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Fußball: Geisterspiel Bingen gegen Eintracht Trier – ist das erlaubt?

Fußball-Oberliga : Trierer Geisterspiel in Bingen – ist das erlaubt?

Die Rheinhessen haben verfügt, dass im Spiel gegen die Eintracht keine Zuschauer zugelassen sind. Der Verband prüft, ob dieses Vorgehen gegen die Spielordnung verstößt.

Es gab dieser Tage Gerüchte, doch erst seit Donnerstagabend steht fest: Zum Spiel in der Fußball-Oberliga zwischen Hassia Bingen und Eintracht Trier an diesem Samstag (15.30 Uhr) sind keine Zuschauer zugelassen. Keine Gästefans, aber auch keine Heim-Fans.

Warum? Die kryptische Vereinsmitteilung gibt keinen richtigen Aufschluss. In der Rhein-Zeitung verweist der Hassia-Vorsitzende Oliver Wimmers auf Vorfälle in der Vergangenheit bei Heimspielen gegen Trier und TuS Koblenz: „Dabei ist es zu Sachbeschädigungen und Körperverletzungen gekommen.“ Aufgrund dieser Vorgeschichte und von Auflagen wie die Abtrennung von Bereichen sehe sich der Verein nicht in der Lage, die Sicherheit der Zuschauer zu garantieren.

In Kommentaren auf der facebook-Seite des Vereins erntet die Hassia für diese Entscheidung Hohn und Spott. Ralf Weiser, Vertreter der Vereine im Spielausschuss und Sicherheitsbeauftragter des Fußball-Regionalverbands Südwest, ist im TV-Gespräch ob des Vorgehens der Hassia „irritiert“. Zumal die Partie gegen Trier weder Rot- noch Gelb-Status habe – also ganz normal über die Bühne gehen könne.

Weiser kritisiert den Zuschauerausschluss auch mit Blick auf die Corona-Krise: „Wir sind froh, dass wieder weitgehend unbegrenzt Fans zu den Spielen dürfen. Da tut so ein Geisterspiel weh.“ Er befürchtet zudem Nachahmer: „Es könnte auch andere Vereine geben, die sagen, dass sie sich die Kosten für einen zusätzlichen Organisationsaufwand sparen und auch auf Zuschauer verzichten. Das kann aber nicht das Ziel sein.“

Laut Weiser wird derzeit im Regionalverband geprüft, ob der verfügte Zuschauerausschluss rechtens ist: „Wir schauen, ob das gegen die Spiel­ordnung verstößt. Ich kann nicht abschätzen, ob das Ganze eventuell ein Fall für die Spruchkammer werden könnte.“

Eintracht-Trainer Josef Cinar schüttelt angesichts der Nachrichten aus Bingen verständnislos den Kopf. Die Spiel-Vorbereitung seiner Mannschaft werde die entbrannte Debatte aber nicht tangieren.

Nach dem 4:0-Sieg in Engers am Mittwoch stand Regeneration auf dem Programm. Dabei nutzte der SVE unter anderem die Kältekammer in der Praxis des Trierer Orthopäden Hamid Hesso, in der die Spieler für drei Minuten einer Temperatur von minus 110 Grad Celsius ausgesetzt wurden.

Dass Bingen derzeit mit zwölf Punkten nur auf Rang acht liegt, entspricht aus Sicht von Cinar nicht der im Kader vorhandenen Qualität, für die etwa die Ex-Zweitliga-Spieler Patrick Haag und Pierre Merkel stehen. „Sie haben noch nicht als Team zusammengefunden“, sagt Cinar. Gut für Trier: Auch die Hassia war unter der Woche gefordert und hat Kräfte gelassen. Im Verbandspokal Südwest bezwang Bingen Waldalgesheim mit 6:5 nach Elfmeterschießen.

Und auf Fans dürfte der SVE am Ende wohl auch nicht verzichten müssen. Der Supporters Club Trier 2001 organisiert trotz des Zuschauerausschlusses eine Busfahrt. Das Stadion am Hessenhaus ist auch von außen gut einsehbar.