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Fußball-Torhüterin Hannah Schillo (15): Aus einer Katze soll eine Löwin werden

Talent im Fußball-Tor : Hannah Schillo: Aus einer Katze soll eine Löwin werden

Die 15-Jährige vom TuS Issel hat große Ziele. Dafür schuftet sie bei Wind und Wetter.

Das Flutlicht ist eher schummrig, der Platz holprig, das Wetter nasskalt. Es gibt angenehmere äußere Bedingungen für ein Fußball-Training. Hannah Schillo ist dennoch mit Eifer dabei. Die Torfrau der U-17-Bundesliga-Mannschaft des TuS Issel legt während der Corona-Zwangspause nicht die Füße hoch. Stattdessen schiebt sie unter anderem auf dem Rasenplatz in den Weinbergen oberhalb von Longuich individuelle Sonderschichten mit Torwarttrainer Jürgen Simon.

Warum? Weil die 15-Jährige große Ziele hat. „Fußball ist für mich mehr als ein Hobby. Ich will etwas erreichen und so hoch wie möglich spielen“, sagt die Zehntklässlerin am Trierer Friedrich-Spee-Gymnasium (Lieblingsfächer: Sport und Französisch). Der Traum: eine Einladung zu einem Jugendnationalteam-Training. Und später mal die Frauen-Bundesliga.

Der Weg dorthin gleicht einem Nadelöhr. Doch es lohnt sich zu kämpfen. Bei einem überregionalen Auswahl-Training hinterließen Schillos Leistungen Eindruck. Der Rat: Die Nachwuchs-Keeperin aus Longuich brauche Zusatztraining, um das vorhandene Talent bestmöglich zu fördern.

Gesagt, getan. Seit September 2019 absolvieren Schillo und Coach Simon Extra-Einheiten, um in Sachen Umfang und Intensität dem Pensum in einem Nachwuchsleistungszentrum nahe zu kommen.

Fußball-Torhüterin Hannah Schillo (15): Aus einer Katze soll eine Löwin werden
Foto: Sebastian J. Schwarz/sjs / Sebastian J. Schwarz

„Ihre Entwicklung verläuft ziemlich steil nach oben. Sie hat einen Mega-Ehrgeiz“, urteilt Torwarttrainer Simon. Schillos Stärke ist die Ruhe. Gearbeitet wird zurzeit unter anderem am Verhalten bei hohen, langen Bällen. Und an der Präsenz auf dem Feld. Die 1,72 Meter große Torfrau ist von Haus aus eher ein zurückhaltender Typ. Ein braves Mädchen. Simon: „Wir wollen aus einer Katze eine Löwin machen.“

Vater Markus Schillo stellt bereits Veränderungen fest: „Hannah wird jetzt auch zu Hause mal lauter.“ Sollte es coronabedingt selbst mit dem Individualtraining demnächst mal nicht weitergehen können, hat der Papa übrigens vorgesorgt. Für den Garten zu Hause hat er sich ein Tor in Originalgröße besorgt. Zur Not könnten Zusatzschichten also hinterm Haus über die Bühne gehen.

Zum Fußball kam Hannah Schillo über ihren zwei Jahre jüngeren Bruder Moritz. In dessen Schlepptau nahmen sie und ihre Zwillingsschwester Jule (sie ist bei den Isseler Juniorinnen defensive Mittelfeldspielerin) an einem Fußball-Feriencamp teil. Die Geschwister leckten Blut. Im Auswahlteam während ihrer Grundschul-Zeit wurde Hannah Schillo direkt ins Tor beordert – sie wehrte sich nicht dagegen. Im Gegenteil: „Als Torfrau muss man immer konzentriert sein. Die Verantwortung gefällt mir. Fehler werden meist direkt mit einem Gegentor bestraft. Andererseits kann man auch zur Heldin werden.“

Seit 2015 spielt Schillo, die auch in der Verbandsauswahl aktiv ist und ein Zweitspielrecht bei den Jungs des TuS Mosella Schweich hat, beim TuS Issel. Ein Idol oder einen Lieblingsclub hat sie nicht. Kein Wunder, dass ihr Umfeld versucht, sie zu beeinflussen: Der Trainer wirbt für Borussia Mönchengladbach, ihr Opa will sie für den FC Bayern gewinnen. Hannah Schillo lässt das (noch) kalt. Sie arbeitet lieber an der eigenen Karriere.