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Handball: TuS Daun - Oberliga-Rückzug trotz famoser Aufholjagd​

Regionaler Handball : TuS Daun: Oberliga-Rückzug trotz famoser Aufholjagd

Seit die Vulkaneifeler sportlich mit dem Rücken zur Wand standen, eilten sie von Sieg zu Sieg. Obwohl der Klassenerhalt geschafft ist, starten die Dauner freiwillig kommende Saison nur noch in der Rheinlandliga. Warum?

Als Oberligist ist der TuS Daun aktuell die am höchsten spielende Handball-Herrenmannschaft in der Region Trier. Doch am kommenden Samstag endet die Zugehörigkeit der Eifeler zur vierthöchsten deutschen Spielklasse – und das, obwohl sich der TuS mit einer Siegesserie in den vergangenen Wochen sportlich den Abstiegssorgen entledigt hat. Freiwillig kehrt der TuS unabhängig vom endgültigen Tabellenbild in die Rheinlandliga zurück. Aber warum?

Die aktuelle Saison bedeutet für den TuS eine Mammutaufgabe. Da die Oberliga eingleisig ausgespielt wird, stehen 30 Saisonspiele auf dem Programm. Daun hat im Winter zwar den Kader mit der Hinzunahme von Anton Domaschenko und Marcel Straub verstärkt (ein Grund für den Lauf der vergangenen Wochen), doch das Aufgebot ist – gerade bei Ausfällen – eher auf Kante genäht. Bemerkbar gemacht hatte sich das unter anderem, als der mit Abstand beste Torschütze Kai Lißmann und Torhüter Pascal Olivier längere Zeit verletzt fehlten.

Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass der personelle Aderlass in der kommenden Saison ziemlich heftig ausfallen wird, zogen die Verantwortlichen die Reißleine. „In der ersten Mai-Hälfte, vor dem Auswärtsspiel in Saulheim, ist die Entscheidung über den freiwilligen Rückzug gefallen“, berichtet der sportliche Leiter des TuS, Markus Willems. Anton Domaschenko und Timo Löw zieht es studienbedingt beziehungsweise wegen eines Praktikums vorläufig ins Ausland, Marcel Straub tritt eine Arbeitsstelle in der Schweiz an. „Drei weitere Spieler und Dauner Eigengewächse sind beruflich oder familiär nicht mehr in der Lage, 30 Spieltage in einer eingleisigen Oberliga mit teilweise sehr weiten Fahrten zu den Auswärtsspielen zu bewerkstelligen. Hinzu kommen in der Regel noch etwa zehn Vorbereitungsspiele. Das ist inklusive der höheren Trainingsbelastung fast doppelt so viel Aufwand wie in der Rheinlandliga, wofür diese Spieler aber zugesagt haben“, erläutert Willems.

Ersatz lässt sich aus der eigenen Jugend aktuell nicht herausziehen, im Gegenteil. „Wir haben nächstes Jahr keine A-Jugend. In den nächsten drei bis vier Jahren wird es nicht möglich sein, Eigengewächse zu integrieren. Und weitere Ausfälle durch berufliche Veränderungen würden wiederum die Notwendigkeit von externen Neuzugängen mit sich bringen“, beschreibt Willems einen Teufelskreis.

Doch auch der Rückzug in die Rheinlandliga hat tiefgreifende personelle Auswirkungen. Zum einen wird der bisherige Trainer Igor Domaschenko das Team nicht weiter coachen. Willems: „Igor wohnt im Hunsrück, da ist der Aufwand fürs Pendeln, das auch ein Kostenfaktor für uns ist, in der Rheinlandliga zu hoch. Igor hatte die letzten zwei Jahre, die durch Corona-Ausfälle und -Verschiebungen geprägt waren, sicher keine leichte Aufgabe. Er hat sämtliche Probleme sehr professionell und mit viel Leidenschaft gelöst.“ Zudem verlässt Lißmann den TuS – er schließt sich dem Oberligisten HV Vallendar an.

Gleichwohl glaubt Willems daran, dass der TuS in der Rheinlandliga mit einem konkurrenzfähigen Aufgebot an den Start gehen wird. Als Trainer-Duo haben Patrick Brümmer und Thorsten Ringer zugesagt. Willems: „Kaum jemand verkörpert den Dauner Handball und die Dauner Tugenden so wie diese zwei und ebenso Igor Rahn, der als Trainer der in der Landesliga angesiedelten zweiten Mannschaft zugesagt hat. Somit haben wir ein Bindeglied zwischen erster und zweiter Mannschaft, sodass wir als Verein wieder richtig zusammenwachsen werden.“ Auf Sicht soll ein neues Jugendkonzept helfen, die Lücke zwischen Jugend- und Seniorenbereich möglichst schnell zu schließen und auch wieder Talente in die Rheinland- und Landesligamannschaft zu integrieren. Willems ist überzeugt: „Wir sind sicher, dass wir den kurzfristigen sportlichen Rückschritt bald wieder in eine positive Dynamik im Gesamtverein umdrehen können.“