Fußball-Oberliga: Hat Eintracht Trier das Zeug zum Aufstieg?

Fußball-Oberliga : Zwischenbilanz: Hat Eintracht Trier das Zeug zum Aufstieg?

Eintracht Trier zittert sich zu einem 1:0-Erfolg gegen Engers. Im Meisterschaftskampf zeichnet sich ein Vierkampf ab. Wie gut sind die Moselaner gerüstet?

In der Oberliga ist das erste Saisondrittel absolviert, und an der Spitze zeichnet sich ein Vierkampf ab. Mit dabei: Eintracht Trier. Was läuft gut, was kann noch besser werden? Eine Bestandsaufnahme nach dem 1:0-Arbeitssieg zu Hause gegen den FV Engers:

Defensivarbeit: Sie funktioniert weitgehend gut. Neun Gegentore in elf Spielen bedeuten die zweitbeste Quote in der Oberliga. Torwart Denis Wieszolek kann sich vor allem auf der Torlinie und im eigenen Fünf-Meter-Raum auszeichnen. Gegen Engers parierte er zwei Mal glänzend bei Schüssen von Marcel Stieffenhofer (26.) und Lukas Haubrich (57.). Die Abwehr ist eingespielt und leistet sich nur eine überschaubare Zahl an Patzern. Kapitän Simon Maurer und Kevin Kling bilden eine stabile Innenverteidigung. Für die Außenpositionen gibt es mit Jason Kaluanga, Leonel Brodersen und Kevin Heinz ein dynamisches Trio, das das Spiel gerne mitanschiebt, dabei aber aufpassen muss, Defensivaufgaben nicht zu vernachlässigen. So war es gegen Engers Heinz, der mit seinem zweiten Saisontor den Treffer des Spiels erzielte. Ohne behelligt zu werden, spazierte er nach Zuspiel von Christoph Anton durch den Gästestrafraum und drosch den Ball unter die Latte (4.).

Eine Problemzone bildet das defensive Mittelfeld. Neuzugang Sanoussy Balde ist (noch) nicht der erhoffte Stabilisator, Jason Thayaparan fehlt seit fünf Partien verletzungsbedingt. Immerhin: Mit Felix Fischer, der nach einer Verletzungs-Odyssee gegen Engers erstmals seit rund elf Monaten mal wieder ein Oberliga-Spiel über volle 90 Minuten bestritt, gibt es auf Sicht eine weitere Alternative.

Flexibilität: Trier ist in der Lage, zwischen verschiedenen Systemen hin- und herzuwechseln. Ebenfalls ein Plus: Die Variabilität im Angriffsspiel. Mit der Verlässlichkeit der Arbeitsbiene Maurice Roth im Rücken drehen Anton, Milad Salem und Edis Sinanovic im Spielaufbau auf. Das Trio hat Spielwitz, technische Fähigkeiten und Zug zum Tor. Vor allem Salem ist der Dreh- und Angelpunkt. Heißt aber auch im Umkehrschluss: Wenn er einen schlechten Tag hat oder vom Gegner zugestellt wird, bekommt der SVE Probleme.

Chancenverwertung: Sie ist weiterhin ein Manko. Gegen Engers beispielsweise hätte sich die Eintracht eine Zitter-Schlussphase ersparen können, wenn sie ein zweites Tor bei mehreren sich bietenden Gelegenheiten erzielt hätte. Die besten Chancen vergaben Anton, der kurz nach der Pause in einer Top-Schussposition den Ball nicht richtig traf (49.), und Heinz, der freistehend übers Tor zielte (77.). Die Moselaner müssen zudem im Strafraumzentrum vor dem gegnerischen Tor präsenter werden. Tim Garnier ackert viel, wenn es ihn aber (häufig) auf die Flügel oder ins offensive Mittelfeld zieht, fehlt er vor dem Tor. Jan Brandscheid muss nach längerer Verletzungspause erst wieder zu alter Form finden.

Einstellung: In den bisherigen Topspielen gegen Worms (1:0) und die TuS Koblenz (3:2) hat Trier die Konkurrenz in die Schranken verwiesen. Grundsätzlich passt die Statik im Team. Auf die Probe gestellt wird sie, wenn die Rahmenbedingungen herausfordernd sind: ein ekliger, spielerisch destruktiver  Gegner, schlechte Platzverhältnisse, der morbide Charme mancher Anlagen in der Oberliga. All dies auszublenden und sein Ding durchzuziehen, ist eine Aufgabe, die der SVE im bisherigen Saisonverlauf bei den Niederlagen in Mechtersheim und Ludwigshafen nicht gemeistert hat. Soll der Aufstieg klappen, dürfen nicht mehr viele Aussetzer folgen.

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