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Hetzerath: Karl-Heinz Kläs - der Dauerbrenner aus der A-Klasse

Fussball-Schiedsrichter : Der Dauerbrenner aus der A-Klasse

Er pfeift so hoch, wie er wohl selbst nie gespielt hätte: Das ist einer der Gründe, warum Karl-Heinz Kläs gerne Fußball-Schiedsrichter ist. Der 62-Jährige verrät, wann er Trainern schon mal während des Spiels einen Tipp gibt, und was ihn bereits vor einer Partie in der Kabine freut.

Das ist seine Liga. In der A-Klasse macht ihm das Pfeifen besonders großen Spaß – und das schon seit rund 27 Jahren. Karl-Heinz Kläs, der aus Bekond stammende Wahl-Hetzerather, leitete am 11. September 1993 die Partie Ellenz gegen Sohren im Spielkreis Hunsrück/Mosel. „Schon da war ich Austauschschiedsrichter und durfte auch mal in einem anderen Fußballkreis ran. So was bietet immer einen neuen Reiz, weil man dann wieder andere Leute kennenlernt.“

Auf 209 Partien in der höchsten Spielklasse seines Heimatkreises Mosel, aber auch jener in Trier/Saarburg, der Eifel bis hin zur Nahe im Südwestverband hat es der heute 62-jährige Kläs gebracht. Auch im Saarland war er schon als 23. Mann aktiv. Die Gesamtzahl seiner Einsätze ist ihm dagegen nicht ganz so wichtig. „Insgesamt 25 bis 30 pro Saison sind es aber schon, meistens in den Kreisligen und leider nur noch sehr selten in der Jugend.“ In einigen Nachwuchsligen gebe es schließlich oft Spiele auf fußballerisch ansehnlichem  Niveau. Kläs ist Schiedsrichter aus Leidenschaft und stolz darauf, Partien auf einem Level zu pfeifen, „den ich als Spieler nie erreicht hätte“.

Über die unterste Liga als Mitglied der Bekonder Reservemannschaft sei er nicht hinausgekommen – obwohl er den Fußball so liebt. Als er im Frühjahr 1989 im Mitteilungsblatt einen Aufruf des SV Hetzerath las, dass man dringend Schiedsrichter suche, meldete sich Kläs. Der Verein habe sich direkt rührend um ihn gekümmert, weshalb er ihm auch bis heute treu geblieben ist. Selbst ein finanziell lukratives Angebot aus der Nachbarschaft hat ihn  vor einigen Jahren nicht schwach werden lassen: „Hier  fühle ich mich wohl. In Hetzerath wohne ich, und meine beiden Söhne sind hier zur Schule gegangen. Warum soll ich da wechseln?“

Die Prüfung legte er unter dem früheren Bundesliga- und Fifa-Schiedsrichter Franz-Josef Hontheim aus Trier am 11. Juni 1989 ab. Das Aufgabenblatt hat Kläs immer noch fein säuberlich in seinem prallgefüllten Schiedsrichterordner abgeheftet, genauso wie Zeitungsartikel und die in früheren Jahren noch üblichen Spielansetzungskarten, die inzwischen längst von Infos aus dem elektronischen Postfach des Deutschen Fußball-Bundes abgelöst worden sind.

Fehlerlos bestand Kläs seine Prüfung vor 31 Jahren. Trotzdem konnte er seine Nervosität vor seinem ersten Spiel nicht verbergen. Die E-Junioren von Hetzerath und Esch trafen sich zum Derby. Doch alles blieb ruhig, auch die oft allzu emotionalen Eltern am Spielfeldrand hatten nichts zu beanstanden. Hetzerath siegte 6:0, und Kläs hatte seine Feuertaufe an der Pfeife bestanden.

Eine Erkrankung zwang ihn von Oktober 1989 gut ein halbes Jahr lang zu einer Zwangspause. Doch der Maschinenschlosser kämpfte sich zurück. Höher als bis in die A-Klasse konnte er danach jedoch nicht mehr kommen: „Das hat mit den Altersvorgaben des Verbands zu tun.“

Doch auch die Kreisliga motiviert ihn damals wie heute. Die Erfahrung kann ihm keiner mehr nehmen, auch das Fingerspitzengefühl hat Kläs zu einem sehr anerkannten Unparteiischen im Spielkreis Mosel und darüberhinaus gemacht. Früher habe er schon mal einen Elfmeter drei Mal wiederholen lassen. „Das passiert mir heute nicht mehr“, lacht Kläs. Und wenn er auf dem Platz früh einen Akteur ausmache, der allzu aggressiv zu Werke geht und droht, einen Feldverweis zu kassieren, „kriegt der Spielführer oder der Trainer von mir mal einen dezenten Hinweis darauf. In aller Regel läuft dann anschließend alles wieder in normalen Bahnen ab“.

Einmal leitete er ein B-Liga-Spiel mit vier Roten Karten und wüsten Beleidigungen. Die Folge war ein umfangreiches Nachspiel vor der Spruchkammer. Doch das war eine absolute Ausnahme. „Karl-Heinz genießt bei nahezu allen Vereinen hohes Ansehen“, berichtet Marc Schiry, der Obmann des Spielkreises Mosel.

Es komme nicht zuletzt auf den Unparteiischen selbst an, wie ein Spiel über die Bühne gehe, betont der Dauerbrenner aus der A-Klasse: „Alleine schon die Laufbereitschaft macht viel aus. Wenn ich mich als Schiri nur am Mittelkreis aufhalte, leidet die Ausstrahlung darunter.“

Um fit zu bleiben, sei er auch nach dem Saisonabbruch im Frühjahr viel gelaufen. Zudem habe sein junger Schiedsrichterkollege Jason Lieser ein spezielles Training in Hetzerath ins Leben gerufen. „Werner Kalle, Horst Jonas und mir – den Älteren macht so was besonderen Spaß.“

Den Saisonstart Anfang September kann der Fan des SC Freiburg kaum erwarten. Dann sind es auch die kleinen Aufmerksamkeiten, die ihn schon vor dem Anpfiff freuen. „Es gibt Vereine, die einen Zettel in die Schiri-Kabine legen, auf dem gleich die Namen der vorgeschriebenen Ordner festgehalten sind – verbunden mit dem Wunsch, das Spiel gut zu leiten. So was ist professionell und gastfreundlich zugleich.“

Wohin ihn sein 210. A-Ligaspiel führt, weiß Kläs noch nicht. Doch wahrscheinlich wird er auch diese Aufgabe mit Respekt vor den Aktiven und einer Portion Fingerspitzengefühl sicher bewältigen.