch nicht maßgebend sein. Der Fußballverband ist ein Dienstleister, der sich nach den Wünschen und Bedürfnissen seiner Mitglieder (Vereine) zu richten hat. Es geht um die Vereine, die im Finale sind, und um deren Anhänger. Deshalb sollte die Festsetzung jährlich neu erfolgen mit dem Bemühen einer räumlichen Nähe zu den Orten der beiden Finalisten“, sagt Walfried Hacken, Vorsitzender des Fußballkreises Eifel. Hans-Peter Dellwing, Chef des Fußballkreises Trier-Saarburg, glaubt, dass ein fester Finalort finanzielle Nachteile bringt, wenn das Endspiel keine Paarung mit lokalem Charakter bereithält. Seine Rechnung:  In diesem Fall kämen weniger Fans, und auch die Vermarktung würde „äußerst schwierig“.

Dellwing plädiert dafür, je nach Finalpaarung aus einem Pool an Stadien auszuwählen: „Für die eventuellen ,Risikospiele’ (Kategorie 1) stünden Koblenz und Trier (im Wechsel) und für die übrigen Spiele (Kategorie 2) Salmrohr und Bad Neuenahr zur Verfügung. Hierdurch wäre einerseits die Sicherheit bei ,Risikospielen‘ gewährleistet und zum anderen auch das Umland gebührend berücksichtigt. Sollte sich im Hunsrück-Mosel-Kreis auch ein entsprechend geeignetes Stadion finden (Emmelshausen?), könnte auch dort ein Endspiel der Kategorie 2 stattfinden.“

Bleibt die Frage des zeitigen Vorlaufs für die Vermarktung und Absprachen mit der ARD, deren Notwendigkeit nicht in Abrede gestellt wird. Aus Sicht von Peter Löcher, Vorsitzender des Fußballkreises Koblenz und auch ein Gegner eines festen Endspielstadions, wäre das zu regeln: „In Anbetracht der entsprechenden Vorlaufzeit für die Organisation war ich schon im letzten Jahr dafür, dass die Halbfinalspiele vorgezogen und nicht erst nach der Winterpause ausgetragen werden und der Endspielort nach Ermittlung der Halbfinalpaarungen festgelegt wird.“

Ein ähnliches Prozedere favorisiert Oliver Stephan, Vorsitzender des Fußballkreises Rhein-Lahn: „Die Vermarktung ist sicherlich nicht von heute auf morgen gemacht. Nach den Viertelfinalspielen im November sollte aus einem ,Stadionpool‘ der Endspielort festgelegt werden.“

Westerwald/Sieg-Chef Reuter spricht sich für Pragmatismus in dieser Frage aus: „Eine Vermarktung ist natürlich einfacher, wenn vorab alles bekannt ist. Aber wir verkaufen ein Produkt Pokal und nicht ein Stadion.“

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