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Hallen-Sportarten und Corona: Saison-Aussetzungen werden wahrscheinlicher

Hallen-Sportarten und Corona : Saison-Aussetzungen werden wahrscheinlicher

Wie sehen die Planungen im regionalen Handball, Basketball, Tischtennis und Volleyball bis Sommer aus? Realistisch erscheint allenfalls noch ein Not-Programm – auch, um vor allem Jugendliche bei der Stange zu halten.

Unbenommen der Entscheidungen, die zur weiteren Bekämpfung der Corona-Pandemie heute beim nächsten Bund-Länder-Treffen getroffen werden, stellen sich die Verbände verschiedener Mannschafts-Hallensportarten auf weitere karge Monate ein. Die Aufnahme eines regulären Spielbetriebs in dieser Saison ist entweder bereits gecancelt – oder eine Annullierung der Saison 2020/21 wird erwogen. Ein aktueller Überblick.

Handball: Kocht jeder Landesverband sein eigenes Süppchen – oder gibt’s eine bundesweite Regelung für die Ligen ab der vierten Spielklasse abwärts? Peter Josef Schmitz, Präsident des Handball-Verbands Rheinland, hofft auf die Vermeidung eines Flickenteppichs und setzte diesbezüglich auf eine virtuelle Sitzung aller Landespräsidenten im Deutschen Handball-Bund (DHB) am Montagabend. Schmitz‘ persönliche Meinung: „Ich vermute, dass es in Richtung Einstellung des Spielbetriebs in dieser Saison geht.“

Der pfälzische Verband ist vor wenigen Tagen bereits vorgeprescht und hat für die Spielklassen in seiner Obhut folgende Regelung formuliert: Der Spielbetrieb der Jugendmannschaften wird nicht mehr aufgenommen. Im Jugendbereich werden in der Saison 2020/21 keine Meister ermittelt. Bei den Senioren mache eine Saisonfortsetzung beziehungsweise ein Start nach Ostern (10./11. April) nur Sinn, wenn Teams ab dem 15. März wieder uneingeschränkt ins Training einsteigen könnten. „Sollte dies nicht der Fall sein, wird die Runde nicht gewertet.“ In diesem Falle gebe es keine Auf- und Absteiger, und die Klassenzusammensetzungen sollen so weit wie möglich in die Saison 2021/22 übernommen werden.

Schmitz sorgt sich vor allem um die Jugend: „Wir müssen aufpassen, dass uns nicht ein kompletter Jahrgang verloren geht.“  Dass derzeit Auswahltraining auf Landesebene mit Blick auf eine anstehende DHB-Sichtung erlaubt ist, hält er allerdings für grenzwertig: „Bei allem Ehrgeiz: Da muss die Frage erlaubt sein, ob das Sinn macht.“

Basketball: Zuletzt hatte der rheinland-pfälzische Verband die Hoffnung, im März in eine verkürzte Saison starten zu können. „Davon ist nicht mehr auszugehen“, sagt der Trierer Marco Marzi, der seit kurzem wieder an der Spitze des Verbands steht.

Komplett wollen die Planer aber die Flinte noch nicht ins Korn werfen. Es wurde der rechtliche Rahmen geschaffen, die Saison in den Juni zu verlängern. Sollte im April wieder gespielt werden dürfen, könnte noch eine einfache Runde absolviert werden. Beschlossen ist bereits, dass es in jedem Fall keine Absteiger geben wird.

Auch die Basketballer kämpfen darum, die Spieler in den Vereinen zu halten. Laut Marzi ist die Zahl der Spielerpässe zum Ende des vergangenen Jahres in Rheinland-Pfalz um fünf Prozent zurückgegangen. Ein (Haupt)-Grund: Fehlende Neueintritte von Kindern. Um die Motivation des Nachwuchses hochzuhalten, gibt es Überlegungen, wenn möglich Spiel-Angebote auf Bezirksebene im Mai oder Juni zu machen.

Und auch sonst stellt sich die Frage: Wie können Teams auch in der Pandemie und während der Kontaktbeschränkungen zu Sport und Bewegung motiviert werden mit dem Ziel der Bindung? Dazu bietet der Landesverband am 3. Februar, 19 Uhr, einen kostenfreien Online-Workshop mit Tim Brentjes (Jugendreferent im Deutschen Basketball-Bund), Christoph Nicol (Alba Berlin) und Michael Wasielewski (Phoenix Hagen) an.

Tischtennis: Bislang hielten sich Befürworter und Kritiker in der Frage, ob in dieser Saison der Spielbetrieb noch aufgenommen werden soll, die Waage. Doch inzwischen, stellt der Präsident des Tischtennisverbands Rheinland/Rheinhessen fest, werde die Zahl der Kritiker „größer und lauter“. Seine Prognose: „Wir müssen endgültig da­rüber nachdenken, die gesamte Saison ausfallen zu lassen.“

Noch gibt es Hintertürchen: eine mögliche Verlängerung der Saison bis Ende Juni, die Organisation von Doppel- oder sogar Dreifach-Spieltagen an Wochenenden. Aktuell gelten erst mal eine fortwährende Spielbetriebs-Pause bis zum 28. Februar und eine Hinaus­zögerung des Saison­endes vom  18. April auf den 9. Mai.  

Die Sorge, durch die monatelange Corona-Zwangspause jugendliche Spieler zu verlieren, ist aus Sicht von Heinemann groß: „Wir sahen schon in der Vergangenheit, dass Kinder, die kurz vor den Sommerferien in einen Verein gegangen sind, nach den Ferien nicht mehr kamen. Jetzt ist der Zeitraum der Pause viel länger. Das kann problematisch werden.“

Volleyball: Bereits frühzeitig – im Oktober 2020 - wurde im Volleyballverband Rheinland-Pfalz entschieden, die aktuelle Saison in den Verbands- und Rheinland-Pfalz-Ligen auszusetzen und nicht zu werten. „Da war schon absehbar, wohin die Reise geht“, erläutert Vizepräsident Björn Sauer, der auch Chef des Rheinland-Verbands ist. Sollte sich die Pandemie-Lage beizeiten entspannen, will der Verband interessierten Vereinen bei der Organisation von Freundschaftsspielen helfen.

Weil kein regulärer Ligenbetrieb stattfindet, seien für diese Saison keine Mannschaftsbeiträge erhoben worden, sagt Sauer: „Ein Jahr können wir diese Mindereinnahmen schultern. Noch weitere zwölf Monate wären dagegen schwierig.“

Der Verband will die aktuelle Zwangspause dazu nutzen, die Trainer weiter zu schulen – dazu gab es bereits ein erstes Online-Angebot des neuen Landeslehrwarts Dirk Groß. Denn Sauer ist überzeugt: „Wenn wir wieder trainieren und spielen dürfen, wird der Zulauf groß sein. Das haben wir nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gemerkt. Wichtig ist dann, dass die Trainer fit sind, um gute Angebote machen zu können.“

Die Hoffnung ist groß, dass die nächste Saison regulär oder gegebenenfalls etwas verspätet  starten kann. Sauer: „Ein weiteres Jahr Zwangspause wäre dagegen eine Katastrophe.“