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Handball: Pro und Contra für Bälle mit Harz

Handball : Nur mit Harz macht’s richtig Spaß

Das Haftmittel spielt eine große Rolle, doch es keimt auch immer wieder Kritik an ihm auf. Worin liegen Vor- und Nachteile? Und gibt’s vernünftige Alternativen?

„Ohne Harz waren viele technische Fehler in unserem Spiel“ (Jochen Tatsch, Trainer des Verbandsligisten HSG Hunsrück II)

„Die Gästemannschaft hatte erhebliche Probleme mit dem Harz“ (Andreas Cartarius, Trainer des Verbandsligisten HSG Mertesdorf/Ruwertal)

„Dass die Gäste ohne Harz nicht so richtig klarkamen, spielte uns in die Karten“ (Igor Domaschenko, Trainer Handball-Oberligisten TuS Daun)

Die drei Zitate aus den vergangenen Wochen zeigen: Harz ist ein großes Thema im Handball. Also die Behandlung des Balls mit einem klebrigen Haftmittel, für das es verschiedene Anbieter gibt und das immer wieder mal zur Disposition gestellt wird – auch aus gesundheitlichen Gründen. Warum ist das so? Wir haben nachgefragt.

Welche Vorteile hat die Verwendung von Harz?

 FILE - A tape with wax is seen on the shoe of an assistant of Team Germany during Men's Preliminary Group match between Slovenia and Germany of the Handball events during the Rio 2016 Olympic Games in Rio de Janeiro, Brazil, 13 August 2016. Photo: Lukas Schulze/dpa (zu dpa-Meldung: «Macken, Marotten und Merkwürdigkeiten: Was bei Olympia so auffällt» vom 16.08.2016) +++ dpa-Bildfunk +++
FILE - A tape with wax is seen on the shoe of an assistant of Team Germany during Men's Preliminary Group match between Slovenia and Germany of the Handball events during the Rio 2016 Olympic Games in Rio de Janeiro, Brazil, 13 August 2016. Photo: Lukas Schulze/dpa (zu dpa-Meldung: «Macken, Marotten und Merkwürdigkeiten: Was bei Olympia so auffällt» vom 16.08.2016) +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: picture alliance / dpa/Lukas Schulze

„Man kann präziser und fester werfen. Und Trickwürfe sind einfacher zu machen“, sagt Melvin Wheaton, Spieler des Oberligisten TuS Daun. Zudem lässt sich der Ball leichter fangen, vor allem einhändig – gerade für Kreisläufer ist das wichtig. „Mit Harz wird das Wurfrepertoire enorm erweitert. So sind Dreher in allen Varianten möglich“, sagt Rudi Engel, Jugendkoordinator im männlichen Bereich der Rheinland-Pfalz-Auswahl sowie Verbandstrainer. Vor allem im Jugend-Leistungsbereich sei Harz nicht wegzudenken: „Der Deutsche Handball-Bund fordert in allen Jugendbereichen bei Sichtungsmaßnahmen Wurfvarianten ein, die ohne Harz nicht zu leisten sind.“

Welche Nachteile gibt es?

„Das größte Manko ist die Verunreinigung von Hallenböden, Türgriffen und Trikots. Die Reinigung verursacht hohe Kosten, wenn sie professionell erfolgt, beziehungsweise ist sehr nervig, wenn die Spieler es nach den Trainingseinheiten machen müssen“, sagt Engel.    Ex-Miezen-Spielerin Franziska Steil, aktuell Trainerin des Frauen-Handball-Zweitligisten TSG Ketsch, berichtet zudem von Blasen an den Händen in der Vorbereitung,

Wie wird Harz im Spiel/im Training verwendet?

Oftmals wird der Ball im Vorfeld geharzt. In bestimmten hochklassigen Ligen dürfen die Spieler und Spielerinnen zudem Depots an den Schuhen haben, aus denen sich sie immer wieder mal bedienen.

In Spielklassen unterhalb der 3. Liga ist die Verwendung von Harz sehr unterschiedlich geregelt. Teilweise ist Harz zugelassen, teilweise verboten – das hängt auch von Vorgaben der Hallenbetreiber ab. Das macht die Sache für den Trainings- und Spielbetrieb schwierig, da sich Teams so gut es geht auf beides einstellen müssen. Engel: „Das kann aber aus Trainingszeitgründen schon nicht funktionieren.“

Was können sogenannte selbstklebende Bälle als Alternative?

„Sie erzielen nicht annähernd den gleichen Effekt wie ,normal‘ geharzte Bälle. Besonders in Verbindung mit Schweiß werden sie sehr rutschig. Man müsste für ein Spiel auf jeden Fall mehrere Bälle bereithalten. Sie sind bei Spielern nicht sehr beliebt“, weiß Engel. Wheaton kann das bestätigen: „Klar ist es eine gute Idee, dass es sowas gibt. Aber ich persönlich halte nicht so viel davon, weil sie sehr schnell den Grip verlieren.“

Gibt‘s Geheimtipps für eine bessere Haftung ohne Harz?

„Es gibt Tücher, die eine Klebewirkung entfalten – nicht so intensiv wie Harz, aber immerhin besser als nichts. Da bewegt man sich aber – was die Zulässigkeit angeht – in einer Grauzone“, sagt Engel. „Trainieren der Fingerkraft, die Bälle nicht so viel aufpumpen und viel Training“, so lauten die Empfehlungen von Steil. Und Wheaton sagt: „Ich feuchte mir den Mittel- und Zeigefinger der Wurfhand ab und zu an.“

Was ist von einem generellen Harz-Verbot im Handball zu halten?

„Absolut nichts“, sagt Engel. Ein Verbot mache die Sportart wesentlich langsamer und weniger attraktiv. Aufgrund der unterschiedlichen Eigentümerstruktur der Sporthallen ist aus Sicht von Wheaton ein generelleres Verbot schwierig durchzusetzen. Außerdem ist er überzeugt: „Viele Handballer würden sich das Handballspielen dann nochmal zweimal überlegen, da sie nichts anderes gewöhnt sind außer Harz.“

Für Steil würde ein Verbot den Handball „kaputt“ machen. Es entbehre zudem jeder Grundlage: „Im Eishockey wird das Eis auch nicht geschmolzen.“