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"Handball ist unser Leben!": Jürgen Werner – stolzes Mitglied von „Vize-Kuesen“

TV-Serie „Handball ist unser Leben!“ : Jürgen Werner – stolzes Mitglied von „Vize-Kuesen“

Der 54-Jährige prägt seit vielen Jahren die Handball-Szene in Bernkastel-Kues. Er kam beruflich aber auch viel herum. Er bekam TV-Berichte nach Buenos Aires gefaxt – und scheiterte zwei Mal knapp an der Deutschen Banken-Meisterschaft.

Jürgen Werner kam durch seinen Sportlehrer Harald Niemann zum Handball und begann seine Karriere 1978 in der C-Jugend des damaligen Post-SV Bernkastel-Kues. Sein Vater Karl-Ernst war Angreifer im Feldhandball und für den VfL Traben-Trarbach aktiv. So blieb die Familie in der zweiten Generation dem Handball verbunden.

Bis zur A-Jugend spielte Jürgen Werner auf der Position Rückraum Mitte. 1983 zwang ihn ein Kreuzbandriss zur Umschulung zum Torwart. „Ich wollte unbedingt mit meinen Freunden, vor allem Christoph Schon, in der ersten Herren-Mannschaft spielen“, sagt Werner, der von 1984 bis 2005 ununterbrochen beim Post-SV und dem Nachfolgeverein SFG Bernkastel-Kues spielte und in dieser Zeit auch Mitglied der Aufstiegsteams in die Landesliga 1991 und Oberliga 2002 war.

Die erste Herrenmannschaft spielte zunächst jahrelang in der Bezirksklasse, unter anderem mit den Trainern Norbert Peters und Günther Hoffmann. „Mit Andreas Born und Klaus Frank gelang uns 1991 der Aufstieg in die höchste Klasse des Spielbereichs Mosel/Eifel (Landesliga)“, erinnert sich Werner. 1998 versuchten der SFG Bernkastel-Kues und die HSG Wittlich die Stärken im Herrenbereich zu konzentrieren, die Kooperation wurde aber 2000 wieder beendet.

Meistermannschaft 1990/91 st.v.l. Klaus Frank (13), Andreas Born (6), Achim Seidel (4), Christoph Schon (11), Peter Mittler (10), Thomas Wüsten (2), Peter Schug (3); kn.v.l. Klaus Ehses (8), Harald Bollig (14), Jürgen Werner (12), Hans-Georg Denzer, Jochen Klock (9), Patrick Reuter (5). Foto: privat

 Mit der Rückkehr der Nachwuchsspieler gelang den sogenannten „jungen Wilden“ und ihrem neuen Trainer Thorsten Neuls 2002 der ersehnte Aufstieg in die Oberliga. Diese damals starke vierte Liga im deutschen Handball konnte aber nicht gehalten werden, und so musste die Mannschaft den Abstieg in die neue Verbandsliga antreten. „Dort hatten wir unter Trainer Heinz Hammann noch zwei erfolgreiche Jahre, unter anderem mit dem Gewinn der Vizemeisterschaft 2004/05“, sagt Werner.

 Aufgrund des Abgangs zahlreicher Studenten musste der SFG 2005 seine Herrenmannschaft komplett abmelden. „Die Handballabteilung war jahrelang traditionell das Aushängeschild des Gesamtvereins, insbesondere dank Herbert Kreber, der als Lehrer am Nikolaus-von-Kues-Gymnasium viele Schüler für den Handball begeisterte. So konnte der Post-SV Bernkastel-Kues in jeder männlichen Altersklasse gute Jugendmannschaften stellen. Mit dem Ruhestand von Kreber blieb dann der Nachwuchs aus, auch diverse Versuche des Neuaufbaus blieben unbeständig. So musste der Jugendbetrieb eingestellt werden“, blickt der heute 54-jährige wehmütig zurück.

