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Groundhopping in Uganda: Schulausflug zum ugandischen Klassiker

So kickt die Welt: Lesergeschichten vom Fußball rund um den Globus – Teil 1 : Schulausflug zum ugandischen Klassiker

In der neuen TV-Serie „So kickt die Welt“ erzählt der Trierische Volksfreund Lesergeschichten vom Fußball rund um die Welt. Heute: Was ein TV-Leser beim Fußball in Kampala erlebt hat.

Junge Fußballfans strömen ins Stadion. Hunderte. Alle gleich gekleidet. Moment, nicht komplett gleich. Zwar tragen alle schwarze Hosen, aber die Shirtfarbe unterscheidet sich. Ungefähr die Hälfte trägt rot, die andere blau. Sie reihen sich blau-rot-durchmischt auf der Gegentribüne auf. Von der anderen Seite des Spielfeldes erkennt man nur die Shirts, es sieht etwas so aus, als hätte jemand Vier-gewinnt gespielt – nur mit Hunderten Chips. Was hat es mit dieser blau-roten Menschenmenge auf sich? Dazu später mehr.

Das menschliche Vier-gewinnt-Spiel ist ein Bild, das TV-Leser Kay Bohn im Februar in der ugandischen Hauptstadt Kampala sieht. Für die neue Serie „So kickt die Welt“ hat der Trierische Volksfreund seine Leser aufgerufen, ihre interessantesten, skurrilsten und spektakulärsten Groundhopping-Erlebnisse zu schildern. Kay Bohns Kampala-Kick ist eine von diesen. Bohn (35) wohnt in Hamburg, liest den TV täglich online, weil er sich für den Sport in der Region interessiert. Als Groundhopper (Erklärung siehe Info) hat er in 15 Jahren Spiele in 81 Ländern besucht. Eine seiner letzten Reisen vor der Corona-Krise führt ihn nach Uganda. Der TV erzählt seine Geschichte.

Es ist nicht irgendein Fußballspiel, das Kay Bohn besucht. Der Vipers SC muss gegen den Kampala Capital City Authority FC (kurz KCCA FC) ran. Okay, das klingt noch immer nach einer normalen Partie. Doch es ist das Topspiel der Ugandan Premier League. In den letzten sieben Saisons haben die Vipers und der KCCA FC die Meisterschaft unter sich ausgemacht. Auch in dieser Saison sieht es danach aus, es treffen sich der Tabellenführer und der ärgste Verfolger.

Und das blau-rote Mischmasch auf der Gegentribüne? Nun, das St. Mary‘s Stadium, in dem die Vipers heimisch sind, grenzt direkt an eine Schule – traumhaft für  die Jugendlichen. Noch besser: Die Schüler bekommen freien Eintritt – und sitzen deshalb zu Hunderten in Schuluniform auf der Gegentribüne.

Da Kay Bohn kein Schüler der St. Mary’s Boarding Secondary School ist, kauft er durch einen Zaun Tickets für sich und seine Begleitung.

Kostenpunkt pro Karte: 10 000 ugandische Schilling. Klingt viel, sind aber umgerechnet nur knapp 2,40 Euro. Für einen Ugander dennoch eine ganze Stange Geld, denn das Durchschnittseinkommen pro Kopf liegt in einem der ärmsten Länder der Welt bei knapp einem Euro. Der Wert dieses kostenlosen Fußballspieles für die Schüler wird dadurch umso deutlicher.

Vipers SC gegen den Kampala City Capital Authority FC in der Uganda Premier League. Foto: sportandtravel.de/ Foto: Kay Bohn

Wie froh diese sind, ihren Club gegen den großen Rivalen ansehen zu dürfen, zeigen sie dadurch, dass sie zur Stimmung beitragen – natürlich zugunsten der Vipers. Doch einmal geht dieses fanatische Anfeuern zu weit: Etwas vor ihnen im Block erkennen die Schüler einen KCCA-Fan, der sich tatsächlich wagt, für sein Team zu jubeln. Es folgen Beleidigungen, Schmährufe und das Werfen von Gegenständen – bis der „Gegner“ aufsteht, seinen Sitzplatz verlässt und sich an den Rand der Tribüne stellt. Zumindest was solche Vorkommnisse angeht, unterscheiden sich der deutsche und der ugandische Fußball also nur geringfügig.

Auch der Support ist bekannt. Auf der gegenüberliegenden Seite des blau-roten Gemischs, der Haupttribüne, sitzen auf einer Seite die Fans der Vipers, die mit Gesängen und Buschtrommeln für Stimmung sorgen. Als Trennwand in der Mitte sitzen die besser betuchten Zuschauer – so was wie eine ugandische VIP-Lounge. Die KCCA-Fans feuern ihr Team von der anderen Seite der Haupttribüne an. Zwei Dinge verbinden die Fanlager. Trommeln, Tröten, Tanzen, Bengalos, Böller – ein Derby, wie man es auch in Deutschland kennt. Und natürlich trägt nicht jeder eine Schuluniform. Etliche Fans sind bunt bemalt oder verkleidet – ein tief verankerter Teil der afrikanischen Fankultur.

Vor dem Spiel sorgen Zuschauer mit Buschtrommeln für Stimmung. Foto: Kay Bohn

Ganz vergessen: Gekickt wird auch. Was bei dem Stadionbesuch fehlt, ist ein Torjubel. Die Teams trennen sich 0:0. Ein Ergebnis, mit dem die Vipers leben können: Bevor das Coronavirus die Saison unterbricht, führen sie die Liga mit vier Punkten vor KCCA an. Könnte also eine blau-rote Meisterfeier geben.

Aufgezeichnet von Christian Thome

Weitere Bilder, Geschichten und Reiseberichte von Kay Bohn finden Sie online unter http://www.sportandtravel.de/