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Herbert Schuhmacher: Ein Leben für den (Handball-)Sport

Regionaler Handball : Herbert Schuhmacher: Ein Leben für den (Handball-)Sport

Der Funktionär aus Trier ist jetzt Ehrenmitglied im Verband Rheinland. Im TV spricht er über eine bittere Erkenntnis und tolle Begegnungen. An die Vereine richtet er einen Appell.

Herbert Schuhmacher ist seit Jahrzehnten ein prägendes Gesicht im regionalen Handball. Er war Spieler und streitbarer Funktionär. Als studierter Architekt war er zudem in die Planung, Sanierung und Erweiterung zahlreicher Sportstätten in Trier involviert.

Für seine herausragenden Verdienste um den Handballsport hat Präsident Peter Josef Schmitz Schuhmacher kürzlich die Ehrenmitgliedschaft des Handballverbands Rheinland verliehen. Grund genug, mit Schuhmacher einen Blick auf die zurückliegenden Jahre zu werfen – auf erfreuliche Momente und große Enttäuschungen. Dazu haben wir dem Trierer mehrere Stichpunkte gegeben.

Mein schönstes Handball-Erlebnis: „Das war der Aufstieg der Trierer Miezen 1994 aus der Regionalliga mit dem Auswärtssieg in Haspe, den mehr als 200 Zuschauer, die in zwei Bussen und Privatfahrzeugen angereist waren, gemeinsam feierten.

Aber auch die nachfolgenden Jahre in der zweiten Bundesliga und der Aufstieg 2000 in die Bundesliga, die tolle Atmosphäre bei den Spielen in der Wolfsberghalle sowie die Meisterfeier 2003 in der neuen Arena Trier bleiben unvergessen.

Im Gedächtnis bleibt mir diese Zeit auch, weil mit den Miezen und mit der Frauenmannschaft des TuS Weibern gleich zwei Mannschaften den Handballverband Rheinland in den höchsten Spielklassen des Deutschen Handball-Bunds vertraten. Auch wenn beide Mannschaften nicht mehr in diesen Spielklassen vertreten sind, haben sie regional den Frauenhandball bestimmt und nachhaltig geprägt.“

Meine größte Enttäuschung: „Das war für mich das mehr als unsportliche Verhalten von Vereinen und Funktionären im Zusammenhang mit der Aufnahme der luxemburgischen Frauenmannschaft des HBC Bascharage in den Spielbetrieb des Handballverbands Rheinland beziehungsweise in die RPS-Oberliga. Mir wurde erstmals bewusst, dass in unserem Europa lediglich die Zollschranken gefallen sind. Eine bittere Erkenntnis, die mich bis heute begleitet.“

Mein größter Erfolg: „Als größten Erfolg betrachte ich die Initiative zum spieltechnischen Zusammenschluss der beiden Bezirke Mosel/Eifel und Nahe/Hunsrück zusammen mit meinem unvergessenen Sportfreund Horst Bach von der HSG Irmenach/Kleinich. Mit ihm zusammen gelang es uns, der Ausdünnung der beiden Spielbereiche entgegenzuwirken und  durch einen Zusammenschluss und die geografische Einteilung der Spielklassen einen sportlichen und funktionierenden Spielbetrieb aufrechtzuerhalten.“

Meine wichtigste Entscheidung im Handballverband Rheinland: „Das war die Neustrukturierung der Spielklassen auf Verbands- und Bezirksebene im Jahr 1994 mit der einhergehenden Ausrichtung leistungsbezogener Auf- und Abstiegsregelungen. Gleichzeitig wurde die Eigenverantwortung der Spielbereiche mit dem Zweck gestärkt, auf die in den Spielbereichen ständig wechselnden saisonalen Ausgangssituationen unter sportlichen und geografischen Gesichtspunkten kurzfristig und unbürokratisch reagieren zu können.“

Meine intensivste persönliche Begegnung: „Es fällt mir schwer, eine persönliche Begegnung besonders hervorzuheben. Es waren zwei Personen, die mich geprägt haben.

Unvergessen bleibt mir die intensive und freundschaftliche Zusammenarbeit mit meinen verstorbenen Sportfreunden Horst Bach, Bezirksvorsitzender Nahe/Hunsrück, und Alfons Steinbach, mein Vorgänger als Bezirksvorsitzender. Beide haben meine sportliche Funktionärslaufbahn entscheidend mitgeprägt und mir in vielen schwierigen Situationen zur Seite gestanden.“

Mein größter Wunsch: „Die jüngste Entwicklung mit dem Rückzug der Vereine DJK/MJC Trier und TuS Weibern (Vulkan Ladies) aus den höchsten beiden Spielklassen des Deutschen Handball-Bunds haben die beschränkten finanziellen Möglichkeiten in unserem Verbandsgebiet aufgezeigt, was noch deutlicher für den Männerbereich zutrifft. Es ist erfreulich, dass zumindest im Frauenbereich mit den Vereinen HSG Wittlich und HSG Hunsrück zwei leistungsorientierte Zentren heranwachsen, aus deren Potenzial sich eine regionale Struktur für höhere Spielklassen bilden könnte, was auch für den Ballungsraum Koblenz gilt.

Allerdings, dies zeigt die Vergangenheit, wird dieses Ziel nur durch gemeinsame und uneigennützige Zusammenarbeit dieser leistungsorientierten Vereine zu erreichen sein, ohne die Basisarbeit in den jeweiligen Stammvereinen zu vernachlässigen.

Foto: kaurisch ulrich

Die demografische Entwicklung mit dem deutlichen Rückgang von Mannschaften vor allem in den jüngeren Jahrgängen wird zur Existenzfrage. Um dem Einhalt zu gebieten, bleibt zu hoffen, dass zumindest die leistungsstärksten Vereine dieses Verbands zu einer nachhaltigen uneigennützigen Zusammenarbeit finden mit dem Ziel, vielleicht in naher Zukunft wieder eine Mannschaft auf DHB-Ebene aufweisen zu können.“