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Fußball-Rheinlandpokal: FV Morbach schreibt Vereinsgeschichte

Fußball-Rheinlandpokal : FV Morbach schreibt Vereinsgeschichte

Die Hunsrücker ziehen erstmals ins Finale des Verbandspokals ein. Was ausschlaggebend beim 4:1-Erfolg nach Verlängerung gegen die SG Mendig-Bell ist – und welche Rolle ein Spieler von Eintracht Trier dabei spielt.

Sie schrien ,Finaaale‘. Sie sangen ,Humba, humba, humba, täterä‘ und tanzten im Kreis. Die Spieler der FV Morbach haben mit dem erstmaligen Einzug ins Finale des Fußball-Rheinlandpokals Vereinsgeschichte geschrieben.

In der Vorschlussrunde des aus der Vorsaison fortgesetzten Wettbewerbs 2020/21 rangen die Hunsrücker den Rheinlandliga-Konkurrenten SG Mendig-Bell mit 4:1 nach Verlängerung nieder – und bewiesen dabei Steher-Qualitäten. „Es war überragend, welche Moral die Mannschaft in der Verlängerung gezeigt hat. Ich bin total stolz auf sie“, frohlockte Morbachs Trainer Thorsten Haubst nach dem Abpfiff vor 200 Zuschauern im heimischen Alfons-Jakobs-Stadion.

Andererseits hatten es sich die Hunsrücker selbst zuzuschreiben, eine Extra-Runde drehen zu müssen. Nach der frühen Führung durch Dominik Schell in der sechsten Minute (Kopfball nach Ecke von Maurice Wrusch) verwaltete die FVM die Führung gegen einen Gegner, der zunächst nur direkt nach dem Anpfiff mit einem Lattenknaller von Milan Rawert eine richtig dickes Ausrufezeichen setzen konnte (3.).

Nach der Pause aber ein anderes Bild. Die SG Mendig-Bell kam mit mehr Schwung und Konsequenz zurück auf den Rasen und schaffte gegen zu passive Morbacher den Ausgleich. Der Ball landete durchs Zentrum bei Tim Montermann, der FVM-Torwart Yannick Görgen überwand (56.).

„Wir waren nach Pause zu inaktiv. Wir haben zu wenig gemacht und waren nicht mehr eng genug am Mann. Dafür mussten wir 30 Minuten mehr gehen“, analysierte Haubst.

In der Verlängerung riss sich Morbach nochmal am Riemen – und profitierte von einer Slapstick-Einlage der Gäste. Nachdem sich Torwart Robin Rohr und Kapitän Florian Schlich gegenseitig über den Haufen gerannt hatten, drückte Nutznießer Sebastian Schell den Ball zum umjubelten 2:1 über die Linie (102.). Und damit nicht genug. Der eingewechselte Lorenz Schmitt erhöhte auf 3:1 (114.). In der Schlussminute verwandelte Wrusch einen an ihm verschuldeten Foulelfmeter zum 4:1-Endstand (120.).

„Wir haben viel Laufarbeit betrieben, viele gute Zweikämpfe geführt und sind mental super eingestellt“, nannte Morbachs Kapitän Sebastian Schell drei Gründe für den historischen Erfolg. „Wir haben nach der Halbzeit den Anschluss nicht gefunden, gegen Ende der regulären Spielzeit aber wieder mehr Zugriff bekommen und in der Verlängerung verdient gewonnen“, gab Bruder Dominik Schell zu Protokoll.

Die Physis also stimmt. Ein Erfolgsfaktor dabei laut Sebastian Schell: mehrere Einheiten mit Kevin Heinz, Linksverteidiger von Eintracht Trier und Athletikcoach. „Er hat uns super fit gemacht“, sagte Schell.

In der Vorbereitung musste Morbach nun also schon in zwei Pokalspielen in die Verlängerung – gegen Engers und gegen die SG Mendig-Bell. Trotz eines guten Fitnesslevels könnte das zu Herausforderungen zum Saisonstart führen, sagte Haubst. Zumal es verletzte und angeschlagene Spieler gibt: Max Heckler musste früh raus – laut Haubst deutete zunächst einiges auf eine Bänderverletzung am Fuß hin. Für Heckler kam Danny Schömer, der nach 60 Minuten Spielzeit aber auch wieder ausgewechselt wurde – laut Haubst war er mit Adduktorenproblemen ins Spiel gegangen.

Und es geht Schlag auf Schlag weiter. Denn kurioserweise steht schon kommendes Wochenende die erste Runde im neuen Rheinlandpokal der Saison 2021/2022 an – dann gastiert Morbach beim ambitionierten Bezirksligisten SG Saartal Schoden. Das Finale des Wettbewerbs 2020/21 wird dagegen erst später ausgetragen – nämlich erst Mitte September. Nach letztem Stand ist als Termin Mittwoch, 15. September, vorgesehen. Gegner dann: der FC Rot-Weiß Koblenz, der den Stadtrivalen TuS Koblenz mit 2:0 besiegte.

Damit erfüllt sich der Wunsch der Schell-Brüder nicht, die sich die TuS im Endspiel gewünscht hätten. Coach Haubst hat keinen Lieblings-Kontrahenten. Mit einer verbalen Spitze angesichts der vorzeitig getroffenen Entscheidung, dass das Endspiel im Koblenzer Oberwerth-Stadion ausgetragen wird, stellte er fest: „Ob Rot-Weiß oder die TuS – Koblenz hat ein Heimspiel. Da ist es egal, auf wen wir nun treffen.“

Aufstellung Morbach: Görgen - Steinbach, Petry, Haubst, Hoffmann - D. Schell (104. Schmitt, Schultheis, Wrusch, Ruster (111. Juen) - Heckler (16. Schömer, 73. Klassen), S. Schell

Tore: 1:0 D. Schell (6.), 1:1 Montermann (56.), 2:1 S. Schell (102.), 3:1 Schmitt (114.), 4:1 Wrusch (120., FE)

Schiedsrichter: Arianit Besiri

Zuschauer: 200