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Fußball-Golf in Riol: Wo Konditionswunder keinen Vorteil haben

Putten mit der Pille: Beim Fußballgolf ist das Einlochen mindestens so schwierig wie beim normalen Golf.
Putten mit der Pille: Beim Fußballgolf ist das Einlochen mindestens so schwierig wie beim normalen Golf. FOTO: Uwe Anspach / picture alliance / dpa-tmn
Riol. Fußballgolf: Am Moselufer bei Riol sind Zielsicherheit und Konzentration beim Kick über Brücken oder durch Ringe und Netze gefragt. Von Andreas Arens
Andreas Arens

Kreissport-Mitarbeiter beim Trierischen Volksfreund

„Es kribbelt wieder.“ Paul Linz will es nach all` den langen Monaten des Wartens nochmal wissen – als Trainer allerdings nicht mehr auf Teufel komm’  raus („Die Aufgabe müsste schon passen und etwas Nachhaltiges sein.“). Dafür investiert der 62-jährige, frühere Coach der Trierer Eintracht in den kommenden Monaten wieder viel Zeit und Energie in die Fußballgolfanlage am Freizeitsee Triolago in Riol unweit des Moselufers. Vor rund vier Jahren eröffnete Linz das knapp 30 000 Quadratmeter große Areal mit seinem damaligen Geschäftspartner Dieter Lüders und bietet eine Mischung aus Fußball und Golf an.

Auf der über eine Gesamtlänge von 2,5 Kilometern angelegten 18-Loch-Anlage geht es darum, den Ball in möglichst wenigen Zügen über oder an Hindernissen vorbei einzulochen. „Jede Bahn hat wie beim Golf eine sogenannte Par-Zahl. Die besagt also, wie viele Schüsse ein Spieler bis zum Erreichen des Ziels in der Regel benötigt“, erklärt Linz.

Auf einer Bahn darf der Ball doppelt so oft wie die angegebene Par-Zahl mit dem Fuß berührt werden. Schafft ein Spieler dies nicht, so bekommt er eine bestimmte Anzahl an Strafpunkten, die sich nach der Par-Zahl der jeweiligen Bahn richten. „Am Schluss wird zusammengezählt und der Spieler mit den wenigsten Strafpunkten gewinnt das Spiel“, sagt Linz, während er sich selbst mal wieder auf der Anlage versucht.

Mal muss er den Ball an einem Sandbunker vorbeispielen, der mit allerhand Geäst gefüllt ist, mal gilt es, das Spielgerät mit einem gezielten Schuss über eine Brücke zu bugsieren. „Konzentration, Geschicklichkeit und Zielsicherheit sind gefragt. Hier geht es nicht primär um Kondition, großartige fußballerische Qualitäten oder eine große Schusskraft. So ist es auch möglich, dass beim Familienausflug nicht immer der am Ball erprobte Papa gewinnt“, verrät der frühere Bundesligaprofi des SV Werder Bremen und von Waldhof Mannheim, der als Trainer 1999 zu Eintracht Trier zurückkehrte und mit dem SVE nach 21 langen Jahren die Rückkehr in die Zweite Bundesliga schaffte.

Aus seiner Zeit bei der Eintracht rührt auch die Fußballgolf-Idee her: »Meine Spieler haben nach dem Training immer wieder versucht, eine Eckfahne oder den Anstoßpunkt im Mittelkreis zu treffen und hatten dabei jede Menge Spaß.«

Als seine Profitrainer-Laufbahn ausklang – bis Ende 2016 coachte er den FSV Salmrohr und davor Borussia Neunkirchen in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar – beschäftigte er sich intensiver mit dem Thema Fußballgolf.

Der Trendsport hat seine Ursprünge im Norden Europas. In Schweden entstanden in den 80er Jahren die ersten Anlagen. In Deutschland kennt man Fußballgolf erst seit 2006. Alex Kober eröffnete im pfälzischen Dirmstein die erste Anlage und wurde dort für sein Engagement 2009 durch den damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler und der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgezeichnet. Seit einigen Jahren werden auch Turniere und deutsche Einzelmeisterschaften ausgetragen.

„Wir fangen in Riol am 9. Mai mit den Bezirksmeisterschaften an. Vielleicht klappt es ja auch mal, eine deutsche oder gar eine Weltmeisterschaft hierhin zu holen. Die Infrastruktur auch mit den Übernachtungsmöglichkeiten im Freizeitpark hätten wir ja“, lässt Linz durchblicken. Ob er dann selbst auch mitwirkt, lässt er offen. Seine Qualitäten am Ball, die ihn einst auf dem Platz so stark gemacht haben, sind zumindest kein Nachteil beim Fußballgolf.  Das merkt man auf Bahn 15: Hier warten zwei Löcher in einer großen Netzanlage darauf, durchspielt zu werden. Linz schafft das kleine Kunststück gleich im ersten Versuch – und ballt die Faust. Seinen Ehrgeiz, der ihn einst als Trainer auszeichnete, hat er nicht verloren.

Dabei betont er: „Ob Betriebsausflug, Kindergeburtstag, aber auch mal als lockere Einheit für Amateurfußballer: Hier kann eigentlich jeder Spaß haben – und das auch unabhängig vom Alter. Großeltern können so mit ihren Enkeln auf Augenhöhe spielen.“

Ein bisschen Aufwärmen würde nichts schaden, um so eventuelle Muskelzerrungen zu vermeiden. Verletzt habe sich aber noch keiner auf der Anlage, berichtet Linz. „Einen Bienenstich gab´s aber mal“, schiebt er mit einem Augenzwinkern nach.  Eine spezielle Ausrüstung sei nicht erforderlich. Klar, Sport- oder Fußballschuhe (aber keine mit langen Stollen) sind ebenso von Vorteil, wie insgesamt eine sportliche Kleidung.

Alte Weggefährten konnte er auch schon am Triolago begrüßen, darunter Mitglieder jener legendären Mannheimer Mannschaft, mit der er im Jahre 1983 unter Trainer Klaus Schlappner den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Auch die 1985er Zweitliga-Aufstiegstruppe des VfL Osnabrück stattete ihrem einstigen Goalgetter schon einen Besuch ab.

Zu tun hat Linz zwischen April und Oktober am Ufer des Triolago jede Menge: Ums Mähen und Ausbesserungen kümmert er sich selbst. Die Fußballgolfanlage in Schuss zu halten, mit seinen Gästen Einführungsrunden zu absolvieren und auch selbst nochmal ab und zu einzulochen, ist für ihn Erfüllung.  Einige  Ideen, die Anlage zu erweitern, hat er bereits: „Fußball-Billard oder Headis (Kopfballtischtennis, d. Red.) anzubieten, kann ich mir demnächst auch sehr gut vorstellen.“

62 Versuche hat er diesmal übrigens gebraucht, um den Ball 18 mal einzuputten. „Da geht noch mehr“, gibt er sich aber damit keineswegs zufrieden – und  fängt gleich nochmal von vorne an.

Anmeldungen für die Fußballgolf-Bezirksmeisterschaften am Mittwoch, 9. Mai, am Triolago in Riol sind über die Website www.fussballgolf-triolago.de möglich.

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Eine Spielkarte zum Eintragen der Versuche und einen Ball gibt’s von Paul Linz – und schon kann’s los gehen.
Eine Spielkarte zum Eintragen der Versuche und einen Ball gibt’s von Paul Linz – und schon kann’s los gehen. FOTO: Andreas Arens
Hindernisse wie etwa die olympischen Ringe gilt es zu meistern.
Hindernisse wie etwa die olympischen Ringe gilt es zu meistern. FOTO: Andreas Arens