 Nach dem Rückzug der Mannschaft wechselte Werner mit 40 Jahren zur DJK/MJC Trier und half dort der zweiten Mannschaft von Trainer Joachim Otto, in der Verbands- und Landesliga den Klassenerhalt zu realisieren. 2009 kehrte er zu seinem Stammverein nach Bernkastel-Kues zurück und spielte dort aktiv bis 2019.

 „2009 begann der Neuanfang beim SFG Bernkastel-Kues, dank einiger alter Handballfreunde um Trainer Rudi Thomes aus Wittlich. Bereits in der ersten Saison 2009/10 gelang die verlustpunktfreie Meisterschaft in der Kreisliga, es folgten schöne Jahre in der Bezirksliga unter anderem mit fünf Vizemeisterschaften, die uns den Namen ,Vize-Kuesen‘ einbrachte“, verrät Werner.

 1995 heiratete er seine Frau Ulrike. Der Polterabend wurde mit vielen Handballern aus Bernkastel-Kues und Frankfurt gefeiert.

 „Handball wird vererbt! Unser Sohn Maximilian begann 2008 mit sechs Jahren mit dem Sport, und das bislang schon recht erfolgreich. Von 2015 bis 2017 spielte er in der Rheinland-Auswahl. Er war in der B-Jugend-Oberliga für die JH Mülheim/Urmitz aktiv und hatte mit 17 Jahren seine ersten Verbandsliga-Einsätze für die HSG Wittlich“, berichtet der stolze Papa, der die Betreuung diverser Jugendmannschaften beim SFG sowie bei der HSG Wittlich übernahm.

 Seine berufliche Karriere hat Werner trotz seines vielfältigen Engagements im Handball nie vernachlässigt. Von 1982 bis 2002 war der gelernte Bankkaufmann für die Deutsche Bank tätig, anfänglich an der Mosel, danach 15 Jahre lang als Revisor im Konzern. Dabei war er viel unterwegs. Die Revisionseinsätze führten ihn oft nach Frankfurt, im Rahmen des Aufbaus Ost nach Erfurt sowie zu mehreren Auslandsaufenthalten. „Besonders in Erinnerung sind mir die Einsätze in Argentinien in den Jahren 1991, 1993 und 1994 für 14 Monate sowie in Spanien in den Jahren 1995 und 1996 geblieben. In Buenos Aires hielt ich mich mit Paddle Tennis fit. Die Zeitungsberichte über unsere Spiele aus dem Trierischen Volksfreund wurden mir nach Buenos Aires gefaxt. Mail und Internet gab‘s noch keins!“

Während seiner Tätigkeit bei der Deutschen Bank blieb Werner nicht nur dem Vereinssport, sondern auch dem Betriebssport verpflichtet. So nahm er am Traditionsturnier um die Handball-Meisterschaft der Bankfilialen teil. „Diese Turniere bleiben unvergesslich. Höhepunkte waren die Finalteilnahmen 2001 in Bremen und zuletzt 2002 in Hamburg. Der erhoffte Gewinn der Bankmeisterschaft war mir aber nicht vergönnt. Eine besondere Anerkennung meiner Leistungen war aber ein Angebot aus Düsseldorf 1998, in die damalige Regionalliga West zu wechseln. Doch dieses Angebot konnte ich aus beruflichen Gründen nicht annehmen“, sagt Werner, der erst nach der Geburt des Sohnes 2002 beruflich sesshaft wurde – in Luxemburg und zwischenzeitlich bei der Sparkasse Mittelmosel.

Mit der Zeit hat Werner viele Funktionen übernommen - auch neben dem Spielfeld. Aktuell ist er noch als Staffelleiter (seit 2013) und Zeitnehmer/Sekretär (seit 2014) aktiv. Im April 2019 wurde er zudem von den Vereinen zum Vorsitzenden des Spielbereichs Mosel/Eifel gewählt.