Flag Football: Mit den Trierer Bibern kann man Flaggen stehlen

TV-Serie Spochtipedia : Flag Football: Mit den Trierer Bibern kann man Flaggen stehlen (mit Video)

American Football ist vielen ein Begriff. Aber was hat es mit der Variante Flag Football auf sich? Der TV hat sich an der Uni Trier schlaugemacht.

Mit seinem meist braunen Fell, putzigen Gesicht und seinen kleinen Vorderpfoten ist der Biber ein possierliches Tier. In Trier gibt’s einen  Artgenossen, der aber anders daherkommt. Mit provokanter  Miene, heraushängender Zunge und Angriffslust in den Krallen. Dieser Mosel-Biber ist das Maskottchen der Flag-Football-Mannschaft an der Uni Trier.

„Jedes Team braucht ein Maskottchen. Viele haben einen Tiger oder einen Drachen. Uns ist zunächst nichts eingefallen. Dann wurde der Biber aus Spaß als Idee geboren. Wir wollen mit ihm Eindruck machen und den Gegner einschüchtern“, sagt Justus Steffe, Erfinder des Trierer Biber-Logos.

Im Oktober 2016 wurde Flag Football im Hochschulsport der Uni Trier erstmals als Kurs angeboten. Seit April 2018 existiert ein festes Team, das an Turnieren teilnimmt. Trainiert wird die heute rund 35-köpfige Gruppe mit Spielern im Alter zwischen 19 und 36 Jahren von Paul Galle. Er hat früher in Dresden und zuletzt bei den Trier Stampers American Football gespielt.

Flag Football: Zu Besuch bei den Trier Bibern

American Football, Flag Football – wo sind da überhaupt die Unterschiede? „Der größte Unterschied zum American Football liegt in der weitgehenden Kontaktlosigkeit des Flag Footballs. Man darf den Gegner nicht physisch attackieren, also nicht tackeln, nicht umreißen. Man darf Akteure, die im Ballbesitz sind, nur durch das Ziehen von kleinen Flaggen stoppen. Daher der Name Flag Football“, erläutert Vincent Muljadi, 23-jähriger Wirtschaftsinformatik-Student aus Irsch und zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit bei den Trier Bibern.

Beim Flag Football trägt jeder Spieler einen Gürtel, an dem auf jeder Seite der Taille eine Flagge angebracht ist. Sie können aus einer Verankerung gezogen werden.

Jeder Spieler trägt einen Gürtel um die Taille, an dem zwei Flaggen befestigt sind, die aus einer Halterung gezogen werden können. Foto: Hans Krämer. Foto: TV/Hans Krämer

Das Ziel des Spiels ist aber dasselbe wie beim American Football. „Man will als Team Punkte machen. Dazu müssen Touchdowns erzielt werden. Das heißt, man muss den Ball in die Endzone tragen oder werfen. Ein Touchdown bringt sechs Punkte“, sagt Muljadi. Auch das Spielgerät, der Football, ist identisch.

Die Trierer spielen die sogenannte „5on5“-Variante. Fünfer-Teams stehen sich auf einem Feld, das so groß ist wie Hälfte eines Fußball-Platzes, gegenüber. Das eine Team ist im Angriff, das andere in der Verteidigung. Wird dem ballführenden Spieler vom Gegner eine Flagge abgerissen, wird das Spiel an der Stelle gestoppt. Gelingt es der angreifenden Mannschaft (,Offense’), nach maximal vier Spielzügen die Mittellinie zu überqueren, erhält sie vier weitere Versuche, um durch Raumgewinn einen Touchdown zu erzielen. Verhindert die verteidigende Mannschaft (,Defense’) dies, erhält sie das Angriffsrecht.

Der Ball ist derselbe wie beim American Football. In Trier gibt es an der Uni eine Flag-Football-Mannschaft, die sich den Namen „Trier Biber“ gegeben hat. Foto: TV/Hans Krämer

Da es körperloser zugeht, braucht es keine besondere Schutzausrüstung. Die Spieler tragen normale Trikots und Sportschuhe. Handschuhe sind wichtig, um beim Fangen den nötigen Grip zu haben. Der Quarterback, sozusagen der Kapitän eines Angriffs, trägt zudem einen sogenannten Wrist-Coach. Diese Art Schweißband wird um den Unterarm gezogen und enthält unter einem Sichtfenster einen Zettel mit den verschiedenen Spielzügen.

„Die Taktik ist auch beim Flag Football sehr wichtig, wenn auch wegen der geringeren Anzahl an Spielern pro Team nicht so komplex wie beim American Football“, sagt Muljadi, der die körperlosere Variante als temporeicher erachtet. Dafür sorge unter anderem eine Regel: Der Quarterback muss binnen sieben Sekunden den Ball werfen oder weitergeben, nachdem er ihn vom sogenannten Center, dem Zentrumsspieler, erhalten hat.

Auch aus Sicht von Trainer Galle – 22 Jahre alt und Lehramtsstudent (Geschichte und Deutsch) – ist im Flag Football mehr Dynamik im Spiel: „Beim American Football geht es hauptsächlich um Lauf-Spielzüge. Beim Flag Football wird eher auf das Passspiel gesetzt als auf das Laufspiel. Die Variante ist eine Spur schneller, aufgrund der Passsituationen.“

Zwölf bis 15 Spielzüge haben die Trier Biber einstudiert, rechnet Muljadi hoch. Die Trier Biber treten als gemischtes Team mit männlichen und weiblichen Spielern an. Derzeit läuft die Turniersaison. Eine Teilnahme am Ligenbetrieb gestaltet sich laut Muljadi wegen hoher Lizenzgebühren als schwierig. Bei allem Spaß: Auch der Ehrgeiz kommt nicht zu kurz. Muljadi: „Jeder will in der Startformation stehen.“

Wie im American Football gibt es verschiedene Positionen, die verschiedene körperliche Voraussetzungen erfordern (mehr dazu im Überblick unten auf dieser Seite). „Deshalb ist Flag Football auch ein Sport für jeden, der sich gerne bewegt“, sagt Muljadi. Dem pflichtet Coach Galle bei: „Egal ob groß, klein, dünn oder dick – bei uns darf jeder mitspielen.“

Tom Schöneberger, 24-jähriger Lehramts-

Student (Deutsch und Philosophie), kam – wie er sagt  – durch „puren Zufall“ zum Flag Football: „Das Gute ist, dass die Verletzungsgefahr sehr gering ist. Wenn man kleinere Probleme hat, mit denen man keinen extrem harten Sport betreiben kann, ist man beim Flag Football gut aufgehoben.“

Jüngst nahmen die Biber aus Trier beim Big Bowl in Walldorf, einem der größten Flag-Football-Turniere in Europa, teil. Die Bilanz: zwei Siege, fünf Niederlagen.

Am 3. Oktober wollen die Trier Biber ihr erstes eigenes Turnier ausrichten, nachdem die Moselstadt im Jahr zuvor Gastgeber der deutschen Meisterschaft des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbands war. Die Biber von der Mosel sind zwar angriffslustig, aber gastfreundlich.

Wer Lust auf Flag Football hat, kann beim Training der Trier Biber vorbeischauen: Donnerstag, 21 - 22.30 Uhr, Kunstrasenplatz Am Trimmelter Hof; Freitag, 14 - 16 Uhr, kleiner Kunstrasenplatz vor der Unihalle