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Heinz Toppmöller zum 70.: Spiel gegen Schweden war sein Karriereknick

Fußball : Heinz Toppmöller zum 70.: Spiel gegen Schweden war sein Karriereknick

Heinz Toppmöller ist 70 und blickt auf bewegte Jahre als Spieler und Trainer zurück. Folgenschwer war die  Begegnung mit einem Torwart.

Die Zahl der Gratulanten, die (trotz Coronakrise) bei ihm zuhause in Hetzerath vorbeischauten oder sich telefonisch meldeten, war groß. Über einen Anruf zu seinem 70. Geburtstag, den er am Montag feierte, freute sich Heinz Toppmöller ganz besonders: „Herbert Zanker hat aus Bayern angerufen. Da wurden tolle Erinnerungen wach.“ An der Seite seines eineinhalb Jahre jüngeren Bruders Klaus, der die A-Nationalmannschaft coachte, war Heinz Toppmöller ab Anfang 2006  für rund zwei Jahre beim georgischen Verband engagiert und trainierte die U19 des Kaukasusstaates. Zanker zählte ebenso zum Trainerteam, wie etwa auch der langjährige DDR-Nationalspieler und spätere Leverkusen-Co Ralf Minge.

Auf eine „tolle Zeit in Georgien mit vielen unglaublich netten Menschen“ blickt der frischgebackene Siebziger zurück. Jene Herzlichkeit widerfuhr Toppmöller auch zu Beginn seiner Laufbahn als Fußballer. Als er 1972 aus dem heimatlichen Rivenich nach Kaiserslautern gezogen war, und dort parallel die Meisterschule für Elektriker besuchte und bei den FCK-Amateuren spielte, wohnte er im Haus von Rudi Merk: „Es herrschte eine familiäre Atmosphäre.“

Der Clubfunktionär zog die Fäden bei den Roten Teufeln. Merk-Sohn Markus lernte Toppmöller bereits in jungen Jahren kennen. „Er wusste schon damals, was er wollte und ging die Dinge mit Entschlossenheit an“, erinnert sich Toppmöller an den späteren Weltklasse-Schiedsrichter, der heute als Aufsichtsratssprecher versucht, den sportlich und wirtschaftlich schwer angeschlagenen FCK, wieder flottzumachen.

Wovon sie heute in der Pfalz nur noch träumen können, war damals Alltag: Bundesliga. Dass es Toppmöller nur auf vier Einsätze in der Eliteliga brachte, hängt vor allem mit einer schweren Verletzung zusammen. Im Vorfeld der WM 1974 zog sich der zentrale, defensive Mittelfeldspieler in einem Testspiel gegen Schwedens  Nationalelf schwere Schäden im linken Knie zu: „Innenband, Meniskus, Kreuzband: Es war so ziemlich alles kaputt, was nur kaputt sein konnte.“ Vorausgegangen war in der Partie gegen die Skandinavier ausgerechnet ein Zusammenprall mit Torwart Ronny Hellström, der in der Begegnung auf dem Betzenberg derart überzeugte, dass ihn die Lauterer später verpflichten sollten. Bitter: Vorbei war es damit auch mit einer internationalen Karriere. Einen Lehrgang der damals noch existierenden Amateur-Nationalmannschaft musste Toppmöller absagen.

Monatelang dauerte es, bis er schließlich vom damaligen Nationalmannschaftsarzt Professor Heinrich Hess operiert wurde. Vorbei war es aber mit der Profi-Laufbahn, zumal auch FCK-Trainer Erich Ribbeck nicht mehr auf ihn gesetzt habe.

Während Bruder Klaus in Kaiserslautern zum Bundesliga-Toptorjäger avancierte, kam Heinz immerhin in der Heimat noch groß heraus. Ab Mitte der 70er Jahre setzte er mit dem FSV Salmrohr zum Höhenflug an und hörte erst auf, als die „Macht vom Dorf“ via Aufstiegsrunde 1986 den sensationellen Sprung in die Zweite Bundesliga geschafft hatte („Mit Mitte 30 war ich zu alt, um noch mal so weit oben zu spielen.“). Leiwen, mit dem er Rheinlandmeister wurde, Platten, Kröv als Spieler und/oder als Trainer, später dann in Morbach und zuletzt in der Saison 2011/12 für ein paar Monate der FSV Trier-Tarforst: Das waren später seine  Stationen.

Weil die Hüfte nicht mehr so mitspielt, geht außer Schwimmen nicht mehr viel an Sport. Als Zuschauer ist Heinz Toppmöller aber noch präsent. Mal schaut er in Salmrohr vorbei, wo Nico (30) spielt. Und mal in Leiwen – dort ist Timo (38) für die zweite Mannschaft am Ball. Der dritte Toppmöller-Filius, Marco (42), brachte es Anfang der 2000er Jahre selbst auf zwei Bundesligaeinsätze  beim FCK. Später stieg er ins Trainergeschäft ein, muss aber gesundheitsbedingt derzeit eine Pause machen.

Für sein neues Lebensjahrzehnt wünscht sich Heinz Toppmöller, dass „es nach der Coronakrise  hoffentlich bald wieder mit dem Fußball losgeht“. Und außerdem würde er gerne noch mal nach Georgien. Sein Trainerkollege Herbert Zanker war vor kurzem am Schwarzen Meer. „Wenn er das nächste Mal runterfliegt, komme ich mit“, kündigt der Wahl-Hetzerather an und will dann noch mal die einprägsame Zeit am Kaukasus aufleben lassen.