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Fußball-Training in Corona-Zeiten: Schwimmnudel hilft beim VfL Trier auch im Trockenen

Fußball-Training in Corona-Zeiten : VfL Trier: Schwimmnudel hilft auch im Trockenen

Einige Fußball-Clubs sind wieder im Training. Wie läuft’s mit den Corona-Vorgaben? Der TV hat beispielhaft beim VfL Trier vorbeigeschaut.

Der Kommentar im TV, der sich Mitte Mai kritisch mit dem DFB-Leitfaden zum Fußball-Training in Corona-Zeiten und den Folgen für kleine Amateurvereine auseinandersetzte, ließ Günter Kruse keine Ruhe. Das Vorstandsmitglied beim VfL Trier verteidigte das Vorgehen der Verbände und brachte sein Plädoyer auf einen Punkt: „Wer die Datenschutz-Grundverordnung umgesetzt hat, wird es schaffen, Trainingszeiten auseinanderzuziehen und auch einen Hygienebeauftragten zu qualifizieren und zu benennen.“

Klare Worte, denen auch Taten folgten? Wie sieht es aus bei dem Verein aus dem Trierer Stadtteil Heiligkreuz? Der TV wollte es wissen und verabredete sich zum Ortstermin.

Hinter Kruse, beim VfL auch Jugendtrainer und nun zusätzlich Corona-Beauftragter, sowie seinen Mitstreitern im Verein liegt eine Menge Arbeit: „Ich muss ein bisschen zurückrudern. Es war schon schwieriger als gedacht, als kleiner, ehrenamtlich geführter Verein die Vorgaben für die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs gewissenhaft umzusetzen.“

Doch der Verein hat es geschafft. In einem 19-seitigen „Trainingskonzept Corona“ ist alles detailliert erfasst. Der organisatorische Ablauf von Übungseinheiten, Verhaltensregeln, Kommunikationswege, Verantwortlichkeiten der Überwachung.

Desinfektionsmittel beim VfL Trier Foto: TV/Mirko Blahak

All das hat viel Zeit gekostet. Und erfordert weiterhin Aufmerksamkeit. Kruse: „Die Herausforderung besteht darin, sich immer wieder in neue Verordnungen und Vorgaben einzulesen.“ Hinzu kommen infrastrukturelle Erfordernisse. Das Anbringen von Hinweistafeln, das Bestellen von Desinfektionsmitteln, das Aufstellen von Spendern. Der VfL will sich nichts vorwerfen lassen – auch mit Blick auf die Strafen im Corona-Bußgeldkatalog, die im Sport-Bereich bis zu 1000 Euro reichen. Demgegenüber stehen notwendige Ausgaben für die Hygiene-Maßnahmen, die sich nach Aussage des VfL-Vorsitzenden Stefan Grabowsky pro Monat auf „wenige Hundert Euro“ belaufen: „Das ist nicht wenig, aber leistbar.“

Anfang Juni startete der VfL in eine Art Testphase – mit Training für die Mannschaften von der C-Jugend an aufwärts. „Es ist einfacher, ältere Spieler mit den Regeln vertraut zu machen“, begründet Kruse. Die Umsetzung ist und bleibt nicht einfach. Kruse: „Es fängt schon damit an, Fußballern zu sagen, sie müssen mit dem Abklatschen aufhören.“ Weil es insgesamt aber gut läuft und ein Probetraining mit der F-Jugend zudem erfolgreich war, sollen ab nächster Woche auch die Kleinsten wieder trainieren dürfen.

Dem Trainingsstart nach der Corona-Pause ging viel Vorbereitung voraus. Alle Trainer – in den Abteilungen Fußball, Tennis, Zumba und Kinderturnen rund 40 – wurden geschult. Laut Kruse fünf Mal, und nicht nur einmal eine halbe Stunde vor dem ersten Training. Kruse: „Wir haben eine Verantwortung für die Spieler und die Trainer. Gleichzeitig wollen wir den Sportlern eine Chance bieten, wieder reinzukommen.“

Das freiwillige Angebot wird angenommen. „Die Trainingsbeteiligung im Fußball ist gut. Die meisten Eltern sind sehr dankbar, die Spieler haben Lust. Die Jungs haben ein Lächeln im Gesicht, wenn sie wieder einen Ball am Fuß haben. Und es ist auch sinnvolles Training möglich“, sagt Jonathan Papendorf, Co-Trainer der C-Jugend und Spieler der ersten VfL-Mannschaft.

Im Vorfeld der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs mussten die Spieler (beziehungsweise ihre Eltern) eine Einverständniserklärung unterschreiben. Zudem werden Teilnehmerlisten geführt. „Der bürokratische Aufwand ist schon hoch“, sagt Grabowsky.

Zum Training kommen die Spieler bereits in Sportklamotten, frühestens zehn Minuten vor Beginn der Einheit. „Beim Aufwärmen hat jeder Spieler ein mit Hütchen abgestecktes Feld“, berichtet Papendorf. Um danach die Abstände auf dem Platz einhalten zu können, gibt es verschiedene Stationen, zwischen denen Spielergruppen pendeln. Die Themen dort: Torschüsse, Passspiel in Kombination mit taktischen Elementen, Dehnen und Stretching. Ein Vorteil für den VfL: Die Rasenplatz-Anlage in Heiligkreuz ist dank der Laufbahn weitläufig nutzbar.

Das Trainingsmaterial soll nur in die Hände der Coaches gelangen, die Handschuhe tragen. Für die Spieler gilt: „Hände weg vom Ball“ – das Spielgerät soll nur per Fuß berührt werden.

Grundsätzlich stehen pro Team zwei Trainer parat. Da sein Kollege in der C-Jugend derzeit zur Corona-Risikogruppe gehört, muss Papendorf dort kreativ sein. Er bildet zwei Trainingsgruppen à sechs Spieler und führt eine Liste, damit jeder Akteur auch gleich oft zum Zug kommt.

Für die jüngsten Kicker werden die einzuhaltenden Abstandsregeln plastisch gemacht – zum Einsatz kommt dafür eine 1,60 Meter lange Schwimmnudel.

Was im Training fehlt, sind Spielsituationen. Die Simulation des Wettkampfgeschehens. Es gibt aber auch positive Aspekte: Wer Abstand halten muss, hat weniger Chancen, Blödsinn zu machen und ist konzentrierter bei der Sache. Aus Sicht von Papendorf ist das Training stärker technisch-taktisch geprägt.

Die Abläufe haben sich eingespielt. Es mag kurios klingen: Je größer die Lockerungen werden, desto herausfordernder wird die nötige Disziplin. Kruse: „Die Schwierigkeit wird sein, die innere Anspannung zu halten, um weiter Corona-Regeln zu befolgen.“ Denn für Grabowsky steht außer Frage: „Je mehr sich die Vereine an die Vorgaben halten, umso schneller wird wieder ein Regelbetrieb möglich sein.“

Die Hürde der Datenschutz-Grundverordnung hat der VfL einst genommen. Gleiches gilt für die Hürde des Trainingsbetriebs in Corona-Zeiten. Wenn auch mit mehr Mühe als erwartet.