Gardetanz in Trier: Mit einem Lächeln geht’s in den Spagat

TV-Serie Spochtipedia : Gardetanz: Mit einem Lächeln geht’s in den Spagat

Karnevalistischer Tanzsport:  Um in der fünften Jahreszeit zur Hochform aufzulaufen, sind über Monate hinweg Disziplin und Einsatz gefragt.

Wenige Sekunden nach 17 Uhr ist es am Mittwochabend in der Halle am Bach auf einmal mucksmäuschenstill. Bianca Degen und ihre Tochter Anna als Co-Trainerin begrüßen die jüngsten Tänzerinnen der Karnevalsgesellschaft (KG) Trier-Süd. Ein paar Mädchen zwischen drei und zehn Jahren fehlen, 24 Kinder nehmen diesmal an der rund 75-minütigen Übungseinheit teil.

Ein Dutzend Auftritte bei den Veranstaltungen der eigenen KG, aber auch auf anderen Bühnen der Stadt stehen in dieser Session an. Den Höhepunkt gab es wohl schon Anfang Januar. „Wir durften bei der ATK-Gala vor großem Publikum in der Europahalle tanzen. Einigen Mädchen war sogar schlecht vor Aufregung.“

Akrobatik ist beim Gardetanz vor allem gefragt. Foto: Sebastian Schwarz. Foto: Sebastian Schwarz

Mit gutem Zureden der Trainerin, einem Schluck Wasser und auch mit der Gewissheit, sich gut zehn Monate lang mit wöchentlich mindestens einem Treffen vorbereitet zu haben, klappte aber alles gut. Stürmischer Applaus von den Narren und sogar ein Extra-Lob von Kaiser-Augustus-Orden-Träger Johannes B. Kerner waren der Lohn.

Spagate gehören zum Einmaleins. Foto: Sebastian Schwarz. Foto: Sebastian Schwarz

Bianca und Anna Degen gehen das Mittwochstraining mit Plan an. Vor der heißen Fastnachtsphase sollen die Darbietungen der Schautanzgruppe auf die Lieder „Ich bau’ dir ein Schloss“ und der Gardetänzerinnen („Ein Stern, der deinen Namen trägt“) eben (weiter) perfekt sitzen.

Hebefiguren erfordern besondere Teamarbeit. Foto: Sebastian Schwarz. Foto: Sebastian Schwarz

Bevor marschiert und gegrätscht wird, Räder geschlagen werden und illuminierte Sterne auf der Bühne die Runde machen, klärt die Trainerin im Frage-Antwort-Spiel mit ihren Schützlingen noch einmal ein paar Basics ab: „Wie muss die Grundstellung der Füße sein?“ „Geschlossen“, „Was soll im Gesicht zu sehen sein?“ „Ein Lächeln“, „Wie müssen die Haare sein?“ „Zum Zopf zusammengebunden“,  „Darf man sich auf der Bühne unterhalten?“ „Nein“.  Bloß nicht direkt in den Spagat zu gehen, ohne sich warmgemacht zu haben, mahnt Bianca Degen an – Leistenzerrungen könnten die Folge sein.

Das gut viertelstündige Warmmachen erfolgt unter fetziger Popmusik. Arme und Beine kommen durch verschiedene Übungen langsam auf Betriebstemperatur. Vieles geht spielerisch: Mit Hilfe eines imaginären Zauberklebers am Körper etwa sollen die Mädchen ihre Gelenkigkeit versuchen zu erhöhen.

„Der Spaß ist das Wichtigste“, betont Bianca Degen. So einfach wie möglich will sie den Jüngsten den Einstieg in den Sport machen, den sie einst selbst ausgeübt hat und dem auch ihre Töchter Anna (als Solomariechen der KG Trier-Süd) und Svenja verbunden sind oder waren.

Disziplin und Leistungsbereitschaft verlangt sie den jungen Tänzerinnen aber freilich ab  – Jungen können auch mitmachen, aktuell sind jedoch keine dabei. Dass es sich um Sport handelt und nicht ausschließlich um ein lockeres, närrisches Begleitprogramm, damit die Jecken bei den Sitzungen langsam in Fahrt kommen, wird auch während der Eineinviertelstunde Training im Trierer Süden deutlich. Kurze Schritte, Hebefiguren, Spagate, Sprünge: Vieles sieht einfach aus, „kommt aber nur durch regelmäßiges Training zustande“, wie auch Anna Degen zu berichten weiß.

Mit erröteten Wangen und zunehmend auch Schweißperlen im Gesicht greifen die Nachwuchstänzerinnen zwei, drei Mal an diesem späten Nachmittag zur Trinkflasche, um sich zu erfrischen. Dabei verrät die siebenjährige Pia, dass sie sich auf jedes Training „ganz viel“ freue. „Das macht so riesigen Spaß“, merkt Cara an. Und Mia ergänzt: „Besonders das Radschlagen ist einfach super.“

Nach der Session nehme man vielleicht auch mal an einem Freundschaftsturnier teil, lässt die Trainerin durchblicken. „Das wäre für die Kids vielleicht noch mal was Besonderes, vor einer Jury zu tanzen und dafür Punkte zu bekommen.“  Weit über die fünfte Jahreszeit hinaus geht der karnevalistische Tanzsport mit seinen Garde- und Schaudarbietungen –   die eine Variante betont mehr das Traditionellere mit Kostümen, und die andere hat ihren Schwerpunkt in einer eher lockeren Darbietung. So werden bereits seit dem Jahre 2001 die Tänzer von den Verbänden auch offiziell als Sportler anerkannt und gibt es Trainerausbildungen (die auch Bianca Degen absolviert hat)  und können sich daraus öffentliche Zuschüsse und Förderungen ergeben.

Um 18.16 Uhr ist das Training der Kindergarde beendet. Zum krönenden Abschluss reichen die Trainerinnen noch die offiziellen Sessionsorden der KG Trier-Süd von der letzten Sitzung nach. Mit einem breiten Strahlen verlassen die Kids die Halle – und sind so noch einmal zusätzlich für die nächsten, so intensiven Wochen auf den Fastnachtsbühnen motiviert.

Mehr von Volksfreund