Handball-Strukturreform: Vereine kritisieren Zehn-Euro-Spielerabgabe

Regionaler Handball : Clubs kritisieren Zehn-Euro-Spielerabgabe

Im Zuge einer bundesweiten Handball-Strukturreform sollen die Vereine zur Kasse gebeten werden. Die Basis begehrt auf.

Mit einer Strukturreform will der Deutsche Handball-Bund international konkurrenzfähig bleiben. Aber nicht nur das. Sie soll auch helfen, den Sport signifikant besser an der Basis zu verankern.

Im Mittelpunkt der Reform stehen eine Verbesserung der Förderung des (Nachwuchs)-Leistungssports, ein Schub für die Mitgliederentwicklung und die Schaffung von finanziellen Ressourcen, um diese Ziele zu erreichen.

Vor allem eine Idee sorgt in den Handballvereinen für großen Diskussionsstoff: Um mehr Geld in die Kassen zu spülen, ist die Einführung einer jährlichen Lizenzgebühr geplant. Sie soll voraussichtlich zehn Euro pro Aktivem und Jahr „als Berechtigung zur Spielbetriebsteilnahme“ betragen, wie es im Entwurf der Strukturreform heißt.

Zehn Euro „Soli“ pro Handballer – das klingt zunächst mal nicht viel. Doch die Masse macht’s. Zwei Beispiele: Auf den HSC Schweich kämen nach Auskunft des Vorsitzenden Carl-Stefan Schmitz Mehrausgaben pro Jahr von mindestens 2500 Euro zu – neben den rund 9600 Euro, die aktuell bereits an Abgaben an den Handballverband Rheinland anfallen. Bei der HSG Wittlich wären laut Vereinschef Axel Weinand rund 3000 Euro pro Jahr fällig – ganz abgesehen von einem enormen Verwaltungsaufwand, die diese Maßnahme aus seiner Sicht mit sich brächte.

Beide Vereine müssten das Geld über höhere Mitgliedsbeiträge wieder reinholen. Keine gute Idee, finden die Vereinsvorsitzenden. „In der Akquise von Jugendspielern steht der HSC Schweich in direkter Konkurrenz zu anderen Sportvereinen. Eine Erhöhung der Jahresbeiträge um circa zehn Prozent würde uns voraussichtlich die Arbeit erschweren und jugendliche Mitglieder kosten“, sagt Schmitz. „Dem Vater eines E-Jugend-Spielers zu sagen, er soll mit zehn Euro den Leistungssport fördern, ist nicht zu vermitteln“, sagt Weinand, der übrigens nicht alles schlecht an der Reform findet: Die geplante Reduzierung der Landesverbände sei überfällig.

Für Joachim Schmitt, Handball-Abteilungsleiter beim TuS Fortuna Saarburg, ist die Gebührenhöhe nur eine Seite der Medaille. Auch andere Fragen tauchen für ihn auf: „Kann man den Eltern plausibel erklären, wofür das Geld eingesetzt wird? Kommt davon auch eine Leistung im Verein an? Erreicht man dann im schlimmsten Fall eher das Gegenteil?“

Der HSG-Vorsitzende Weinand stört sich daran, dass bundesweit mehrere neue hauptamtliche Stellen für die Mitgliedergewinnung geschaffen werden sollen – neben einer für diesen Bereich bereits eingesetzten Geschäftsführerin beim Deutschen Handball-Bund: „Unser Problem sind nicht so sehr die Mitgliederzahlen. Die Herausforderung ist, gute Jugendtrainer zu finden. Das ist ein stetes Ringen.“ Schmitz verweist noch auf einen anderen Punkt: „Das drängendste Problem der hiesigen Handballvereine ist und bleibt die schlechte Hallen­infrastruktur, was Nachwuchs- und Jugendförderung erheblich erschwert.“

Daran knüpft auch Schmitt an: „Natürlich haben wir, wie andere Sportarten auch, Nachwuchsprobleme, wobei wir erfreulicherweise dieses Jahr sehr viele Neuanmeldungen im Jugendbereich haben. Das führt dann aber zu anderen Problemen: Wie und wo können die Kinder trainieren? Bedingt durch verschiedene Einflussfaktoren sind die Zeitfenster, die wir zur Verfügung haben, sehr klein. Schon heute müssen sich fast alle Jugendmannschaften Hallenzeiten teilen. Allerdings muss man hier die Träger der Hallen auch mal loben, die uns jederzeit bestmöglich unterstützen und Lösungen suchen.“

Wo sehen die Clubs Alternativen für eine bessere finanzielle Ausstattung? „Der prinzipielle Weg zur Förderung des Leistungssports muss über die großen Vereine und Verbände sowie über Sponsoring gehen“, sagt Schmitz.

Auch Weinand setzt aufs Sponsoring: „Da kommt noch zu wenig rein. Vielleicht wäre es sinnvoller, Stellen für die Sponsorenakquise zu schaffen.“ Außerdem plädiert er für eine andere Verteilung der Gelder des Deutschen Olympischen Sport-Bunds: „Die Mannschaftssportarten kommen da zu schlecht weg.“

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